Passionsandachten

 

 

Fünfte Passionsandacht am 23. März 2021

 

 

Liebe Gemeinde,

das ist heute die letzte Passionsandacht, die wir Ihnen aufgrund der Pandemie in gedruckter Form zur Verfügung zu stellen. So können Sie diese zuhause in einer ruhigen Stunde lesen und sich die Lieder anhören, indem Sie auf die Webseite des Gottesdienstinstitutes gehen. Vom Gottesdienstinstitut stammt auch die Idee, sich mit modernen Kreuzestheologie-Liedern zu befassen.

Die Passionsandacht-Reihe trägt den schönen Titel: Durch alle Zeit strahlt hell das Kreuz!

Das kleine lichtblaue Kreuz, das wir Ihnen mit unseren Andachten schenken, soll Sie immer daran erinnern.

 

Wenn Sie die Lieder hören wollen, gehen Sie bitte auf :

www.gottesdienstinstitut.org

Dann klicken Sie auf: Informationen

                                      Passion und Ostern in Coronazeiten

                                      Passionslieder aus dem zweisprachigen Gesangbuch

 

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Wir beginnen mit dieser Andacht im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

Gebet

Herr, unser Gott, dein Atem ist länger als unser Atem.

Du denkst noch an uns, wenn wir längst aufgegeben haben -

uns selbst, die Menschen um uns, dich.

Du willst, dass wir immer wieder zusammenfinden, dass wir unsere Fehler hinter uns lassen, dass wir füreinander da sind.

Auf deinen langen Atem hoffen wir.

Lass uns in deinem Leiden die Liebe erkennen. Teile mit uns deine Kraft.

Öffne uns für deine Zuwendung.

Auf deinen langen Atem warten und setzen wir. Amen 

 

Lesung (1. Kor. 1, 18-25)

Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo Motten und Rost sie fressen und wo Diebe einbrechen und stehlen. Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo weder Motten noch Rost sie fressen und wo Diebe nicht einbrechen und stehlen. Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz. Niemand kann zwei Herren dienen: Entweder er wird den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird an dem einen hängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.

 

 Ansprache „Seh‘ ich das Kreuz an, ach wie schwer...“

(der Ansprache liegen folgende Liedstrophen zugrunde)

 

1. Seh ich das Kreuz an: Ach wie schwer ward Jesus seine Todesnacht! Wie wunderbar, dass es der Herr zum Ursprung neuen Lebens macht.

When I survey the wondrous cross on which the Prince of glory died, my richest gain I count but loss and pour contempt on all my pride.

 

2. Erfolg und Glanz verlocken mich, und doch vergehn sie mit der Zeit. Durch Jesus und sein Kreuz bin ich erlöst, aus ihrer Macht befreit.

Forbid it, Lord, that I should boast save in the death of Christ my God; all the vain things that charm me most, I sacrifice them to his blood.

 

3. Den Hohn und Spott ertrug er still. Aus Dornen, nicht aus Edelstein, ist seine Krone, denn er will den Leidenden ein König sein.

See from his head, his hands, his feet, sorrow and love flow mingled down; did e‘er such love and sorrow meet or thorns compose so rich an crown?

 

4. O Liebe, du begleitest mich, im Leiden bist du auch bei mir. Mein Jesus, darum gebe ich mein Leben, meine Liebe dir.

Were the whole realm of nature mine, that were a present far too small; love so amazing, so divine, demands my soul, my life, my all. 

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Leserin, lieber Leser,

in vielen Gemeinden bekommen die Konfis zur Konfirmation ein Kreuz geschenkt. Es soll die Jugendlichen an ihre Gemeinde erinnern und an den Glauben, mit dem sie sich nun ein Jahr beschäftigt haben. Natürlich ist zu hoffen, dass die jungen Leute das Kreuz auch tragen oder dass es in ihrem Zimmer einen Platz findet – als sichtbare Erinnerung an den, der sie auch in ihrem künftigen Leben begleiten will.

Es ist Tradition und seit vielen Jahrhunderten gepflegter Brauch: Christen schmücken sich, ihre Wohnungen und Kirchen mit Kreuzen. Je nach Geldbeutel oder Machtstellung fallen diese Kreuze unterschiedlich aus. Einfache, aus Holz geschnitzte oder in Stein gemeißelt – bis hin zu prunkvollen, in Gold gefassten und mit Edelsteinen überladenen Prunkkreuzen auf Altären oder fürstlichen Gebetsbüchern.

Viele finden: das Kreuz und ein damit zur Schau gestellter Reichtum passen nicht zusammen. Ist nicht das, wofür das Kreuz steht das genaue Gegenteil von Schmuck, Zier und äußerem Glanz? Sehen wir im Kreuz einen wertvollen kostbaren Kunstgegenstand oder sehen wir den Gekreuzigten, seine Qual, seinen Schmerz, seine Gottverlassenheit?

Das Lied „Seh ich das Kreuz an: Ach wie schwer“ nimmt beide Blickweisen ein und stellt sie einander gegenüber: Reichtum und Glanz rechnet es zu den menschlichen Wünschen und Begierden. An und unter dem Kreuz herrschen Tod, Leid, Hohn und Spott. Doch weil an und unter dem Kreuz auch Gott anwesend ist, dreht er die damit verbundenen Werte einfach um: Glanz, Erfolg, Reichtum stehen in völligem Gegensatz zu der Erniedrigung des Gekreuzigten und doch ist sein Leiden für uns, die wir es uns vergegenwärtigen, kostbarer und wertvoller als alle irdischen Güter.

Das Lied spielt mit Begriffen unserer materiellen Welt, im englischen Text noch deutlicher als in der deutschen Übersetzung, und stellt sie Gottes Welt gegenüber: Reichtum und Glanz stehen hier auf der menschlichen Seite, my richest gain (mein reichster Gewinn), all the vain things that charm me most (all die eitlen Dinge, die mich so sehr reizen). Doch die wahre göttliche Krone ist nicht aus Edelsteinen, sondern aus Dornen gemacht, der Mann am Kreuz ein König der Leidenden, der den Tod in neues Leben verwandelt hat.

 

Deshalb kann unser Blick auf das Kreuz immer nur ein doppelter Blick sein: wir sehen darin nicht nur die Niederlage, sondern auch den Sieg, nicht nur Elend und menschliche Finsternis, sondern auch Glanz und göttliches Strahlen. Jesus hat mit seinem Tod am Kreuz die Gültigkeit von Reichtum und Macht überwunden und an ihre Stelle die Liebe und das Leben gesetzt.

Und das heißt: vor dem wunderbaren, alles verwandelnden und Werte verändernden Gott können auch wir falsche Prioritäten unseres Lebens ablegen. „Erfolg und Glanz verlocken mich, und doch vergehn sie mit der Zeit. Durch Jesus und sein Kreuz bin ich erlöst, aus ihrer Macht befreit“ singt das Lied in seiner 2. Strophe. Wie weit trifft uns das? Verlocken uns Erfolg und Glanz? Manche haben wenig zur Verfügung und sehnen sich nach mehr finanziellen Ressourcen, die ihr Leben erleichtern würden. Manche kriegen auch den Hals nicht voll und wollen immer mehr. Doch für viele, so erlebe ich es, ist materieller Reichtum kein großes Thema. Sie haben andere Werte und es geht ihnen auch materiell so gut, dass das Streben nach Reichtum oder Gewinn sie nicht sonderlich beschäftigt. 

Anders ist es da schon mit äußerem Erfolg und Glanz in unserer Darstellung nach außen. Sich zeigen und gesehen zu werden ist für viele ein wichtiger Lebensinhalt geworden. Das spielt sich mittlerweile vor allem im Netz ab. Aber auch wer nicht twittert oder auf Facebook ist, möchte Anerkennung und Achtung von außen. Auch ich, das gebe ich zu, möchte Erfolg haben mit dem, was ich tue und gelobt werden. 

 

„Erfolg und Glanz verlocken mich, und doch vergehn sie mit der Zeit. Durch Jesus und sein Kreuz bin ich erlöst, aus ihrer Macht befreit. Wenn ich diese Strophe höre, mich von der Melodie berühren lasse, ist es eine Verheißung, eine gute Botschaft: Dein Wert wird nicht bestimmt durch Zustimmung bei Twitter oder Facebook. Auch wenn es schön ist, gelobt zu werden, es macht dich nicht aus, ob dich einer gut findet oder nicht. Du bist nicht das, was die anderen von dir denken. Die anderen haben keine Macht, dich zu verurteilen. Denn der Mann am Kreuz hat alle menschliche Macht gebrochen, er hat den Leidenden Glanz verliehen, den Gebrochenen Ruhm. Bei denen, die im Schatten seines Kreuzes leben, zählen andere Werte, zählt die Liebe, das Leben, das entsteht, wenn Menschen wachsen und sich entwickeln.

 

Die Kreuze, die unsere Konfis bekommen, die Kreuze, mit denen wir uns oder andere Wohnungen schmücken, haben deshalb eine wertvolle Botschaft: Gib nicht den anderen Macht über dich. Lass dich nicht von dem bestimmen, was sie über dich denken. Schau auf das Kreuz und erinnere dich: da ist einer, der dich liebt, auch wenn du es vielleicht selbst gerade nicht kannst, da ist Trost und da ist Hoffnung: Das Leben wird mit ihm an unserer Seite vielleicht sogar gut!. Amen

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unser menschliches Verstehen, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Gebet

Ewiger Gott, in Jesus, deinem Sohn, hast du unser Los geteilt. Sein Kreuz ist denen, die glauben, der Schlüssel zum Leben.

Wir bitten dich: Tröste die Traurigen. Stärke die Kranken. Mache den Ängstlichen Mut. Nimm unsere Toten auf in dein Reich.

Mit Jesu Worten beten wir zu dir: Vater unser …

 

Segen

Gott, segne uns und behüte uns.

Gott, schütze unser Leben und bewahre unsere Hoffnung.

Gott, lass Dein Angesicht leuchten über uns,dass wir leuchten können für andere

Gott, erhebe Dein Angesicht auf uns und halte uns fest im Glauben, dass das Leben lebendiger ist als der Tod. Amen

 

Eine gesegnete Passionszeit und Kar-Woche wünscht Ihnen 

Ihre Prädikantin Lydia Herold

 


4. Passionsandacht am 16. März 2021

 

Liebe Gemeinde,

da es momentan nicht möglich ist, die Passionsandachten hier in der Kirche wie gewohnt stattfinden zu lassen, haben wir uns entschlossen, die Andachten in gedruckter Form zur Verfügung zu stellen. So können Sie diese zuhause in einer ruhigen Stunde lesen und sich die Lieder anhören,

indem Sie auf die Webseite des Gottesdienstinstitutes gehen. Vom Gottesdienstinstitut stammt auch die Idee,

sich mit modernen Kreuzestheologie-Liedern zu befassen.

Die Passionsandacht-Reihe trägt den schönen Titel: Durch alle Zeit strahlt hell das Kreuz!

Das kleine lichtblaue Kreuz, das wir Ihnen mit unseren Andachten schenken, soll Sie immer daran erinnern.

 

Wenn Sie die Lieder hören wollen, gehen Sie bitte auf

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Wir beginnen mit dieser Andacht im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

Gebet

Herr, unser Gott, erfülle unser Leben mit deiner Kraft, dass wir entbehren können, ohne hart zu werden; dass wir leiden können, ohne zu zerbrechen; dass wir Niederlagen hinnehmen können, ohne uns aufzugeben; dass wir mit all den offenen Fragen leben können, ohne die Hoffnung zu verlieren. Wir wollen ganz fest glauben, dass du uns in deiner Hand hältst und behütest. Amen.

 

Von dieser Hoffnung schreibt der Apostel Paulus im Römerbrief:

 

Lesung aus dem Römerbrief, Verse aus Kap 8, 18-21

Ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit die an uns offenbart werden soll. Denn das ängstliche Harren der Kreatur wartet darauf, dass die Kinder Gottes offenbar werden. Die Schöpfung ist ja unterworfen der Vergänglichkeit – ohne ihren Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat – doch auf Hoffnung; denn auch die Schöpfung wird frei werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes.

 

Ansprache

(der Ansprache liegen folgende Liedstrophen zugrunde)

Refrain:

Anbetung, Preis und Ehre, sei dir, o Herr, geweiht, dem aus dem Mund der Kinder ein fröhlich Lob bereit.

All glory, laud and honnor, to you, redeemer, king, to whom the lips of children made sweet hosannas wring.

 

1.  Wir singen Hosianna, gelobt sei Davids Sohn. Du kommst, unser Erlöser, gesandt von Gottes Thron.

You are the king of Israel and David‘s royal Son, now in the Lord‘s name coming, our Kind an blessed One

 

2.  Dein Lob klingt in der Höhe, dir singt der Engel Chor. Der Lobgesang der Schöpfung schwingt sich zu dir empor.

The company of angels are praising you on high; creation an all mortals in chorus make reply.

 

3.  Die Menschen trugen jubelnd Palmzweige vor dir her, so bringen wir Gebete und Lieder dir zur Ehr.

The multitude of pilgrims with palms before you went; our praise an prayer an anthems before you we present.

 

4.  Dir, Herr, vor deinem Leiden erklang ihr Lobgebet. Wir singen unsere Lieder für dich, nun hoch erhöht.

To you, before your passion, they sang their hymns of praise. To you, now high exalted, our melody we raise.

 

5.  Wie du ihr Beten hörtest, hör uns in unserer Zeit. Wir preisen dich und singen, dein Lob in Ewigkeit.

Their praises you accepted; accept the prayers wie bring, great author of all goodness, o good and gracious King.

 

Mal ehrlich, liebe Gemeinde:

wenn ein Lied „Anbetung, Preis und Ehre“ heißt, würden Sie da an ein Passionslied denken? Bei „O Haupt voll Blut und Wunden“ oder „Es ist vollbracht, er ist verschieden“ ist alles klar. Aber bei „Anbetung, Preis und Ehre sei dir, o Herr, geweiht, dem aus dem Mund der Kinder ein fröhlich Lob bereit“ ? 

Immerhin, in den einzelnen Strophen des Liedes gibt es Hinweise auf Jesu Passion, vor allem auf den Palmsonntag. „Wir singen Hosianna“ heißt es in der ersten Strophe. Die dritte Strophe erzählt von den jubelnden Menschen, die Palmzweige vor Jesus hertragen. Und in Strophe vier stellen die Worte „Dir, Herr, vor deinem Leiden erklang ihr Lobgebet“ eine Verbindung zu Jesu Leiden her. Der Liedtext blickt vom Jubel des Palmsonntags nach vorne hinein in Jesu Leidenszeit.

Im Mittelpunkt der fünf Strophen aber steht tatsächlich das Lob und die Anbetung Jesu. Im Refrain heißt es sogar „...dem aus dem Mund der Kinder ein fröhlich Lob bereit“. Das ist ein Hinweis auf Psalm 8: „Aus dem Munde der Kinder und Säuglinge schaffst du dir Lob“. Die zweite Strophe besingt sogar den Engelschor aus der Weihnachtsgeschichte und schaut zumindest im englischen Text schon in die Ewigkeit, in der auch alle Toten in den Lobgesang einstimmen.   

Aber passt das? So viel Lob und Anbetung in einem Passionslied? Müsste da nicht viel mehr von Jesu Schmerzen gesungen werden? Von der Demütigung? Von seinem qualvollen Tod am Kreuz? Schließlich ist es Jesu Tod, der den Menschen Erlösung bringt, und nicht sein bejubelter Einzug nach Jerusalem. Wahrscheinlich aber brauchen wir auch gerade solche Passionslieder, die zeigen, dass Jesus so viel mehr ist als sein Leiden und Sterben. Jesus hat auch das Evangelium verkündet, hat Menschen auf den rechten Weg gebracht, Kranke geheilt, sich auf die Seite der Sünder gestellt. Er wird vom Tod auferstehen. Und als er in Jerusalem einzog, wurde er begrüßt als der, der er ist, als der König der Welt, der Retter, der Messias. Vielleicht waren es genau all diese positiven Erfahrungen, die Jesus die Kraft gaben sein Leiden und Sterben zu ertragen. Jesus war Gott, aber auch ein ganzer Mensch, der Demütigung, Leid und Schmerz nicht anders fühlte als jeder Mensch auf dieser Erde. Das Leid und der Tod Jesu sind eingebettet in die Anbetung der Menschen am Palmsonntag und in das Lob der Menschen nach seiner Auferstehung. Menschliches Leben vollzieht sich immer in der Spannung zwischen Glück und Leid, Schmerz und Erlösung. Erfolg und Scheitern. Es gibt wohl keinen Lebensweg, der nur das Glück oder nur das Leid kennt. Das echte Leben findet dazwischen statt, bei uns heute wie damals bei Jesus. 

 

Lassen Sie mich von einem Mann erzählen, von Theophil von Orléans, der im 8. Jhdt nach Christus den lateinischen Hymnus schrieb, der die Grundlage für den Text unseres Passionsliedes ist. Theophil hatte am Hof Kaiser Karl des Großen Karriere gemacht. Er wurde Abt des Klosters Fleury und Bischof der Stadt Orléans. Er wird als Gutachter für theologische Schriften eingesetzt, er begleitet den Kaiser zum Papst nach Rom. Er nimmt an Karls Krönung in Aachen teil und ist Zeuge seines Testaments. Mit dem Sohn und Nachfolger Kaiser Karls, mit Ludwig dem Frommen aber kommt es nach einiger Zeit zum Zerwürfnis. Theophil wird vorgeworfen, Teil einer Verschwörung gegen Ludwig zu sein. Theophil von Orléans wird daraufhin aller seiner Ämter enthoben und verbringt den Rest seines Lebens in Klosterhaft.  

Dort, in der Haft, dichtete Theophil geistliche Gedichte und Hymnen. Und zum Palmsonntag dichtete er (auf Deutsch): „Anbetung, Preis und Ehre“. Der Legende nach kam Kaiser Ludwig während der Palmsonntagsprozession am Fenster seiner Zelle vorbei, wo Theophil den Hymnus so ergreifend sang, dass der Herrscher ihn aus der Haft entließ und ihm sein Bischofsamt zurückgab. So die Legende.

Historische Dokumente legen aber nahe, dass Theophil im Jahr 821 in der Haft verstarb. Er war hoch aufgestiegen und ist tief gefallen. Er schreibt für den Palmsonntag in der Haft einen Lobgesang. Er schaut nicht auf Jesus, der gefangen werden wird wie er selbst, der gedemütigt wird wie er selbst, der im Leid sterben wird wie er selbst.

Er lobt Jesus, der das Leid aushalten und überwinden wird, der durch den Schmerz hindurch auf die Auferstehung in aller Herrlichkeit zugeht. Diesen Weg kann Theophil mitten in seinen schwersten Jahren mitgehen.  

Ja, „Anbetung, Preis und Ehre“ ist ein Passionslied. Es zeigt, dass Jesu Leid umgeben und geborgen ist in aller seiner Herrlichkeit. Alles menschliche Leid ist es auch. Es findet sein Ende und Ziel in Gottes Himmel. Dort wird unser Platz sein. Amen  

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unser menschliches Verstehen, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Gebet

Guter Gott, du kommst uns nahe, damit wir einander verstehen und über unseren Horizont schauen lernen.

Dich bitten wir:

Lass Menschen da sein, die uns ermutigen zur Liebe, die nicht nur sich selbst sucht.

Lass Menschen da sein, in denen dein Geist lebendig ist.

Lass Menschen da sein, die uns helfen, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden.

Lass Menschen da sein, die uns zeigen, dass man auch in der Trauer dich loben kann.

Lass Menschen da sein, die bereit sind, mit uns gemeinsam zu sagen: Anbetung, Preis und Ehre sei dir, o Herr geweiht.

 

Vaterunser

 

Segen (von Pierre Stutz)

Gesegnet seist du, wenn du Traurigkeit spürst und die Angst vor dem Loslassen dich umzingelt.

Gesegnet seist du, wenn du Leere empfindest und es dir schwerfällt, sie auszuhalten.

Gesegnet seist du, wenn du vertraust, dass im Loslassen Neues wachsen und reifen kann.

Gesegnet seist du: Christus ist dir Wegbegleiter in all deinen Erfahrungen.

So segne und behüte dich der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

 

 

Eine gesegnete Passionszeit wünscht Ihnen

 

Ihre  Prädikantin Lydia Herold

 

 

 



               

2. Passionsandacht am 2. März 2021

Liebe Gemeinde, da es momentan nicht möglich ist, die Passionsandachten hier in der Kirche wie gewohnt stattfinden zu lassen, haben wir uns entschlossen, die Andachten in gedruckter Form zur Verfügung zu stellen. So können Sie diese zuhause in einer ruhigen Stunde lesen und sich die Lieder anhören, indem Sie auf die Webseite des Gottesinstitutes gehen. Vom Gottesinstitut stammt auch die Idee, sich mit modernen Kreuzestheologie-Liedern zu befassen.

Die Passionsandacht-Reihe trägt den schönen Titel: Durch alle Zeit strahlt hell das Kreuz! Das kleine lichtblaue Kreuz, das wir Ihnen mit unseren Andachten schenken, soll Sie immer daran erinnern.

 

Wenn Sie die Lieder hören wollen, gehen Sie bitte auf: www.gottesdienstinstitut.org

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Passion und Ostern in Coronazeiten

Passionslieder aus dem zweisprachigen Gesangbuch

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Wir beginnen mit dieser Andacht im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

Gebet

Herr, wir bitten dich, sei uns nahe, wenn wir in der Bibel lesen oder Lieder singen oder beten. Lege auf unsere Worte dein Wort. Erfülle uns mit deiner Nähe – wo immer wir sind und wie immer wir uns fühlen. Schenke uns deinen Trost und lass uns erkennen, wie du in unserem Leben wirkst. Hab Dank, dass du alle Wege gegangen bist, auch die dunkelsten und schwersten, damit wir nie allein sind. Amen.

 

Lesung aus dem Römerbrief, Verse aus Kap 8, Basisbibel

 

Wenn Gott für uns ist, wer kann sich dann noch gegen uns stellen? Er hat ja seinen eigenen Sohn nicht verschont. Vielmehr hat er ihn für uns alle in den Tod gegeben. Wenn er uns aber seinen Sohn geschenkt hat, wird er uns dann nicht auch alles andere schenken? Was kann uns von Christus und seiner Liebe trennen? Etwa Leid, Angst oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder gar die Hinrichtung? Ich bin zutiefst überzeugt: Nichts kann uns von der Liebe Gottes trennen – nicht der Tod und auch nicht das Leben, keine Engel und keine weltlichen Mächte, nichts Gegenwärtiges und nichts Zukünftiges und auch keine andere gottfeindliche Kraft. Nichts Über-oder Unterirdisches und auch nicht irgendetwas anderes, das Gott geschaffen hat – nichts von alledem kann uns von der Liebe Gottes trennen, denn in Christus Jesus, unserem Herrn, hat Gott uns diese Liebe geschenkt.

 

Ansprache

Liebe Gemeinde,

„Singt dem Herrn ein neues Lied!“ - Gleich drei Psalmen in der Bibel fangen mit diesem Aufruf an. Lieder sind ein wichtiger Ausdruck unseres Glaubens, gerade auch in der doch schwierigen Passionszeit. Wir singen vom Leiden und Sterben Jesu und was das für unser Leben bedeutet.

In diesem Jahr wird es um neue Lieder gehen, die wir jetzt leider nicht miteinander hören und singen, aber doch lesen oder zumindest online hören können. Sie stammen aus dem englischsprachigen Raum und wurden für ein neues, zweisprachiges Gesangbuch ins Deutsche übersetzt.

Das Lied, das wir heute betrachten wollen, heißt „O Liebe, unermesslich hoch“:

1. O Liebe, unermesslich hoch, wie unbegreiflich ist es doch, dass Gott, der Schöpfer dieser Welt, uns seinen Sohn zur Seite stellt.

(O love, how deep, how broad, how high, beyond all thought and fantasy, that God, the Son of God, should take our mortal form for mortal’ sake.)

 

2. Er sandte keinen Engel her, dass der uns Gottes Willen lehr. Nein, er kam selber, uns zugut, er wurde Mensch aus Fleisch und Blut.

(God sent no angel to our race, of higher or of lower place, but wore the robe of human frame, in Christ our Lord to this world came.)

 

5. Für uns verraten und verhöhnt, gegeißelt und mit Dorn gekrönt, starb er für uns den Kreuzestod, um uns zu retten aus der Not.

(For us by wickedness betrayed, for us, in crown of thorns arrayed, he bore the shameful cross and death; for us gave his dying breath.)

 

6. Für uns erstand er von dem Tod, für uns regiert er nun mit Gott. Er sandte uns den Heil’gen Geist, der Kraft gibt und uns Trost erweist.

(For us he rose from death again; for us he went on high to reign; for us he sent his Spirit here to guide, to strengthen, and to cheer.)

 

7. O Liebe, unermesslich hoch, wie unbegreiflich bist du doch! So gilt dir unser Lobgesang, Herr Christe, unser Leben lang!

(All glory to our Lord and God for love so deep, so high, so broad; the Trinity whom we adore forever and forevermore.)

 

Für die Christen war es von Anfang an wichtig, dass sie das Evangelium, die gute Nachricht von Jesus, weitererzählten und vor allem auch den anderen Religionen zu erklären versuchten. Nur ist das gar nicht so einfach: Vor allem der Kreuzestod und die Auferstehung lassen sich rein rational nur schwer, bzw. gar nicht erklären. Ein Gott, der als Mensch geboren wird? Ein Gott, der sich dem menschlichen Leben radikal aussetzt? Ein Gott, der sogar stirbt – um wieder lebendig zu werden? Und das alles, damit das Leiden Christi für uns zum Heil wird?

Wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass wir das rein mit dem Verstand nicht erklären können. Es lässt sich nämlich nur durch eines erklären – und das ist nun doch etwas, was wir gut kennen, nämlich die starke Antriebskraft der Liebe.

„O Liebe, unermesslich hoch – wie unbegreiflich ist es doch, dass Gott, der Schöpfer dieser Welt, uns seinen Sohn zur Seite stellt!“

So wird es in der ersten Strophe zusammengefasst und damit wird deutlich, dass dieses Lied nichts erklären, sondern das Staunen wecken will: Das Staunen darüber, dass Gott aus Liebe zu uns tatsächlich nicht erklärbare Dinge tut. Vielleicht können wir über diesen Weg aber ja doch etwas von der Liebe Gottes nachvollziehen, denn wenn wir Menschen von Herzen lieben, tun wir ja auch oft genug Dinge, die ver-rückt sind, mit dem Verstand nicht nachvollziehbar, aber eben mit dem Herzen. Was tun Eltern nicht alles aus Liebe zu ihren Kindern! Was tun Liebende nicht alles, um für ihren Partner/ihre Partnerin da zu sein! Was tut Gott nicht alles, damit wir es wirklich glauben können: Er liebt uns als seine Kinder!

In der zweiten Strophe wird das noch einmal vertieft: Es war Gott nicht genug, dass etwa ein Prophet, ein Engel oder vielleicht ein Naturereignis auf Jesus hinweist. Er wollte selber kommen. Er wollte nicht irgendeine Botschaft schicken, sondern die Botschaft selber sein. Dazu wurde er in Jesus Christus ein Mensch aus Fleisch und Blut.

Wenn wir das Leben Jesu betrachten, dann können wir an vielen Stellen erkennen, wie er für uns gelebt hat, wie mitfühlend und gerechtigkeitssuchend er war, wie mutig auch und entschlossen. Der Punkt seines Menschseins aber, an dem er uns am klarsten sehen lässt, wie absolut treu er sein Dasein für uns gelebt hat, ist sein Leiden und Sterben. In der 5. Strophe wird es beschrieben: Jesus wird fallengelassen von denen, mit denen er sein Leben teilte. Er wird verhöhnt und verachtet. Er wird gedemütigt und gequält. Er wird verraten und verkauft und von allen allein gelassen. Und stirbt schließlich einen schrecklichen Tod.

Genau darin aber wird die Liebe Gottes glaubhaft: Gott bleibt im menschlichen Leben drin; er macht sich nicht davon; er leidet mit. Seine Liebe zu uns ist so groß, dass sie schließlich sogar den Tod besiegt.

Und noch einmal: Mit dem Verstand ist das nicht zu erfassen. Nur mit dem Herzen. Aber auch dann brauchen wir Hilfestellung. Und hier kommt nun die sechste Strophe dazu, die uns an den Heiligen Geist erinnert, an die Kraft Gottes, die in uns wirkt und in uns Glauben anstößt. Einen Glauben, der uns Kraft gibt und Trost und der uns immer wieder daran erinnert, wie untrennbar wir mit der Liebe Gottes verbunden sind.

Die siebte Strophe fasst alles noch einmal zusammen: O Liebe, unermesslich hoch, wie unbegreiflich bist du doch! So gilt dir unser Lobgesang, Herr Christe, unser Leben lang!

Diese Strophe sagt uns, wie wir diesem Gott antworten sollen: Diesem Gott, der sich für nichts zu klein, zu schade, zu gut war, um uns zu beweisen wie sehr er uns liebt. Wie können wir ihm antworten auf diese Liebe? Indem wir ihm danken und ihn loben für alles, was er uns Gutes erwiesen hat. Das kann man üben! Je mehr wir es üben und je selbstverständlicher wir mit Gott leben und mit ihm reden, umso mehr wird es uns auch tragen, wenn dunkle Zeiten in unser Leben kommen.

Das kleine blaue, leuchtende Kreuz, das wir Ihnen mit dieser Andacht schenken, kann uns daran erinnern, wie durch das Kreuz Jesu der geöffnete lichterfüllte Himmel hindurchscheint. Auch wir werden vor Leid nicht verschont bleiben, aber durch alles Dunkle hindurch leuchtet auch für uns vom Himmel herab das Licht, leuchtet in uns der Heilige Geist, der uns zum Loben bringt und uns mit Gott verbindet, untrennbar. Amen.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unser menschliches Verstehen, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Gebet

Gott, unser Schöpfer, du hast dich als Mensch unter Menschen begeben, um uns gleich zu sein und uns nahe zu kommen. Du willst uns auch durch schwere Zeiten hindurch begleiten. Dafür loben wir dich und danken dir.

 

Wir bitten dich: Hilf uns, dir zu vertrauen. Oft fühlen wir uns fern von dir, weil unser Verstand uns an dir zweifeln lässt. Oft wollen wir erst glauben, wenn wir alles bis ins Letzte verstehen. Doch du bist größer als unsere Vernunft. Hilf uns, dich mit Kopf und Herz zu erkennen und daraus die Kraft und die Freude für unser Leben zu schöpfen.

 

Wir bitten dich: Sei bei allen, die leiden:

Bei Menschen, denen durch andere Gewalt angetan wird.

Bei Menschen, die gedemütigt werden.

Bei Menschen, deren Vertrauen so enttäuscht wurde, dass sie sich nicht mehr öffnen können.

Bei Menschen, die krank sind.

Bei Menschen die bald sterben müssen.

Gott der Liebe, wir bitten dich: Wo immer wir sind, halte du uns fest in deiner Hand. Amen.

 

Vaterunser

 

Segen (von Antje Sabine Naegeli aus „Ich spanne die Flügel des Vertrauens aus“)

 

Möge dann und wann deine Seele aufleuchten im Festkleid der Freude.

Möge dann und wann deine Last leicht werden und dein Schritt beschwingt wie im Tanz.

Möge dann und wann ein Lied aufsteigen vom Grund deines Herzens, das Leben zu grüßen wie die Amsel den Morgen.

Möge dann und wann der Himmel über deine Schwelle treten!

So segne und behüte dich der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

 

Eine gesegnete Passionszeit wünscht Ihnen Ihre Pfarrerin Bettina Weber

Erste Passionsandacht am 23. Februar 2021

Liebe Gemeinde,
da es momentan leider nicht möglich ist, die Passionsandachten in der Kirche wie gewohnt stattfinden zu lassen, haben wir uns entschlossen, Ihnen die Andachten in gedruckter Form in der Kirche und hier zur Verfügung zu stellen. So können Sie diese zuhause in einer ruhigen Minute lesen und sich die Lieder anhören, indem Sie auf die Webseite des Gottesdienstinstituts gehen:

www.gottesdienstinstitut.org

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Passion und Ostern in Coronazeiten

Passionslieder aus dem zweisprachigen Gesangbuch

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Wir beginnen diese Andacht im Namen des Vater, des Sohnes und des Heiligen Geistes!

 

Singt dem Herrn ein neues Lied!

Mehrere Psalmen der Bibel rufen dazu auf, Gott neue Lieder zu singen. Dahinter steht wohl die uralte Erfahrung, dass Gott der ewig Neue und Andere für uns bleibt. Nie können wir ihn ganz begreifen, nie je mit ihm fertig sein. Was Gott für uns getan hat und tut, veraltet nicht. Immer neu kann es erfahren werden, kann es Menschen berühren und verändern. Und es findet seinen Ausdruck in immer neuen Liedern.

Jetzt, in der Passionszeit singen wir vom Leiden und Sterben Jesu. Wir singen davon, was er für uns getan hat und was das für uns und unser Leben bedeutet. Und wir tun das in diesem Jahr mit neuen Liedern. Sie stammen aus dem englischsprachigen Raum und wurden neu ins Deutsche übertragen.

 

Gebet

Wir kommen zu dir, Gott, und denken an Jesus Christus, deinen Sohn.

Wir hören, wie er litt, und denken an all das Leiden in unserer Welt: in Kriegsgebieten, in Flüchtlingslagern, in Krankenhäusern, hinter verschlossen Türen der Wohnungen.

Wir hören, wie er gedemütigt und verletzt wurde, und denken an all  die Demütigungen und Verletzungen, die wir selbst im Herzen tragen.

Wir hören, wie er am Kreuz starb, und denken an alle, die dem Tode entgegen gehen.

Jesu Weg geht durch Leid und Tod hindurch ins Licht der Auferstehung. Hilf uns und unserer Welt, ihm auf diesem Weg zu folgen.
Dir sei Ehre in Ewigkeit.
Amen

Auf das Kreuz will ich vertrauen

Lesung: 1. Kor 1, 18–25

Das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist es Gottes Kraft. Denn es steht geschrieben (Jesaja 29,14): »Ich will zunichtemachen die Weisheit der Weisen, und den Verstand der Verständigen will ich verwerfen.« Wo sind die Klugen? Wo sind die Schriftgelehrten? Wo sind die Weisen dieser Welt? Hat nicht Gott die Weisheit der Welt zur Torheit gemacht? Denn weil die Welt durch ihre Weisheit Gott in seiner Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch die Torheit der Predigt selig zu machen, die da glauben. Denn die Juden fordern Zeichen und die Griechen fragen nach Weisheit, wir aber predigen Christus, den Gekreuzigten, den Juden ein Ärgernis und den Heiden eine Torheit; denen aber, die berufen sind, Juden und Griechen, predigen wir Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit. Denn die göttliche Torheit ist weiser, als die Menschen sind, und die göttliche Schwachheit ist stärker, als die Menschen sind. 

 

Text der betrachteten Liedstrophen

1. Auf das Kreuz will ich vertrauen, / es strahlt hell durch alle Zeit. / Jesus Christus will ich schauen, / sein Licht bleibt in Ewigkeit.

2. Wenn mich Leid und Kummer plagen, / Angst mir fast den Atem raubt, / immer wird das Kreuz mich tragen. / Frieden findet, wer ihm glaubt.

 

1. In the Cross of Christ I glory, tow’ring o’er the wrecks of time. / All the light of sacred story / gathers round its head sublime.

2. When the woes of life o’ertake me, / hopes deceive, and fears annoy, / never shall the cross forsake me, / lo, it glows with peace an joy.

Ansprache

 

Worauf kann ich mich noch verlassen, wenn alle Hoffnungen zerbrechen und sich als Trug erwiesen haben?

Wenn ich am Boden liege, auf die Scherben meines Lebens blicke – was kann mich aufrichten, was kann mir Frieden geben und tragfähige Freude am Leben?

Wo ist das Licht am Ende des Tunnels, ein Licht, das sich nicht wieder als billiger Trost erweist, sondern so kraftvoll strahlt, dass es die Dunkelheit durchbricht?

Die Antwort des englischen Liederdichters John Bowring ist vielleicht erst einmal irritierend: „In the cross of Christ“ – im Kreuz Christi!

Das Kreuz. Es ist das Symbol der Passionszeit. Es erinnert an die dunkelsten Stunden im Leben Jesu und im Leben derer, die ihre Hoffnung auf ihn gesetzt hatten.

In Passionsliedern bedenken wir, meist in getragenen Tönen, sein Leiden und Sterben. Am Stamm des Kreuzes: Bitterer Tod. Tränen. Hilflosigkeit. Gottverlassenheit. Oh Haupt voll Blut und Wunden! Ein Unschuldiger wird hingerichtet, erduldet Schmach und Kreuzesschande. Im Kreuz verdichtet sich alle Erfahrung von menschlicher Grausamkeit und Schuldverstrickung, von Leid und Tod.

Doch ganz anders dichtet und singt John Bowring vom Kreuz: „In the cross of Christ I glory!“ – vom triumphieren (glory)  und sich erheben (tow'ring) ist da die Rede, vom Licht (light) und von der Ausstrahlung (streaming radiance), die vom Kreuz ausgeht. Es leuchtet (glows) vor lauter Frieden und Freude. Vom Kreuz, der Sonne des Glücks (sun of bliss), strahlt Licht und Liebe (beaming light and love) auf unseren Weg.

Auch in Christina Falkenroths deutschsprachiger Übertragung des Liedes „strahlt des Kreuzes Sonne, die uns seinen Glanz enthüllt“. Das Kreuz „strahlt hell durch alle Zeit“, „sein Licht strahlt in Ewigkeit“. Deshalb lädt sie uns ein, zu singen: „Auf das Kreuz will ich vertrauen!“ Auch, „wenn mich Leid und Kummer plagen, Angst mir fast den Atem raubt“: Der Glaube,  an bzw. das Vertrauen auf, das Sich-Verlassen auf das Kreuz ist tragfähig und lässt uns Frieden finden.

Ein Lied der Freude mitten in der Passionszeit. Es wartet nicht auf Ostern und die Botschaft von der Auferstehung, sondern bringt das Kreuz selbst zum Leuchten. Ausgerechnet das, was uns an das Schmerzlichste erinnert – an die dunklen Schatten, die Leid und Tod auf das Leben werfen – ausgerechnet dieses Kreuz wird besungen als Quelle des Lichts und des Vertrauens in das, was uns wirklich trägt.

 

Wie ist das möglich? Was lässt mich die strahlende Seite des Kreuzes sehen, ausgerechnet dann, wenn ich von Leid und Tod umgeben bin? Wie kann ich dieses Lied auch innerlich mitsingen?

 

Drei wichtige Glaubenserfahrungen werden in diesem Lied lebendig:

(1) Die Erfahrung, wie gut es tut, in einer schweren Situation zu wissen: ich bin nicht allein. Jemand ist an meiner Seite, mit ganzer Empathie und Solidarität – nicht als jemand, der „über den Dingen“ steht, sondern in der Lage ist, mitzufühlen, mitzuleiden, mit zu weinen. Für mich ist das Kreuz ein Symbol dafür, dass Gott genau das tut. Dass Gott einfach da ist. Dass er in Jesus Christus durch all das selbst durchgegangen ist und an meiner Seite mit mir durch all das hindurchgeht, was ich als „Kreuz“ erfahre. Und zu wissen, dass ich selbst mit dem Schrei „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ nicht allein sein würde, auch wenn mir der Sinn von all dem noch verborgen bleibt.

(2) Die Erfahrung, dass manchmal ausgerechnet Situationen, die wir als zerbrochen und dunkel erleben, besonders durchlässig werden für das Licht und die Kraft Gottes. Oft wird das erst im Nachhinein sichtbar. Der kanadische Schriftsteller und Musiker Leonard Cohen hat das so auf den Punkt gebracht: „There is a crack in everything, that's how the light gets in“ (aus: Anthem, 1992). Man könnte das ungefähr so übersetzen: „Da ist ein Riss in allem – auf diese Weise kommt das Licht herein“. Das Kreuz steht für mich genau für diesen Riss: Die Erfahrung von Schuld, von Zerbrochensein, von Endlichkeit – und genau durch diesen Riss dringt das Licht der Liebe Gottes. Es heilt und vergibt und überwindet alle Macht des Todes. Ein für allemal. Das Kreuz strahlt hell, weil Gott durch das Kreuz hindurch sein Heilswerk vollendet. Ohne Kreuz keine Auferstehung und ohne Auferstehung keine Hoffnung.

(3) Die Erfahrung, dass Christus lebt. Dass sein Tod am Kreuz nicht das letzte Wort war, sondern im Licht des Ostermorgens steht. Christus lebt. Er ist mitten unter uns, wenn wir  uns zu zweit oder zu dritt in seinem Namen versammeln. Er ist spürbar gegenwärtig und schenkt uns sich selbst, wenn wir miteinander Abendmahl feiern. Es ist die Erfahrung, dass er uns täglich begegnet in Menschen, die uns manchmal fremd oder gleichgültig sind, die er aber seine Geschwister nennt. Und dass er mich immer wieder sucht, auch wenn ich mich von ihm entfernt habe. Christus lebt, und ich in ihm. Dafür steht das Kreuz. Und deshalb kann ich auf das Kreuz vertrauen.

Wir können in der Passionszeit singen vom Kreuz, das strahlt und uns trägt. Vielleicht bleibt dabei etwas Irritierendes, gerade in der heutigen Zeit. Wahrscheinlich war es das, was Paulus meinte, als er an die Korinther schrieb: „Das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist es Gottes Kraft“ (1.Korinther 1,18). Auf jeden Fall würde Paulus uns wohl Mut machen, in dieses Lied einzustimmen – ob wir es nun auf Englisch tun: „In the cross of Christ I glory“ oder auf Deutsch: „Auf das Kreuz will ich vertrauen“.

Der Blick auf das Kreuz eröffnet uns neue Perspektiven und neue Hoffnung.

Amen.

 

Fürbitten

 

Gott, unser Schöpfer,

du hast dich als Mensch unter Menschen begeben, um uns gleich zu sein und uns nahe zu kommen. Du willst uns auch durch schwere Zeiten hindurch begleiten. Dafür danken wir dir.

Wir bitten dich:Hilf uns, dir zu vertrauen. Oft fühlen wir uns fern von dir, weil unser Denken uns an dir zweifeln lässt. Oft wollen wir erst dann glauben, wenn wir verstehen. Doch du bist größer als unsere Vernunft. Hilf uns, dich mit Kopf und Herz zu erkennen und uns im Leben auf dich zu verlassen.

Sei bei denen, die leiden:

Bei Menschen, denen durch andere Gewalt angetan wird.

Bei Menschen, die unter der Verachtung leiden, die ihnen andere entgegenbringen.

Bei Menschen, deren Vertrauen enttäuscht worden ist, und die nun nicht mehr wagen, sich anderen zu öffnen.

Bei Menschen, die krank sind und von anderen allein gelassen werden.

Vergib denen, die schuldig werden an anderen. Schenke ihnen Kraft, wieder auf andere Menschen zuzugehen und neue, tragende Bindungen aufzubauen.

Gott der Liebe, wir bitten dich: hilf uns, dir zu leben und dir zu singen. Schenke uns die Fähigkeit zu staunen über das Leben, das du uns gegeben hast.

Amen.

 

Segen

Der Herr segne uns und behüte uns,

der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig,

der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns seinen Frieden.

Amen

Evang-luth. Kirchengemeinde Kulmbach-Mangersreuth

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