Unsere Kirche ist täglich von 8.00 - 18.00 Uhr geöffnet. Kommen Sie doch gerne vorbei, zünden Sie eine Kerze an oder holen Sie sich die Predigt oder andere Mutmach-Texte.

 


3. Sonntag nach Trinitatis

28. Juni 2020

Liebe Gemeinde,

 

In unserem heutigen Predigtwort spricht der Prophet Micha zu seinem Volk, das viel Unrecht auf sich geladen hat und nun vor dem Untergang steht.

Der prophezeite Untergang ist dann tatsächlich eingetreten.

Der Tempel wurde zerstört und Israel in die Verbannung geführt.

Die Schuld kann schreckliche Folgen haben, Folgen die oft erst die nächsten Generationen ausbaden müssen.

Hören wir die letzten beiden Verse aus dem Buch des Propheten Micha.

 

Micha 7, 18 – 20

18 Wo ist solch ein Gott, wie du bist,

der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die übrig geblieben sind von seinem Erbteil;

der an seinem Zorn nicht ewig festhält,

denn er ist barmherzig!

19 Er wird sich unser wieder erbarmen,

unsere Schuld unter die Füße treten

und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen.

20 Du wirst Jakob die Treue halten und Abraham Gnade erweisen, wie du unsern Vätern vorzeiten geschworen hast.

 

Zu den Übriggebliebenen spricht der Prophet.

Ja, auch wir sind Übriggebliebene…

Wir sind die Kinder, Enkel und Urenkel derjenigen, die vor 81 Jahren einen schrecklichen Krieg angezettelt haben, der 60 Millionen Menschen das Leben gekostet hat.

Wir sind die Kinder, Enkel und Urenkel derjenigen, die sich für eine besondere Rasse hielten und sich das Recht herausgenommen haben, all die Menschen zu versklaven und zu beseitigen, die nicht in das Raster dieser angeblichen „arischen Rasse“ passten.

Wir sind die Kinder, Enkel und Urenkel derjenigen, die bestenfalls schweigend weggeschaut haben, als man ehrbare Menschen durch die Straßen trieb, sie ihrer Rechte und ihres Besitzes beraubte und sie dann in Güterwaggons in die Konzentrationslager verfrachtete.

Wir sind die Kinder, Enkel und Urenkel derjenigen, die Europa in Schutt und Asche gelegt haben.

Zorn hätten wir verdient, Rache haben viele erlebt, vor allem die, die flüchten mussten.

Nicht wenige Menschen aus den siegreichen Staaten haben gefordert, dass man Deutschland zu einem Agrarland verwandelt, dessen Ertrag bestenfalls zum Überleben reicht.

Doch wir durften Vergebung erfahren.

Die, die mit großen Opfern unsere sich zäh verteidigende Wehrmacht niedergerungen haben, die haben uns unsere Schuld vergeben.

Um es mit den Worten des Propheten Micha auszudrücken.

„Sie haben sich über uns erbarmt.

Sie haben unsere Schuld unter die Füße getreten.

Sie haben unsere Sünden in die Tiefen des Meeres geworfen.“

Und darum sind wir seither auch Kinder, Enkel und Urenkel der Vergebung.

Vergebung – das ist erlebte Gnade.

Vergebung – da handelt der Stärke, der im Recht ist, verständnisvoll und verzeihend an dem, der Unrecht getan hat.

Vergebung – die kann allein der gewähren, der bitter enttäuscht wurde von einem, der sich eben nicht so verhalten hat wie man es von ihm hätte erwarten können.

Ja, Kinder, Enkel und Urenkel der Vergebung sind wir Deutsche…

Was für ein Glück!!!

Und mit einiger „Zu - Friedenheit“ dürfen wir behaupten:

Wir haben uns der Vergebung als würdig erwiesen.

Wir haben uns Respekt erworben mit der Verfassung, die wir uns gegeben haben.

Wir haben uns Respekt erworben mit der Art und Weise, wie wir uns aus dümmlichen Untertanen zu aufrechten Demokraten entwickelt haben.

Wir haben uns Respekt erworben mit der Art und Weise, wie wir erdrückend scheinende Probleme konsequent abgearbeitet und gelöst haben.

 

Millionen von Flüchtlingen mussten eine neue Heimat finden.

Aus Schlesiern und Ostpreußen wurden Franken.

Problem gelöst!

 

Zerstörte Städte und Straßen mussten wiederaufgebaut werden.

München und Berlin ziehen Millionen von Touristen an.

Problem gelöst!

 

Die Gnade der Geschichte hat die innerdeutsche Grenze, an der so viele ihr Leben verloren haben friedlich in sich zusammensacken lassen.

Fünf neue Bundesländer in einem desolaten Zustand mit 16 Millionen Menschen kamen hinzu.

Heute erstrahlen Dresden, die Mecklenburger Seenplatte und die Seebäder auf Rügen in neuem Glanz.

Problem gelöst!

 

Kurz nach dem Mauerfall kamen mehr als zwei Millionen Rußlanddeutsche ins Land.

Innerhalb von zwei Jahren wuchs meine ehemalige Gemeinde in Altenkunstadt um 1/3 mit russlanddeutschen Gemeindegliedern.

Viele sind dort geblieben. Viele haben sich Häuser gebaut.

Etliche ihrer Kinder haben inzwischen Firmen gegründet.

Sie betrachten sich ganz selbstverständlich als „Aldenkuschder“ und reden auch so.

Problem gelöst!

 

Vor fünf Jahren kam wieder eine Million Flüchtlinge ins Land.

Diesmal aus arabischen Ländern.

Fremde Sprache, fremde Kultur, fremde Religion.

An diesem Problem arbeiten wir.

Doch wir sind auf einem guten Weg, besser als es viele gedacht haben.

Vor einem Jahr meinte Henry Schramm dazu: „Kein Kulmbacher muss wegen irgendeines Flüchtlings auf irgendetwas verzichten.

 

Aktuell beschäftigt uns das Corona Virus.

Auch an diesem Problem arbeiten wir.

Auch dieses Problem haben wir einigermaßen gut in den Griff bekommen, weil wir vorher gut gewirtschaftet haben und es uns nun erlauben können, zu klotzen und nicht zu kleckern.

Ja, wir greifen sogar so tief in die Tasche, dass sogar für andere europäische Länder viel übrig bleibt, vor allem für die, die von der Corona Krise noch stärker betroffen sind als wir.

 

Als Kinder, Enkel und Urenkel der Vergebung haben wir eben nicht vergessen, dass wir auch schon einmal Gnade erlebt haben.

Als Kinder der Vergebung erhalten wir aber auch die Erinnerung an unsere Schuld wach.

Wir konfrontieren auch die Urenkel noch mit dem Grauen, das wir angerichtet haben, wenn wir mit den Schülern von heute die KZ-Gedenkstätten besuchen und mit vielen Filmen an die Schrecken des Krieges und an die Entbehrungen der Nachkriegszeit erinnern.

Wohl deswegen schätzen so viele den Wert der Freiheit – gerade jetzt.

Wohl deswegen sinkt zum Glück auch wieder die Zustimmung zu den Radikalen, die große Töne spucken, aber nichts zustande bringen.

 

Der barmherzige Gott hat uns Barmherzigkeit erleben lassen – auch jetzt wieder in dieser Krise.

Darum ist es gut, dass wir diese Barmherzigkeit weitergeben und teilen mit denen, die es härter getroffen hat als uns.

Ja, Kinder der Vergebung dürfen wir uns nennen, auch ganz unabhängig von der Weltgeschichte und der Politik.

Denn Hand aufs Herz!

Hat nicht jeder von uns schon berechtigte Erwartungen enttäuscht?

Hat nicht jeder von uns schon erlebt, dass der, der Recht hatte, sich liebevoll oder verständnisvoll zu ihm gewandt hat und ihm vergeben hat?

Waren Sie immer ein braves und fleißiges Kind, an dem die Eltern immerzu eine Freude hatten?

Waren Sie in der Lehre oder im Studium immer aufmerksam und strebsam?

Oder haben auch Sie die Grenzen ausgetestet, manchmal mehr als erträglich?

Erziehung und Ausbildung…

Für die Eltern, Lehrer und die Ausbilder ist das allzu oft eine Aufgabe, die sie an den Rand der Belastungsgrenze bringt.

Wie viel Streit?

Wie viel Enttäuschung?

Und dann doch…

Es ist mein Kind!

Ich liebe es doch!

Es ist meine Klasse! Es sind meine Lehrlinge!

Ich will sie weiterbringen!

Barmherzigkeit ist ein langer Weg.

Und hoffentlich wirkt die Kraft der Barmherzigkeit in einem jeden von uns so lange wie das Herz in unserem Leib schlägt.

Denn die Barmherzigkeit macht das Leben lebenswert.

Die Barmherzigkeit öffnet Räume und Wege in die Zukunft, Räume und Wege, die wir jetzt in der Gegenwart noch nicht einmal erahnen.

Barmherzigkeit haben wir erlebt als Volk.

Barmherzigkeit dürfen wir jetzt erleben in unseren Familien, aber auch am Arbeitsplatz.

Barmherzigkeit drückt die Schuld nach unten.

Barmherzigkeit bewirkt, dass wir über der Schuld stehen.

Ein dankbarer Glaube hält die Erinnerung wach, dass es alles andere als selbstverständlich ist, Vergebung zu erleben.

Ein dankbarer Glaube macht uns bewusst, dass der feste Grund, auf dem wir stehen, die Vergebung ist.

Vergebung…!

Ein fester Grund für das Leben in der Familie.       

Vergebung…!

Ein fester Grund auch für die jüngere Geschichte unseres Landes.

Zum Glück dürfen wir beides reichlich erleben…

Vergebung und Barmherzigkeit.

 

Amen

Es grüßt Sie, Pfarrer Jürgen Rix


2. Sonntag nach Trinitatis

Mt. 11, 25-30, 2. So n. Trin., 21.06.2020

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus.Amen.

Der PT für den heutigen Sonntag steht in Matthäus 11, 25-30:

Jesus sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies Weisen und Klugen verborgen hast und hast es Unmündigen offenbart. Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen.

Alles ist mir übergeben von meinem Vater, und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will.

Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

 

Liebe Gemeinde,

wie die Geschichte Jesu auch hätte sein können: Es hätte ja auch sein können, dass Jesus nicht in einem Stall zur Welt gekommen wäre, sondern mindestens in einem Haus mit einigermaßen gehobener Ausstattung. Und sein Vater wäre vielleicht Beamter gewesen oder wenigstens irgendjemand, der mehr mit dem Tempel, mit dem Religiösen, zu tun gehabt hätte als ein Zimmermann.

Es hätte ja auch sein können, dass Jesus, als er dann erwachsen war, sofort bekannt und berühmt geworden wäre, weil die Gelehrten in ihm den entdeckten, der von alters her prophezeit war: den Messias.

Es hätte ja auch sein können, dass all die religiös Gebildeten aufgeatmet und gejubelt hätten: „Endlich, er ist da! Er ist es, der uns unsere Lasten abnehmen wird!“

Es hätte ja auch sein können, dass die Römer in ihm den gefeiert hätten, der wahrhaft Frieden hätte bringen können.

Hätte, könnte, würde... so war’s aber nicht.

 

Warum eigentlich nicht? Warum war der Weg des Allerhöchsten nicht sozusagen automatisch mit denen verbunden, die in irgendwelchen Rangordnungen weit oben standen? Warum hat es nicht funktioniert, dass die, die alle äußeren Voraussetzungen hatten, den Christus zu erkennen, ihn nicht auch erkannt haben? Hier im PT lesen wir: Weil Gott es so wollte!

Jesus dankt Gott dafür, dass Gott von Anfang an einen ganz anderen Weg einschlug, als Menschen es getan hätten. Von Anfang an zählen bei Gott ganz andere Kriterien, wie man Gott erkennen kann, als bei uns so üblich. Gott hat in Christus eine ganz andere Leitlinie eingeführt. Wir kennen diese als sog. Heilandsruf: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken.“ Dieses „erquicken“ bedeutet übrigens nichts weniger als „lebendig machen, wiederbeleben.“

Mitten ins Leben der Beladenen hinein hat Jesus seinen Heilandsruf gerufen, egal ob jemand besonders gebildet war oder gar nicht, ob er alt oder jung war, krank oder gesund, männlich oder weiblich - Jesus sagte seine neue Botschaft allen, und die Klugen waren und sind die, die sich von dieser Botschaft anstecken ließen.

Ich will euch lebendig machen, wiederbeleben, wieder zum eigentlichen Leben zurückführen, so hat Jesus es versprochen – und so hat er es auch wahr gemacht. Hat Fischer und andere einfache Männer in seinen engsten Kreis geholt, hat Kinder gesegnet und als Beispiel in die Mitte gestellt, hat Frauen dieselben Rechte wie Männern zugestanden, hat an Leib oder Seele kranke Menschen wieder in die Gemeinschaft zurückgeholt, hat die Lasten der Schuld weggenommen, ja Tote wieder lebendig gemacht. Und schließlich hat er wirklich alle Lasten und alles, was Menschen von Menschen und Menschen von Gott trennen kann, auf seine Schultern genommen und ans Kreuz von Golgatha getragen.

Er, der Herr des Himmels und der Erde, er, der eins ist mit dem Vater, er, der das wirklich nicht nötig gehabt hätte, er hat das getan, weil wir es nötig hatten und haben, um hier auf der Erde gut leben zu können und auch danach.

Das zu erkennen hat nun nichts mit Klugheit in üblichem Sinn zu tun, sprich man muss dazu keinen besonderen Schulabschluss vorlegen, keinen Numerus clausus erfüllen und auch nicht studiert haben. Gott zu erkennen hat nichts mit Leistung zu tun – und wenn wir sonst was vorzuweisen hätten, nie würde das quasi automatisch bedeuten, dass Gott sich dann uns offenbart.

Gott zu erkennen heißt, anzuerkennen, dass wir durch und durch Geschöpfe Gottes sind, durch und durch abhängig von ihm. Da mag es manch modernen Menschen schütteln: Abhängigkeit – welch schreckliches Wort! Wer will denn abhängig sein? Kann ich mich anschließen. Mir hilft es aber immer, wenn ich das Wort „Abhängigkeit“ in „Anhänglichkeit“ umwandle. Nur wenn wir Anhänger von Gott sind, Anhängsel, so wie die Reben einem Weinstock anhängen – nur in einer solchen Anhänglichkeit, nur dann, so verspricht es Vers 29, werden wir Ruhe finden für unsere Seelen.

Die allerersten Kapitel der Bibel handeln mit ihren Urgeschichten, die Typisches über den Menschen erzählen, genau davon: Adam und Eva waren nur solange im Paradies, wie sie ganz Gott anhingen. Mit dem Moment, wo sie sich abhängten, sprich sein wollten wie Gott und ihre Grenzen überschritten – da verloren sie das Paradies und wurden Abgänger.

Christus nun wirbt mit seinem Heilandsruf neu mit Sanftmut und Demut dafür, dass Menschen wieder zu Anhängern werden, sich wieder andocken an Gott. Er tut es, wie schon gerade erwähnt mit „Sanftmut“ und „Demut“. Sie beschreiben die Eigenschaften, mit denen Christus für eine neue, alte Anhänglichkeit eintritt. Ich habe mal die Bedeutung des Wortes „sanft“ nachgeschlagen und war überrascht, was da alles zu finden war: „Sanft“ wird z.B. von „sich vertragen, einig sein“ hergeleitet, „friedliches Zusammensein“ steckt drin und „gutes Zusammenpassen.“ Und „Demut“ hat jemand, der den “Mut zum Dienen“ hat.

Christus kam mit dem Mut uns zu dienen in diese Welt. Er wollte uns wieder zeigen, wie klug es ist, wenn wir Gott anhänglich sind, weil dann nämlich friedliches Zusammensein möglich wird, mit Gott und mit Menschen.

Die Anhänger Gottes, so sagt die Bibel weiter, werden das finden, wonach wir Menschen oft so verzweifelt suchen: Ruhe für unsere Seelen. Wie viel Geld wird ausgegeben für Kurse und Bücher und Kuren und Pillen, die immer nur das eine versprechen: Zur Ruhe zu kommen. Ich will das auch gar nicht schlecht reden, bestimmt nicht, das alles können sehr wichtige Dinge und Hilfen sein, aber letztendlich werden wir wahre Ruhe nur finden können, wenn wir zurückkehren zu unseren Wurzeln, wenn wir Ja dazu sagen, Geschöpf zu sein und damit auch endlich wieder zugeben dürften, dass wir Grenzen haben, die wir nicht überschreiten sollten. Ich denke, wir stehen jetzt wieder an so einer Grenze: Die Welt verändert sich gerade in einer Schnelligkeit wie nie zuvor. Wir müssen uns fragen, wohin wir denn wollen und woher wir uns Hilfe und Ruhe und Heilung

erwarten.

Jesus sagt: „Kommt her zu mir, mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.“ Und hierzu noch eine letzte Anmerkung: Das Joch ist gar nicht die eigentlich Last, die zu tragen ist, sondern ein Joch hilft vielmehr, dass Lasten gleichmäßig verteilt und damit getragen werden können. Früher hat man das Joch, diese Querstange, die man den Rindern z.B. auflegte, mit Tüchern umwickelt, damit es nicht so drückte und sich die Last eben über mehrere Tiere gleichmäßig verteilte. Übertragen könnte man also sagen, dass Gott uns in Jesus Christus ein Joch gegeben hat, mit seiner Liebe umwickelt, das uns hilft, unsere Lasten zu tragen. Jesus Christus, der Demütige, der den Mut hatte zum Dienen, stellt sich mit uns unter das Joch und trägt mit uns, trägt uns am Ende durch alles hindurch, bis in neues Leben hinein.

 Kommt her, werdet anhänglich, lasst euch anhängen, werdet genau dadurch frei, lasst euch beschenken von Gott, der uns mit seiner Liebe dient, damit wir ihm und einander dienen können. Amen.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alles menschliche Verstehen, bewahre unsere Herzen und Sinne in Chr. J. Amen.

 

Es grüßt Sie herzlich Ihre Pfarrerin Bettina Weber

 

Instrumentalmusik

1. Sonntag nach Trinitatis

 

Apg. 4, 32-37, 1. Sonntag nach Trinitatis, 14.06.2020

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

 

Der PT führt uns über 2000 Jahre zurück, hinein in die erste christliche Gemeinde in Jerusalem und gibt uns einen kleinen Einblick, wie diese ersten Christen miteinander lebten. So lesen wir in der Apostelgeschichte:

 

Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam. Und mit großer Kraft bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus, und große Gnade war bei ihnen allen.

 

Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte; denn wer von ihnen Äcker oder Häuser besaß, verkaufte sie und brachte das Geld für das Verkaufte und legte es den Aposteln zu Füßen; und man gab einem jeden, was er nötig hatte.

 

Josef aber, der von den Aposteln Barnabas genannt wurde – das heißt übersetzt: Sohn des Trostes - , ein Levit, aus Zypern gebürtig, der hatte einen Acker und verkaufte ihn und brachte das Geld und legte es den Aposteln zu Füßen.

 

 

 

Liebe Gemeinde,

 

diese Schilderung der Gemeinschaft der ersten Christen berührt mich. Es berührt mich, dass es in der ersten christlichen Gemeinschaft am Anfang wohl (kurz?) ein Zusammenleben gegeben hat, das geprägt war von Liebe, Solidarität und Gerechtigkeit. Sie waren ein Herz und eine Seele, so heißt es, und es gab keinen, nicht einen, der von seinen Gütern sagte „Sie gehören mir!“ sondern sie hatten alles gemeinsam. Für die Reicheren war es dabei anscheinende selbstverständlich für die Ärmeren mit zu sorgen. Wow – da darf man ja echt einen Blick ins Reich Gottes hinein tun!

 

Das Christentum hat sich, ausgehend von dieser kleinen Gemeinde in Jerusalem, innerhalb kürzester Zeit über die ganze Welt ausgebreitet. Deswegen finde ich es spannend, die soeben gehörten Worte einmal auf unsere ganze Welt, unsere Erde, die reich ist an Gütern, zu übertragen. Es ist genug für alle da, vorausgesetzt keiner betrachtet irgendwas als seinen dauerhaften Besitz, sondern immer nur als etwas, das ihm zwar tatsächlich anvertraut ist, aber eben auch zum Wohl aller gebraucht werden muss. Es geht also gar nicht so sehr um Besitz, es geht hier nicht um die kommunistische Ideologie, sondern um eine Haltung, die jemand dem Besitz gegenüber einnimmt. Es ist ein Riesenunterschied, ob jemand sagt „Das gehört mir!“ oder „Ich darf das gebrauchen – für mich und andere!“ Wenn Letzteres wirklich tief im Menschen verankert wäre, dann würde dieser paradiesische Zustand der Liebe, Solidarität und Gerechtigkeit durchaus andauern können. Hätte, würde, könnte.

 

Ist irgendwie nicht gelungen. Anscheinend hat irgendwann irgendjemand angefangen mit Nachdruck zu sagen „Das gehört mir!“  Zieht sich bis in die Neuzeit: „Me first!“ Das Unglück nahm damit seinen Lauf, hat sich hochgeschaukelt. Denn dann ging es weiter, dass angefangen wurde zu horten; auch ein ganz aktuelles Wort aus der Neuzeit. Und um das Gehortete wurden dann irgendwann Zäune und Mauern gebaut. Und dann wurde das Ganze bewacht. Erst mit Worten „Geh weg!“, dann mit Schildern: „Betreten verboten!“, dann mit Waffen. Es wurde geschossen, getötet. Hinter den Mauern der Besitz von Leuten, die davon besessen sind, mehr haben zu müssen als andere. Das müssen nicht immer materielle Güter sein. Manche meinen auch, sie seien nur deshalb wertvoller, weil sie eine bestimmte Hautfarbe oder Religion oder Intelligenz haben. Was für ein Quatsch. Und vor den Mauern dann die, die evt. verhungern, buchstäblich, oder an Geringschätzung verkümmern, obwohl genug da ist. Der Urfall der Sünde, die Wiege der Ungerechtigkeit, der Anfang von Hass und Gewalt. Alles in diesem Satz: „Das gehört mir!“

 

Der Mensch, mit seinem Supergehirn, das ihn eigentlich retten könnte, spielt hier eine fatale Rolle: Kein anderes Geschöpf ist so übergriffig wie er. Wir erschöpfen nicht nur unsere eigenen Ressourcen, wir nehmen auch noch allzu gern anderen Geschöpfen ihre Lebensgrundlagen weg. Wir horten nur für uns. Weil – es gehört ja alles uns oder?

 

Wem gehört die Welt? Gibt es da nicht irgendwo die Schöpfungsgeschichte und unseren Glauben, dass Gott die Welt gehört? Dass sie uns nur geliehen ist, anvertraut, damit wir sie bebauen und bewahren sollen? Gibt es da nicht diesen Satz, dass Gott möchte, dass es allen gut geht, weil alle seine Geschöpfe sind, einschließlich Pflanzen, Tiere und alle Elemente?

 

Wo hat es angefangen, dass der Mensch sagte „Das ist meins!“

 

Wir haben in den letzten Jahrzehnten eigentlich den blanken Irrsinn erlebt und gelebt. Mehr, mehr, mehr – das waren die Worte, die die allermeisten von uns verinnerlicht hatten.  Die Wirtschaft muss wachsen, wachsen, wachsen. Der Wohlstand muss mindestens gehalten werden, besser aber auch wachsen, wachsen, wachsen. Alles muss möglich sein, Zugriff jederzeit auf alles und zwar schnell. Woher etwas kommt, wurscht, Hauptsache, es ist a) billig und b) dient dem Wachstum. Ob ein Tier artgerecht aufwächst – auch egal, Hauptsache, das Hackfleisch ist günstig. Dann wird es nämlich gekauft. Und wie die Bauern über die Runden kommen sollen, wen kümmert es. Alles immer schneller, schneller, schneller. Immer mehr Menschen aber auch, die nicht mehr mithalten konnten oder wollten. Das waren dann die, wie es oft abwertend gesagt wurde, psychisch Labilen, die Sensibelchen oder die Alternativen. Oder die, die einem immer allen Spaß versauen wollen. Don’t worry, be happy! Ja, ich weiß, das ist nur die eine Seite. Natürlich haben wir alle auch vom Wohlstand profitiert. Und dahinter steckt ja auch harte Arbeit, die ich keineswegs abwerten möchte. Aber haben wir alle profitiert? Wer sind denn alle? Wieviel sind hinter der Mauer, wie viele davor? Wie auch immer, es ist das was, meine ich, auf keinen Fall so weitergehen darf.

 

Es hat ein kleines Virus gebraucht und dieses kleine Virus hat bewirkt, wovor wir alle Angst hatten: Die Wirtschaft mit ihrem mehr, mehr, mehr ist nahezu zum Stillstand gekommen. Mir ist völlig klar, dass das für viele die Katastrophe bedeutet und wie es sich letztendlich auswirken wird, weiß noch keiner, wissen auch wir für uns als Kirche noch nicht. Aber – Überraschung! Die Welt hat sich nicht aufgehört zu drehen. Und unsere Erde hat immer noch genug für alle. Noch, gerade noch vielleicht.

 

Was machen wir denn jetzt? Corona hat die Zeit, die wir gewohnt waren, beendet. Wir sind in einem Zeitenwandel – wo wollen wir hin? Wieder dahin, dass die Mehrzahl hektisch und aggressiv schreit „Das ist meins! Das ist meins! Mehr, mehr, mehr!“ Wollen wir diesen Zustand womöglich noch steigern?

 

Oder könnte es nicht die Chance sein, noch ein Stück weiter zurückzukehren, wenigstens ein bisschen zu dem, was einst war. „Du Träumerin!“ hör ich viele schon sagen. „Das klappt nie und nimmer!“

 

Nein? Hat uns Corona nicht nur das Fürchten, sondern vielleicht nicht auch das Staunen gelehrt? Was in der Krise auf einmal alles möglich war: Menschen erklärten sich weltweit zur Solidarität bereit: Wir bleiben um des anderen willen zuhause, natürlich auch zum Selbstschutz, aber eben auch, um andere zu schützen. Das hat innerhalb kürzester Zeit weltweit funktioniert. Das hätten wir doch nie gedacht. Wie aus dem Nichts entstanden dann auch vielerlei Formen der Nachbarschaftshilfe – früher selbstverständlich und jetzt, wupps, war viel davon wieder da. Und viele erlebten es als beglückend.

 

Menschen, die sich vorher vermutlich nicht gekannt haben, vielleicht mit gerade mal einem Nicken aneinander vorübergingen, standen abends auf den Balkonen, haben miteinander gesungen und gelacht und sich Mut gemacht. Wer hätte denn sowas für möglich gehalten?

 

Unendlich viele Menschen, meistens die hinter der Mauer, nutzten die Zeit, um aus- und aufzuräumen und stellten mit Erstaunen fest, dass sie viel zu viel haben und wie befreiend es sein kann, sich davon zu trennen. „Ich brauche das nicht“ – war ein oft geäußerter Satz.

 

Menschen, von denen wir schon lange wissen, in welch wichtigen Berufen sie arbeiten, z.B. im medizinischen oder im Dienstleistungsbereich, wurden nun ins Zentrum gerückt: Man merkte, wen man wirklich braucht, wenn es ums Überleben geht. Hoffentlich ändert sich jetzt auch etwas auf dem Lohnzettel dieser Leute.

 

Unsere Kirche, die täglich geöffnet war und immer noch ist, und in der man sich die Predigt zwar nicht anhören, aber anschauen konnte, wurde fast schon zur Pilgerstätte. Ich hab es abends gesehen an den Kerzen, die angezündet worden waren und natürlich sind mir auch viele Menschen begegnet. Wer hätte das, in Zeiten des Kirchenaustritts, für möglich gehalten, dass so viele Menschen indirekt sagen „Macht ja nicht zu! Wir brauchen diesen Ort.“

 

Ja, Corona hat uns das Fürchten gelehrt – und da könnte ich nun auch viele Beispiele nennen, aber eben auch das Staunen. Was auf einmal alles möglich war, wenn zusammengehalten wird, wenn es EIN Ziel gibt.

 

Wie bringen wir das nun alles zusammen? Die christliche Urgemeinde, die ein Herz und eine Seele war und wir heute in einer Welt, die wie besessen ist vom Besitz? Um es nicht gar so krass nebeneinander stellen zu müssen: Auch die Urgemeinde hatte sehr schnell  genau mit dem zu kämpfen, womit wir heute kämpfen. Sie waren halt auch nur Menschen und verhielten sich allzu oft auch typisch menschlich. Das verbindet uns mit ihnen. Die Frage, die sie stellen mussten und die wir uns stellen müssen, ist die gleiche, nämlich:  Was kann uns heilen? Was kann dieses typisch Menschliche, alles immer für sich selber haben zu wollen, heilen?

 

Die Antwort des NT ist klar und eindeutig: Es ist allein Jesus Christus. So steht es auch im PT: Die Urchristen verkündigten mit großer Kraft die Auferstehung des Herrn Jesus – und deswegen war die Gnade mit ihnen. Deswegen kann man da durch die geöffnete Tür so ein bisschen ins Reich Gottes hineinschauen. Vollendet war es noch lange nicht, ist es immer noch nicht.

 

Aber damals wie heute: Was uns heilen kann, ist das, was unser Herr Jesus mit seinem Leben, Sterben und Auferstehen in unsere Welt gebracht hat. Er hat auf diesen Satz „Das ist meins!“ verzichtet. Er hat auf den sicheren Himmel verzichtet. Er hat auf sein Leben verzichtet. Er hat auf jegliche Abgrenzung und Ausgrenzung verzichtet. Und nur darin liegt das Heil, liegt Heilung für die Welt.

 

Verzicht. Rückkehr. Solidarität. Liebe. Gerechtigkeit.

 

Alles Worte, die so wunderbar sind und die sich, typisch menschlich, so schnell ins Gegenteil verkehren können. Wenn jemand unsere Haltung, unser Herz und damit auch unser Verhalten ändern kann, dann, das glaube ich fest, nur der Heilige Geist. Und deswegen brauchen wir Christen uns mehr denn je, dass wir den Mut nicht verlieren. Wir brauchen uns, damit wir uns daran erinnern, wes Geistes Kind wir sind und wohin wir wollen. Wir brauchen uns, damit wir miteinander weltweit rund um die Uhr zu Gott beten, dass er seinen Geist schenkt. Seinen Geist, seinen Schöpfergeist, ganz neu, damit aus Tohuwabohu (so heißt hebräisch das Chaos), etwas Heiles, Ganzes entstehen kann.

 

Und bei all dem, nicht dass wir denken, na, wenn alles Gott tut, kann ich mich ja entspannt zurücklehnen: Jeder muss anfangen zu tun, was er nur tun kann. Und wir können alle etwas tun. Wir können unseren Lebensstil mit dem Maßstab der Bibel überdenken, wir können für andere mitsorgen, wir können die Schöpfung bewahren, wenigstens ein bisschen. Jeder kann etwas tun. Auch aus dem Kleinsten kann Großes kommen. Und das ist übrigens Gottes Spezialität. Amen.        

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unser menschliches Verstehen, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Orgelmusik

Trinitatis

Fest der Dreieinigkeit Gottes

Trinitatis 7.6.2020           

Der priesterliche Segen 4 Mo 6, 22 -27

 

22 Der HERR redete mit Mose und sprach:

23 Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich:

So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet:

24 Der HERR segne dich und behüte dich;

25 der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;

26 der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

27 Denn ihr sollt meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.

 

Liebe Gemeinde

 

Das Fest des dreieinigen Gottes feiern wir an diesem Sonntag mit dem Namen Trinitatis.

Den Wenigsten ist bewusst, dass der Sonntag nach Pfingsten den längsten zusammenhängenden Zeitabschnitt des Kirchenjahres einläutet.

Der Begriff der Dreieinigkeit Gottes beschreibt ein großes Geheimnis.

Und deswegen folgen dem heutigen Gottesdienst immerhin 21 Sonntage nach Trinitatis, Sonntage, an denen das Geheimnis der Dreieinigkeit Gottes von verschiedenen Seiten her beleuchtet wird.

Doch auch nach dem 1. November, dem letzten Trinitatissonntag, werden wir das Geheimnis des dreifaltigen Gottes nicht vollständig entschlüsselt haben.

Heute, am Beginn der Trinitatiszeit, sagt Gott uns schon im Voraus, was er für uns tut.

Er möchte uns die Augen dafür öffnen, wie er im Leben eines jeden einzelnen von uns wirkt.

Das also ist unsere Aufgabe als Christen:

… staunen lernen, über das, was Gott für mich tut, jeden Tag neu.

Das ist unsere Aufgabe als Christen, die guten Gelegenheiten ergreifen, die Gott uns jeden Tag bietet, damit wir aus diesen guten Gelegenheiten Gutes machen für uns, aber auch für andere.

Darüber zu debattieren, wie Gottes Wesen zu begreifen ist, ob ewig, mächtig, gütig, verzeihend, geistig oder körperlich…,

… all das ist nicht unsere Aufgabe, weil wir ihm als Geschöpfe des Schöpfers nicht gewachsen sind.

Die Segensworte, die jeden unserer Gottesdienste beschließen, öffnen uns den Blick dafür, wie Gott im Leben eines jeden einzelnen wirkt.

Die drei Segenswünsche steigern sich:

>> Der HERR segne dich und behüte dich! <<

Dieser Wunsch führt uns zu der Quelle, aus der ein Leben in Vertrauen und Zuversicht entspringt.

>> Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir uns sei dir gnädig! <<

Dieser Wunsch entspricht dem Lauf des Wassers von der Quelle über viele Kilometer, wenn es sich mit anderen Wassern vereinigt, einen immer größeren Strom bildet und unter der Sonne Gottes dem Meer entgegenfließt.

>> Der HERR erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden! <<

Mit diesem Wunsch mündet alles Handeln Gottes ein in seinem großen Meer des Friedens.

Wo Friede herrscht, da finden all die Menschen ihr Glück, die ein Gespür dafür entwickelt haben, dass es nicht selbstverständlich ist, in dieser Welt, umgeben von treuen und zuverlässigen Menschen leben, arbeiten und lieben zu dürfen.

 

Gott segnet dich…

Gott begleitet dich durch dein Leben.

Durch seinen Segen kommt Gott direkt zu dir und darum sprechen die Segensworte jeden einzelnen von uns persönlich mit „Du“ an.

Mit dem „Du“ zeigt dir Gott, dass er dich kennt und du ihm wichtig bist.

Hoffentlich verändert das deine Einstellung zum Leben.

Wer etwas davon spürt, wie Gott in sein Leben eingreift, der freut sich über jede Stunde, über jedes gute Wort und über alles, was er an einem Tag zu Wege bringt.

 

Der segnende Gott behütet dich…

Er schützt dich vor Unfällen und Gefahren.

Jeder könnte mehrere Geschichten davon erzählen, die mit der Feststellung enden:

„Da hat Gott mich behütet, sonst wäre es böse ausgegangen…“

Der segnende Gott bewahrt dich auch vor Leichtsinn, vor Boshaftigkeit und vor Gleichgültigkeit, womit du andere Menschen gefährden könntest.

Der segnende Gott macht dich zu einem verantwortungsvollen Menschen, zu einem Menschen, der auf andere Rücksicht nimmt…,

… zu einem Menschen, der sich darüber freut, dass er mit seiner Arbeit viel Gutes auf dieser Welt schaffen kann.

Und so behütet dich Gott vor dem Undank, der so viele Menschen in unserem Land blind macht für die vielen guten Chancen, die Gott einem jeden von uns Stunde für Stunde bietet.

 

Der segnende Gott lässt sein Angesicht leuchten über dir…

Ja, so leuchtet Gott hinein in dein Leben.

Gott hat ein Gesicht, ein leuchtendes, ein fröhliches Gesicht, mit dem er sich freut über jeden Menschen, der etwas aus sich und seinem Leben macht.

Gott schaut mit leuchtenden Augen auf dich.

Er freut sich über dich, wie ein Vater über seinen Sohn, wenn er laufen lernt, die ersten Worte sprechen kann und mit anderen Kindern zusammen fröhlich im Garten herumtollt.

Gott freut sich über dich, wenn du dein Leben in die Hand nimmst und auch den einen oder anderen dafür begeistern kannst, seine Gaben und Fähigkeiten zu entfalten.

Ja, das bedeutet Segen:

Gott freut sich über dich!

Er freut sich mit leuchtenden Augen über jeden Menschen, der auf dieser Welt sein Glück sucht und es findet.

Der segnende Gott steht aber auch gnädig vor dir, neben dir, unter dir und über dir…

Er steht treu zu dir, wenn du verzagt bist, wenn es dir nicht gut geht, wenn du dich ärgerst über dich selber, über dein Versagen oder über andere.

Gott ist gnädig…

Er verzeiht dir, wenn du einen Fehler gemacht hast, diesen Fehler einsiehst und um Vergebung bittest.

Und er macht dich fähig anderen zu vergeben, die dir Schaden zugefügt haben.

 

So darf du leben als gesegnetes Kind des himmlischen Vaters, Tag für Tag.

Du kannst dich entfalten.

Du kannst vieles bewegen.

Du darfst viel erleben.

Du darfst bauen auf einen, der in schweren Zeiten mit seiner Gnade zu dir steht.

Mit vielen anderen glaubenden Menschen zusammen darfst du ein Wassertröpfchen sein im großen Fluß der gesegneten Menschen, die von Gott dem Meer des Friedens entgegengeführt werden.

 

>> Der segnende Gott erhebt sein Angesicht über dich… <<

Gott sieht dich nicht nur an.

Sein Blick schweift auch zurück auf deinen Lebensweg.

Und vor allem aber…

Sein Blick reicht auch nach vorn, hin zur Zukunft, die du nicht siehst und kennst.

Gott hat den „Über-blick“.

Er weiß, was gut für dich ist.

Und er führt dich auf den für dich guten Weg, auch dann, wenn du dich oft wehrst, weil du meinst, dass du jetzt etwas ganz anderes bräuchtest.

Es gibt viele Beispiele in deinem Leben, wo du sagen musst:

„Es ist gut, dass ich diese Erfahrung gemacht habe, obwohl ich ihr aus dem Wege gehen wollte.“

Denn gerade die unerwünschten Erfahrungen waren es doch oft, die dich seelisch, charakterlich und im Glauben haben reifen lassen.

 

Und so lässt dir der Gott, der den „Über-blick“ hat, Frieden finden.

Der Begriff „Frieden“ beschreibt das wichtigste und größte Geschenk des segnenden Gottes.

Der Friede gilt für alle.

Der Friede ist groß und weit wie das Meer.

Doch auch das Meer besteht aus einzelnen Tropfen

Eben deshalb beginnt der Friede beim Einzelnen.

Der Friede fängt damit an, dass einer seinen Frieden im Leben findet.

Dieser Friede wird am besten mit dem Begriff „Zufriedenheit“ ausgedrückt.

Eine alte Frau hat mir einmal bei einem Geburtstagsbesuch gesagt:

„Der beste Wunsch ist eben nicht: >>Gesundheit oder alles Gute. <<

Der beste Wunsch, das ist die Zufriedenheit!

Aber um das zu lernen, musste ich ganz schön alt werden.“

Ich möchte mich bemühen, schon jetzt von dieser Frau zu lernen.

Ich bemühe mich, Zufriedenheit zu lernen und mit meiner Zufriedenheit einen Beitrag zum Frieden in der Welt zu leisten.

Habe ich nicht Grund genug zufrieden zu sein?

Zufrieden mit meiner Familie, zufrieden mit meinem Beruf, zufrieden mit den Menschen, die ich meine Freunde nennen darf, zufrieden mit meinen hilfsbereiten Nachbarn in der Herlas und zufrieden mit all denen, die in unserer Gemeinde mitbeten, mitarbeiten und mitdenken, damit wir als gesegnete Menschen Gott loben können und seinen Frieden in die Welt tragen.

Das alles lässt uns der segnende Gott erleben.

Darum danken wir ihm für seinen Segen, …

seine Gnade …

und seinen Frieden.

 

Amen

 

Eine gesegnete Trinitatiszeit wünscht Ihnen, Pfarrer Jürgen Rix


Pfingsten

Das Bibelwort zum Pfingstfest

 

19 Am Abend aber dieses ersten Tages der Woche, da die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen:

Friede sei mit euch!

20 Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen.

21 Da sprach Jesus abermals zu ihnen: 

Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.

22 Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: 

Nehmt hin den Heiligen Geist!

 

23 Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.

 

 

Johannes 20, 19-23         

 


Liebe Gemeinde,

 

Pfingsten feiern wir – das Fest des mutigen, unternehmungsfreudigen und fröhlichen Geistes.

Und die Jünger Jesu?

Sie fürchten sich und kauern sich hinter verschlossenen Türen zusammen.

Sie haben doch schon von den Frauen gehört, dass Jesus auferstanden ist.

Sollten Sie da nicht voller Freude sein, die Türen aufmachen und den auferstandenen HERRN suchen?

So kann man leicht reden, wenn man in einer liberalen Demokratie lebt, in der jeder frei seine Meinung sagen kann und glauben darf, was er will.

Doch die Jünger haben das leidvolle Sterben Jesu am Kreuz noch vor Augen.

Sie erinnern sich auch an ihr eigenes Versagen und schämen sich dafür.

Und jetzt fehlt ihnen der Glaube, sich von der frohen Botschaft der Frauen begeistern zu lassen.

Ja, so sind sie die Jünger…

Menschen, - wie wir halt auch!!!

 

Pfingsten feiern wir im Frühling des Jahres 2020 – das Fest des mutigen, unternehmungsfreudigen und fröhlichen Geistes.

Und wir, hinter unseren Masken, die wir „schön vorschriftsmäßig“ auf Abstand sitzen…?

Wir haben doch auch Angst…!!!

Keine Angst vor den Juden wie die Jünger, …

keine Angst vor den Russen, den Chinesen oder den uns neuerdings immer fremder werdenden Amerikanern.

Wir haben Angst vor einer unsichtbaren Gefahr…

… Angst vor einem Virus, der unsere Lungen befällt…

… Angst vor einem Virus, der uns die Kraft zum Atmen nimmt.

 

„Pneuma“, so heißt das griechische Wort für den Heiligen Geist.

„Pneuma“ bezeichnet aber zugleich das Atmen.

Wer einen Lungenarzt aufsucht, der findet auf dessen Praxisschild die Berufsbezeichnung „Pneumologe“.

 

An Pfingsten feiern wir das Fest des Heiligen Geistes, eines Geistes also, der nicht nur in unserem Gehirn wirkt und uns immer wieder kreative Ideen schenkt.

An Pfingsten feiern wir demnach auch das Fest einer Kraft, die uns frei und hoffnungsvoll aufatmen lässt.

Können wir das in dieser Stunde des Pfingstfestes?

– frei und hoffnungsvoll durchatmen hinter unseren Schutzmasken und mit unseren desinfizierten Händen, mit denen wir uns nicht mehr gegenseitig begrüßen dürfen?

Wie fühlen wir uns hinter unseren Masken, wenn wir vereinzelt im Sicherheitsabstand von 2 Metern voneinander sitzen?

Freilich drücken die Masken und die Desinfektionsmaßnahmen nicht gerade Unbeschwertheit und Fröhlichkeit aus.

Sie sind aber kein Zeichen von Angst.

Viel mehr möchte ich sie verstehen als Verhaltensformen der Vernunft, der Rücksichtnahme und der Bescheidenheit.

Mit diesen Verhaltensformen sind wir weit gekommen.

Weiter jedenfalls als die, die sich in falscher Sicherheit wiegen.

Unsere Infektionszahlen halten sich in Grenzen verglichen mit Italien, Amerika oder England.

Unser oft so geschmähtes Gesundheitssystem und die engagierten Menschen, die dahinter stehen, haben eine beeindruckende Leistung abgeliefert.

Wir haben die Bedrohung ernst genommen und mit Klugheit dagegengehalten.

Wir haben die großen Worte vermieden und nicht wie Trump oder Macron von einem „Krieg gegen das Virus“ gesprochen.

Wir haben uns ganz einfach voreinander geschützt.

So haben wir Zeit gewonnen, Zeit, die wir auch nutzen konnten zur Besinnung, zur Ruhe und zum Neuentdecken dessen, was der engste Kreis der Familie einander zu schenken vermag.

 

 

Freilich hat diese Zeit uns auch dazu gezwungen, auf Manches zu verzichten, was wichtig und notwendig gewesen wäre…

So manche Witwe durfte ihrem sterbenden Mann nicht die Hand halten, weil es ein Kontaktverbot für Pflegeheime und Krankenhäuser gab.

Ich selber habe meine Eltern drei Monate lang nicht mehr gesehen.

Sie wollten es so.

Sie haben sich zurückgezogen und diese Zeit bis jetzt gut überstanden.

Schmerzhafter Verzicht kann Leben retten – so ist das in diesen Tagen.

Die österliche Freudenzeit, die hinter uns liegt, entpuppte sich als eine verlängerte Fastenzeit.

-         Keine Osternacht

-         Keine Konfirmationen

-         Keine Konfirmandenfreizeit

-         Keine Frühlingsfeste

-         Keine Partys

 

Und???

 

Das Leben geht weiter.

In der Zeit dazwischen konnten wir Kräfte sammeln, uns neue Maßnahmen überlegen und jetzt können wir überlegt handeln.

An Pfingsten begabt der auferstandene Christus seine Jünger mit dem ausdauernden Atem, mit dem sein Geist für Leben und Frieden sorgt.

Den Geist dieses Christus atmen wir auch hinter unseren Masken.

Auch als eine vorsichtige und rücksichtsvolle Gemeinde atmen wir den Geist Christi.

Wir versammeln uns unter Umständen, die nicht feierlich sind.

Und dennoch stärken wir uns im Glauben und in der Hoffnung mit jedem Atemzug, weil wir darauf vertrauen, dass Christus uns nahe ist und uns sendet.

Er sendet uns in die Welt, damit wir in seinem Namen den Menschen ihre Sünden erlassen…

Wie kann das gehen, Sünden erlassen?

Das griechische Wort für Sünde bedeutet auch „Schuld“ oder „Schulden“.

Darum beten wir im Vaterunser:

„Und vergib uns unsere Schuld – wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“

In diesen Tagen ist viel von Schulden die Rede, von Schulden, die Europa gemeinsam aufnimmt und gemeinsam tragen soll.

Keiner trägt gerne die Schulden anderer mit.

Keiner erlässt einem anderen gerne die Schuld und die Schulden.

Aber dennoch weist uns das der auferstandene Christus als Aufgabe zu.…

… Sünde, Schuld und Schulden vergeben…

Als Jesus der Ehebrecherin die Schuld vergeben hat, fügte er aber hinterher hinzu:

„Sündige hinfort nicht mehr!“

Sünde, Schuld und Schulden vergeben…

Ja, das ist unsere Aufgabe, damit der Kontinent Europa, der so viele Kriege erlebt hat in Frieden beieinander bleiben kann.

Freilich werden danach aber einige viel zu lernen haben, damit alte Fehler vermieden werden.

Und so holen wir denn hinter unseren Masken zu einem tiefen „Schnaufer“ aus und hoffen, dass Gott seinen Segen dreingibt beim Vergeben, damit’s nicht hinterher so weitergeht, wie’s vorher aufgehört hat.

Mit dem zweiten „Schnaufer“ bitten wir dann darum, dass alles, was nun vor uns liegt, dem Frieden dient.

Denn der Friede ist das Wichtigste im Leben von uns Menschen – wichtiger sogar als die eigene Gesundheit.

Und bei einem dritten „Schnaufer“ hinter unseren Masken bitten wir nicht um irgendeinen Frieden, sondern um den Frieden des auferstandenen Christus, der mit seinem vergebenden Geist in uns wirkt heute, gestern, morgen und in Ewigkeit!

Und der Friede Christi, der höher ist als alle unsere menschliche Vernunft bewahre uns und segne uns in Ewigkeit. Amen

 

Ein frohes Pfingstfest wünscht Ihnen, 

Pfarrer Jürgen Rix


Gebet

 

Gott im Himmel und auf Erden,

dein Licht erleuchtet uns,

dein Wort dringt uns ins Herz.

Dein Heiliger Geist lässt uns verstehen, dass du uns begleitest auf unseren Wegen –

Auch auf den Wegen, die wir uns nicht ausgesucht haben.

Stärke uns in dem Glauben, der deine Nähe, deine Kraft, deine Liebe spürt und weitergibt,

gestern, heute, morgen und in alle Ewigkeit.

 

 

Amen



Christi Himmelfahrt

Johannes 17, 20-26, Christi Himmelfahrt 2020

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

 

Jesus hob seine Augen auf zum Himmel und sprach: Vater, ich bitte nicht allein für die, die du mir gegeben hast, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, dass sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, auf dass die Welt glaube, dass du mich gesandt hast.

Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, auf das sie eins seien, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, auf dass sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst.

Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir geben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt, ehe die Welt gegründet war. Gerechter Vater, die Welt kennt dich nicht; ich aber kenne dich, und diese haben erkannt, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen.

 

 

Liebe Gemeinde,

wir sind mit diesen Worten in der Abschiedsrede von Jesus. Jeder, der schon einmal eine Abschiedsrede halten musste, weiß, wie schwer das ist. Da schwingen Wehmut und Trauer mit über etwas, das eben zurückgelassen werden muss, aber natürlich will man ja auch noch etwas Wichtiges sagen: Worte, die bleiben, die trösten und zuversichtlich stimmen. Es ist so sicher nicht zufällig, dass dieser Abschluss der Abschiedsrede Jesu ein Gebet ist. Jesus betet zu seinem Vater, dass etwas Wichtiges bleiben soll von all dem, was Jesus gesagt und getan hat.

Ich greife einmal den Vers heraus, der für mich das Zentrum dieses Bibelabschnitts ist. Jesus betet zu Gott: „Ich haben ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, auf dass sie eins seien, wie wir eins sind.“

Zwei Gedanken dazu: Was heißt das eigentlich „Eins sein“? Eins sein, das bedeutet zusammenzugehören, wie zwei Seiten einer Münze zusammengehören oder wie der Deckel zum Topf gehört oder das Handy zum Jugendlichen oder natürlich zwei sich liebende Menschen zusammengehören. Zwei sind eins, wenn man sich den einen ohne den anderen nicht denken kann. Mir fallen da wirklich Paare dazu ein, die man nur zusammen kennt. Sie treten immer gemeinsam auf in einer stillen, selbstverständlichen, unaufdringlichen Vertrautheit – und es tut gut, sie zusammen zu sehen. Wenn mal einer fehlt, fragt man unwillkürlich: Wo ist denn der andere?

Übertragen auf Gott bedeutet es, dass ich Gott den Vater, nicht denken kann ohne an Jesus und an den Heiligen Geist zu denken. Oder an Jesus nicht denken kann, ohne an Gott, den Vater und den Geist zu denken. Oder eben an den Heiligen Geist nicht denken kann ohne an Jesus und den Vater zu denken. Mit diesen Gedanken sind wir dann mitten in der Dreieinigkeit angekommen – die drei Personen Gottes sind nur zusammen zu denken. Vollkommen eins.

Jesu Worte nun an uns: So sollt ihr auch eins sein.

O o, da sind wir dann aber weit davon entfernt. Evangelische und Katholische, Anglikaner, Baptisten, Orthodoxe, Methodisten, Armenische, koptische Kirche, um nur mal eine kleine Auswahl an Christen zu nennen – alle eins? Aber bevor wir daran verzweifeln, möchte ich gleich zum zweiten Gedanken kommen. Jesus spricht davon, dass er uns die Herrlichkeit gegeben hat, damit wir überhaupt eins sein können.

 

Das Wort Herrlichkeit heißt im Griechischen Doxa, im Hebräischen kabod. Und es gibt eine Geschichte im AT, die besonders anschaulich macht, was damit gemeint ist. Es ist die Geschichte aus dem 2.Buch Mose, in der Mose unbedingt die Herrlichkeit Gottes sehen möchte. Er ist auf dem Berg Sinai und empfängt dort die 10 Gebote – und dann möchte er Gott sehen, damit er dem Volk sagen kann, wer das ist, von wem er die Gebote hat. Er bringt Gott seine Bitte vor. Gott antwortet: „Mein Angesicht kannst du nicht sehen; denn kein Mensch wird leben, der mich sieht!“ Aber dann kommt Gott dem sehnlichen Wunsch von Mose doch entgegen, indem er Mose in eine Felsnische stellt, schützend seine Hand darüber legt und Mose hinter Gott hersehen darf. Und schon allein dadurch, dass Mose dieses „Nachsehen“ hat, legt sich auf sein Gesicht ein Glanz, die Herrlichkeit Gottes. Mose strahlt. Und an diesem Glanz, dieser Herrlichkeit, erkennen die Israeliten, dass Mose tatsächlich eine ganz besondere Begegnung gehabt hat.

 

Schauen Sie einmal hoch: In unserer wunderschön angemalten Decke ist ja im goldenen glänzenden Strahlenkranz das Symbol für die Dreieinigkeit und der hebräische Gottesname Jahwe zu erkennen. Jahwe kann man verschieden übersetzen. Es kann heißen „Ich bin, der ich bin“ oder „Ich bin der Seiende“ oder eben auch „Ich bin der Mitgehende“.

Von dort oben glänzt es zu uns herunter, goldig. Die Worte, die das AT mit dem NT verbinden: Ich bin der mitgehende Gott. Ich bin der Gott, der weitergeht, der mit Jesus Christus zu uns gegangen ist, in vollkommener Einheit. Der Gott, der mit Jesus in den Heiligen Geist gegangen ist, in vollkommener Einheit.

Durch ihn haben wir all die Geschichten und Worte, die wir von Jesus wissen. Und wir haben sie, damit wir eins sein können. Das heißt nicht, dass keine Unterschiede im Glauben mehr sein dürfen, aber der Kern unseres Glaubens muss derselbe sein und das sind die Dreieinigkeit und die damit verbundene Liebe Gottes, die uns zum Strahlen bringen will.

 

Heute, an Himmelfahrt, denken wir an den Abschied Jesu, an den letzten Tag, den er als Mensch auf der Erde war, bevor er im Heiligen Geist alt und neu zu uns kam. Wir denken daran, was uns von Jesus geblieben ist, auch wenn er als sichtbarer Mensch weg ist: Es sind seine Worte und Taten der Liebe. Alles, was Christen ausmacht, muss an dieser Liebe gemessen werden. Wir werden es nie schaffen, in vollkommener Liebe eins zu sein, aber unsere Orientierung ist und bleibt die Liebe Gottes. Alles muss sich an dieser Liebe messen lassen: Wenn wir nicht wissen, wie wir denken, reden oder handeln sollen: Lasst es uns an der Liebe messen, dann wissen wir es.

Alles muss sich an der Liebe messen lassen – denn nur Liebe bringt Menschen zum Leuchten und Strahlen. Amen.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alles menschliche Verstehen, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Es grüßt Sie herzlich Ihre Pfarrerin Bettina Weber


Sonntag  Rogate

17. Mai 2020

Matthäus 6,5-15       Vom Beten. Das Vaterunser

 

Jesus lehrte die Menschen:

5 „Wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, damit sie von den Leuten gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt.

6 Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten.

7 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen.

8 Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.

9 Darum sollt ihr so beten:

 

Unser Vater im Himmel!

Dein Name werde geheiligt.

10 Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.

11 Unser tägliches Brot gib uns heute.

12 Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

13 Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

14 Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben.

15 Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

Rogate            5.5.2013          Matth. 6,5-15

 

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Liebe Gemeinde,

 

um das richtige Beten geht es am heutigen Sonntag Rogate.

Wo sollen wir beten, wie, wann und wie oft?

Diese Frage wird immer wieder gestellt.

Und in der Bergpredigt gibt Jesus darauf eine missverständliche Antwort, die gerne von denen ins Feld geführt wird, die am Sonntag nicht zum Gottesdienst kommen.

Jesus sagt ja selbst:

„Wenn ihr betet, dann sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die in den Synagogen und an den Straßenecken stehen, damit sie von den Leuten gesehen werden…

Wenn du betest, dann geh in dein Kämmerlein, schließ die Tür und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist, weil dein Vater auch ins Verborgene sieht.

 

Jesus redet da zu den Menschen seiner Zeit.

Damals gehörte es zum „guten Ton“ öffentlich sichtbar laut zu beten.

Doch die Zeiten haben sich verändert.

Es gehört längst nicht mehr zum guten Ton, sich zur Kirche und zum Glauben zu bekennen, ganz im Gegenteil.

Und so möchte ich behaupten:

Sie, die Sie heute zum Gottesdienst gekommen sind, Sie meinen es ernst mit dem Glauben.

Sie sind keine Heuchler.

Sie sind auch keine Scheinheiligen, sondern Sie sind die Leute, die sich von Gott noch etwas sagen lassen.

Wir, die Christen, die noch beten, hier im Gottesdienst, aber auch zu Hause in der Familie, wir wissen noch etwas davon, dass der Glaube keine Privatangelegenheit zwischen mir und Gott ist.

Der Glaube braucht die Gemeinschaft, die Kirchengemeinde und den Gottesdienst, damit wir uns gegenseitig bestärken und erfahren, wie gut es tut, mit anderen zu singen, zu beten, auf Gottes Wort zu hören und das Abendmahl zu feiern.

Wie armselig wäre unser Glaube, wenn da jeder nur für sich beten würde, wenn es keine Gottesdienste, keine Kirchentage und keine Konfirmationen gäbe.

Heute wäre eigentlich so ein großes Fest des gemeinsamen Betens und Feierns, die Konfirmation meines Sprengels.

 

Zwei Monate mussten wir im stillen Kämmerlein beten, weil wir uns nicht zum Gottesdienst versammeln durften.

Wie ist es Ihnen ergangen in dieser Zeit?

Haben Sie nicht auch das Bedürfnis verspürt, wieder hierher zu kommen, in die Kirche, um all die anderen wiederzusehen, um die Gemeinschaft zu erleben und um sich nachher ein wenig zu unterhalten?

 

Bei diesem Bedürfnis nach Gemeinschaft und zwischenmenschlicher Begegnung treffen wir eines der beiden Grundanliegen des Betens und des Vaterunsers…

Beim richtigen Beten geht es nämlich nicht in erster Linie um mich und um meine Bedürfnisse, sondern, um das „Wir“ – also um das, was wir alle brauchen, um das also, was uns allen weiterhilft.

 

Wie wir richtig beten, das können wir vom Vaterunser lernen:

Zunächst einmal beginnt ein Gebet mit einer Anrede an Gott, zu dem wir ja beten.

 

„Unser Vater im Himmel…“

so dürfen wir Gott anreden.

Gott ist wie ein Vater.

Wir dürfen ihm vertrauen.

Wir dürfen ihm etwas zutrauen.

Wie Kinder dürfen wir zu ihm kommen.

Wie Kinder sollten wir aber auch respektieren, dass Gott uns vieles voraus hat.

Gott ist im Himmel und wir sind auf Erden.

Es besteht ein großer Abstand zwischen uns und Gott.

Aber dennoch dürfen wir Gott „unseren Vater im Himmel“ nennen, weil er für uns da ist und mit seinen wahrhaft himmlischen Kräften immer wieder rettend und friedenstiftend in unser Leben eingreift.

 

Moderne Gebete gehen nach der Anrede oft gleich zu den Tagesthemen über, zu dem also, was die Menschen freut oder belastet.

„Lieber Gott im Himmel, bitte schaffe Frieden auf der Welt.

Gib, dass Mama und Papa sich wieder vertragen.

Lass meinen Bruder wieder gesund werden“!

Nicht nur Kinder beten so, sondern auch viele Erwachsene, sogar Pfarrer.

 

Jesus lässt sich da etwas mehr Zeit.

Er gibt zuerst einmal Gott den Raum, der Gott gebührt.

Dein Name werde geheiligt…, so beginnt er.

Und damit meint er:

Bevor wir vom himmlischen Vater etwas erbitten, sollen wir erst einmal daran denken, was er schon alles für uns getan hat.

Heiligen wir den Namen Gottes beim Beten, indem wir ihm die Zeit geben, die ihm zusteht am Sonntag beim Gottesdienst, aber auch sonst beim Beten!

Heiligen wir seinen Namen, indem wir dankbar und lobend von ihm reden und nicht so tun, als bekäme er nichts von dem mit, was auf unserer Erde geschieht!

„Dein Reich komme…

Dein Wille geschehe…“

Auch hier geht es wieder um das, was Gott tut und um das, was Gott will und nicht um unsere Wünsche.

Gottes Wille unterscheidet sich oft ganz und gar von unseren Plänen.

„Dein Wille geschieht, auch wenn ich ihn nicht verstehe…“

so hat eine junge Witwe in einer Todesanzeige für ihren Mann geschrieben, der mit 29 Jahren an Hautkrebs starb, wenige Wochen nach der Taufe des zweiten Kindes.

„Nicht mein, sondern dein Wille geschehe…“, so hat Jesus gebetet als er im Garten Gethsemane eine Vorahnung von seinem qualvollen Ende spürte.

Gottes Wille geschieht und sein Reich kommt, so wie Gott es lenkt und leitet.

Das sollte in keinem Gebet vergessen werden.

Denn Gott ist der Vater und wir seine Kinder.

Gott bestimmt und nicht wir.

Und wir tun gut daran, auch das von Gott anzunehmen, was uns nicht passt oder was uns ungerecht vorkommt.

 

Freilich dürfen Kinder ihren Vater auch um das bitten, was sie zum Leben brauchen…

„Unser tägliches Brot gib uns heute…

Vergib uns unsere Schuld…

Führe uns nicht in Versuchung…

Erlöse uns von dem Bösen…“

Merken Sie den Unterschied zu vielen unserer sonstigen Gebete?

Da wird nicht vom „Mir“ gesprochen, also von dem, was ich mir wünsche, sondern vom „Uns“ also von dem, was der Gemeinschaft, uns allen und der ganzen Welt gut tut.

Nicht nur ich will satt werden, sondern auch mein Mitmensch.

Nicht nur ich brauche Arbeit, sondern auch mein Nachbar.

Nicht nur ich brauche jemanden, der mir zuhört, sondern auch meine Frau und meine Kinder.

Ein gutes Gebet bringt nicht persönliche Wünsche vor Gott, sondern bittet darum, dass Gott uns allen gibt, was wir brauchen, damit wir in Frieden leben und arbeiten können.

 

Und noch etwas hat in einem guten Gebet nichts verloren…:

Nämlich ein beleidigtes Anklagen der Versäumnisse anderer.

„Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern…“

Auf diese Bitte legt das Matthäusevangelium besonderen Wert, weil sie als einzige Bitte erläutert wird.

Wir sollen vergeben und nicht selbstgerecht warten, bis uns einer, von dem wir uns verletzt fühlen, um Verzeihung bittet.

Wir sollen unsere Schuld erkennen, statt die Fehler bei anderen suchen.

Ein gutes Gebet spricht von den eigenen Fehlern und nicht vom Versagen anderer.

Ein gutes Gebet benennt aber auch den, der uns fähig macht, dem anderen zu vergeben, nämlich Gott, unserem himmlischen Vater, der uns zuerst vergibt, weil er uns, seine Kinder, liebt.

Beten tut uns gut.

Denn das Beten befreit uns von unserer Selbstgerechtigkeit.

Und darum bittet ein gutes Gebet: Gott, … „dein Wille geschehe“.

Und ein gutes Gebet bittet für uns, … „unser tägliches Brot gib uns heute“.

Ein gutes Gebet meidet die Worte „ich, mein und mir“.

In einem guten Gebet mache ich mir nämlich bewusst, dass ich zur Gemeinschaft der Menschen gehöre, die ihr Gebet abschließen dürfen mit den vertrauensvollen Worten:

Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit!

 

Amen

 

Es grüßt Sie, Ihr Pfarrer, Jürgen Rix

 

 


Sonntag Kantate

10. Mai 2020

Andacht zu Bild „Der gute Hirte mit Dornenkrone“

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde, wie schon erwähnt, in der Zeit der Kirchenschließung habe ich jeden Morgen unsere Kirche aufgeschlossen. Das war wichtig. Und es hat sich auch gezeigt, dass sehr viele Leute regelmäßig hierher kamen, um eine Kerze anzuzünden oder um die mit Egli-Figuren hier vorne gestalte Predigt anzuschauen oder auch, um sich ein Wort, einen Segen auf einem Kärtchen mitzunehmen. Gottesdienste durften wir nicht halten, das hat ja auch jeder eingesehen, aber die Kirche war zum Glück nicht zu. Der Raum war offen und konnte nach wie vor seine Wirkung entfalten.

Das habe ich selber ganz neu erlebt. Ich bin heute auf den Tag genau 11 Jahre in Mangersreuth und ich liebe diese Kirche. Ich meinte sie gut zu kennen, aber in den letzten zwei Monaten war ich zu ganz ungewöhnlichen Tages- und Abendzeiten hier drin und war ganz neu fasziniert vom unterschiedlichen Lichteinfall, von der Stille, vom Klang meiner Stimme in der leeren Kirche, wenn ich gebetet oder gesungen habe. Völlig neue Erfahrungen.

Allein dieses Aufschließen morgens – man macht die Tür auf und schaut intuitiv, ob jemand da ist. Das ist mein Morgenritual geworden: Bist du da, Gott? Und wie bist du zu erkennen? Bist du auch maskiert, ist dein Angesicht verborgen?

Hier vorne, als eines der Kanzelbilder, ist der gute Hirte abgebildet. Es dürfte eines der bekanntesten Motive im kirchlichen Leben und Gebrauch sein: Den Psalm 23, den wir ja auch gerade gebetet haben, den kennen wirklich viele.

Der gute Hirte, der uns begleitet. Ein starkes Bild. Auf den ersten Blick wirkt es wie ein Idyll. Schön, so eine friedlich weidende Herde mit einem Pfeifchen rauchenden Schäfer, den nichts aus der Ruhe bringt. Aber wir wissen natürlich, dass dieses Bild trügt. Ein Hirte hat viel zu tun, muss immer aufpassen, muss genau wissen, wo es Weide und Wasser gibt und wie man auf ungefährlichen Wegen dort hinkommt. Er muss sich auskennen mit Geburten, Heranwachsen, Krankheiten und auch dem Tod. Er muss unter Umständen wehrhaft sein, seine Herde verteidigen können. Nur wenn ein Hirte all das weiß und vor allem umsetzt, kann er ein guter Hirte sein.

„Ich bin der gute Hirte“, so hat es Jesus gesagt. „Ich kenne jedes meiner Schäfchen – und sie kennen mich. Ich weiß, wo sie sind und ich weiß auch die besten Wege für sie. Ich verteidige sie und wenn es hart auf hart kommt, stehe ich mit meinem Leben für ihr Leben ein.“ So Jesu Worte aus dem Joh.Evangelium.

Dieser Gedanke hat sich mir in den vergangenen Wochen ganz neu anschaulich gemacht, als ich in der Passionszeit die Dornenkrone auf den Altar stellte: Da war der gute Hirte auf einmal von der Dornenkrone umgeben. Wie tief symbolisch das ist: Jesus, der gute Hirte, hat nicht nur daher geschwatzt, sondern er hat es wahr gemacht, was er gesagt hat. Hat sich die Dornenkrone, Sinnbild des Leidens, aufsetzen lassen, hat sich am Kreuz durchbohren lassen. Seither steht er wie kein anderer an der Seite aller Leidender.

 Mir haben sich in den letzten Wochen immer die Nackenhaare aufgestellt, wenn irgendwo zu lesen oder zu hören war: Corona – das ist eine Strafe Gottes.

Ich kann das nicht so sehen. Corona ist eine Erkrankung und wir Menschen sind, wie alle anderen Geschöpfe auch, der Natur unterworfen. Wir sind nicht immun gegen alles, schon gar nicht unsterblich, erst recht nicht haben wir alles im Griff. So wie täglich viele andere Geschöpfe, Pflanzen wie Tiere, an Erkrankungen sterben, so auch wir. Was uns unterscheidet, oder zumindest unterscheiden könnte, ist unser Verstand, der uns eine solche Krise eben hoffentlich nicht einfach nur aussitzen lässt, sondern uns hilft unsere Lehren daraus zu ziehen. Die Hauptlehre wäre, meines Erachtens, uns wieder viel mehr darauf zu besinnen, dass wir Geschöpfe sind und nur überleben werden, wenn wir uns als Teil dieser Welt betrachten. Wenn wir uns weiterhin dermaßen selbstherrlich und uns selbst überschätzend die Welt untertan machen werden, ziehen wir vermutlich sowieso alles mit in den Abgrund.

Aber zu behaupten, dass Gott eine Krankheit als Strafe schickt, das halte ich für völlig falsch. Mich hat da sehr das Bild angesprochen, das wir auch hier lange in der Kirche ausliegen hatten: Wie Jesus die kranke Welt im Arm hat, wie eine Mutter ihr fieberheißes Kind. Sie können sich, wenn Sie wollen, das Bild von hinten, mitnehmen.

Der gute Hirte mit der Dornenkrone – So hat sich unser Gott in Jesus Christus sichtbar gemacht. Er ist es, der da ist, nach wie vor. Ich bete, dass auch wir da sind, für ihn – und für die vielen, die uns als guten Hirten brauchen und die auf unser Mitgefühl und unsere tatkräftige Hilfe warten.

 

Gott, bist du da? – Ja, er ist da. Ohne Maske. Nackt am Kreuz, sichtbar für alle. Man muss nur hinschauen wollen. Amen.

 Und der Friede Gottes, der höher ist als all unser menschliches Verstehen, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

 

Es grüßt Sie herzlich Ihre Pfarrerin Bettina Weber



Sonntag Jubilate

3. Mai 2020

Johannes 15, 1-4:

Christus

 

spricht: Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner.

 

Eine

 

jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und eine jede, die

 

Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe.

 

Ihr

 

seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.

 

Bleibt

 

in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst,

 

wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir

 

bleibt.

 

 Liebe Gemeinde,

 

wir haben es mit einem sogenannten „Ich-bin-Wort“ Jesu zu tun, wie wir es z.B. auch von „Ich bin das Licht der Welt“ oder „Ich bin der gute Hirte“ kennen. Die „Ich-bin-Worte“ Jesu sind immer mit einem Ausschließlichkeitsanspruch verbunden. Da geht es zur Sache, denn damit wird ja nichts anderes behauptet, als dass ausschließlich Jesus der Weg, das Licht, der gute Hirte oder eben wie heute der wahre Weinstock ist. An diesem Ausschließlichkeitsanspruch beißen sich viele die Zähne aus. Denn der ärgert im heutigen Zeitalter der 1000 Möglichkeiten. Wieso soll da nur ein Weg der richtige sein! Das beschränkt doch die Freiheit – na ja, wie schnell die Freiheit beschränkt werden kann, das erleben wir gerade ja zur Genüge. Und

nehmen es hin, dient es doch dem Wohl aller.

Da bin ich nun bei meinem Lieblingsmenschen, dem Jesus. Er hat wie kein anderer dem Wohl aller gedient. Dass er mit „Ich-bin-Geschichten“ arbeitete, war genial, denn mit diesen Worten lässt er uns ganz bewusst über unsere vermeintlichen Freiheiten stolpern. Was ist Freiheit? Was ist Abhängigkeit?

 

Sie wissen, dass ich eine begeisterte Hobby-Gärtnerin bin. Nichts Schöneres als draußen zu sein und die Natur um sich zu spüren. Ich empfinde sie immer wieder als größtes Heilmittel für meine Seele und als meine größte Lehrmeisterin.

Am Pfarrhaus wachsen zwei Weinstöcke. Als ich nach Mangersreuth zog, hatte ich keine Ahnung, wie die gepflegt werden müssen. Also habe ich es mir das erste Mal zeigen lassen und war entsetzt, wie radikal der Wein zurückgeschnitten wurde. „Jetzt ist er hin“, dachte ich, „das verzeiht mir meine Gemeinde nicht so schnell!“

Jeden Tag habe ich ängstlich nach Trieben Ausschau gehalten und fast schon mit der Lupe nach frischem Grün gesucht. Es hat gedauert, aber dann, wie habe ich gestaunt. Innerhalb kürzester Zeit hat der Wein frische Reben getrieben und im Herbst konnte ich ernten.

Seither schneide ich jedes Jahr im ausgehenden Winter den Wein. Und immer noch schüttelt es mich ein bisschen, wenn ich die Schere ansetze, aber ich weiß: Es muss sein, sonst wird das nichts mit Weintrauben.

 

Jesus hat dieses Bild auf Gott, unseren Vater im Himmel übertragen. Und genauso wie ein irdischer Gärtner weiß, was gut für seine Pflanzen ist, weiß es auch Gott. Es hat etwas mit Vertrauen zu tun, dass wir Gott ans Werk lassen. Er weiß, wie ein jedes Pflänzchen beschnitten werden muss, damit es Frucht bringt.

Wir arroganten Menschen nehmen ihm aber leider nur allzu oft die Schere aus der Hand und sagen: „Ich weiß das aber besser als du!“ Wir verlassen damit den Platz, den uns Gott als Geschöpf unter Geschöpfen zugewiesen hat – und verhindern so manches an Ernte.

 

Zurzeit sind wir ausgebremst, nichts mehr mit  unbegrenzter Freiheit, geschweige denn, dass wir alles im Griff hätten. Zurzeit merken wir ganz deutlich, dass wir einfach Geschöpfe sind, die wie alle anderen Geschöpfe auch der Natur unterworfen sind. Was uns unterscheidet oder zumindest unterscheiden könnte von anderen Geschöpfen, ist der Verstand, den uns Gott gegeben hat: Wir können nachdenken und eine Krise nicht einfach nur als Krise bewerten oder aussitzen, sondern unsere Lehren daraus ziehen.

 

Und da sind wir wieder bei Jesus, meinem Lieblingsmenschen. „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben“, so hat er es gesagt und uns damit ganz klar unseren Platz zugewiesen. Er hat sich aber mit diesem Wort auch so eng zu uns gestellt, wie es enger gar nicht geht. Jesus will nicht ohne uns sein, wir sind die Früchtchen, die zu ihm gehören. Alle Kraft, die wir brauchen, um reifen zu können, kommt aus ihm.

 

Meine Ehrfurcht vor der Natur wächst – was sie uns doch alles lehren kann. Ich bete darum, dass auch unser Vertrauen zum großen Weingärtner wächst, der nicht Wirtschaftswachstum ohne Ende gepredigt hat, sondern Wohl für alle und dazu muss tatsächlich so manches immer wieder auch einmal beschnitten werden. Denn muss wirklich immer mehr zu unfairen Preisen produziert werden, wenn es regional und fair ja vielleicht auch gehen würde? Brauchen wir den Sauftourismus in Spanien wirklich wieder oder könnte dort nicht etwas viel Schöneres und Nachhaltigeres wachsen? Kann es recht zugehen, wenn ein Flug in ein anderes Land nur 10 € kostet? Wer braucht denn wirklich einen SUV? Muss jeden Tag Fleisch auf den Tisch? Darf ich Tiere ausschließlich als Ware produzieren und jegliche Würde dieser Geschöpfe Gottes verachten? Darf ich Menschen immer noch als Sklaven missbrauchen, weil sie von der Hand in den Mund leben müssen und niemand sie auffängt, wenn ein Virus durch ihr Land zieht? Welche Freiheiten nehmen wir uns heraus, obwohl sie weiß Gott nicht dem Wohl aller dienen.

Das sind Fragen, die sich jeder stellen muss.

Und jeder kann im eigenen Bereich Konsequenzen ziehen. Und wenn es jeder täte, wirklich jeder: Wie anders wäre unsere Welt.

Wäre sie etwa so, wie Gott sie haben wollte?

 

Fragen über Fragen. Ich muss dringend weiter nachdenken. Sie finden mich im Garten! Amen.

 

                    Ihre Pfarrerin Bettina Weber

 

 

Herr,

 

erwecke deine Kirche

 

und fange bei mir an.

 

Herr, baue deine Gemeinde auf

 

und fange bei mir an.

 

Herr, bringe deine Liebe und Wahrheit zu allen Menschen

 

und fange bei mir an.

 

Aus China

 

 

Hirtensonntag

26. April 2020

Gestaltung Isabell Rix
Jesus - der gute HIrte

Das Bibelwort zum Hirtensonntag

 Johannesevangelium 10, 11 – 16

 

Jesus spricht:

11 Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.

12 Der Mietling aber, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht – und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie –,

13 denn er ist ein Mietling und kümmert sich nicht um die Schafe.

14 Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich,

15 wie mich mein Vater kennt und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe.

16 Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte werden.



I Der gute Hirte

 

Das Bild vom guten Hirten berührt unser Herz!

Geht es ihnen auch so, wenn Sie einen Schäfer mit seiner Herde sehen?

Bleiben Sie da auch gerne stehen und verweilen.

Beim Anblick der Herde baut sich eine Atmosphäre von Ruhe und Frieden auf.

Die Herde folgt dem Hirten auf den Fuß.

Er muss die Tiere nicht antreiben. Der Hund muss sie nicht anbellen.

Ganz von selbst folgen die Schafe, weil sie wissen:

Unser Hirte meint es gut mit uns.

Er führt uns dahin, wo wir saftige Nahrung finden.

Wie groß ist das Vertrauen der Schafe zu ihrem Hirten!

Wie viele gute Erfahrungen müssen sie mit ihrem Hirten gemacht haben!

Denn Schafe sind an sich scheue Tiere.

Einen Fremden lassen sie nur dann an sich heran, wenn der Hirte dicht daneben steht.


II Unser Glaube - unser guter Hirte

 

Auch wir brauchen einen guten Hirten, der uns durch unser Leben begleitet.

Freilich geht uns der Hirte nicht sichtbar voran.

Der Hirte, der uns führt, ist unser Glaube.

Wir dürfen dankbar dafür sein, dass so viele besonnene Menschen, sich in diesen Tagen einschränken und geduldig das auf sich nehmen, was kluge Menschen uns raten, um möglichst unbeschadet durch die gegenwärtige Krise zu kommen.

Wenn wir nicht glauben würden, dass es sinnvoll ist, auf Gottesdienste, Feste, Einkaufsmärkte und sogar die Schule zu verzichten, dann würden wir als Volk wohl kaum so diszipliniert auf unsere liebgewonnenen Lebensgewohnheiten verzichten.

Mit unserem Glauben haben wir das Leben tausender Menschen gerettet.

Darauf dürfen wir stolz sein, vor allem wenn wir auf schreckliche Entwicklung in den Ländern schauen, in denen „falsche Hirten“ die Menschen auf falsche Fährten gelockt haben.

Bild: WDR
Bild: WDR

III "Wertvoll leben" -

die Mitmenschen im Blick haben

 

Jesus führt uns auf die guten Weiden des Glaubens, damit wir dabei „wertvoll“ werden.

Als die „wertvollsten“ Menschen der Welt entpuppen sich nicht die, die viele Werte auf dem Bankdepot horten.

Die wertvollsten Menschen der Welt begegnen uns in denen, die das Leben lieben und die ihre Leben in den Dienst am Leben stellen.

Unsere Ärztinnen und Ärzte, unserer Pflegerinnen und Pfleger, unsere Wissenschaftler und viele andere leisten in diesen Tagen Übermenschliches.

So mancher von ihnen hat sich selbst angesteckt, ist verstorben oder hat bleibende Schäden davongetragen.

Jesus Christus – der gute Hirte unseres Glaubens – hat sein Leben auch nicht geschont, um uns für einen Glauben zu begeistern, der sich vom drohenden Tod nicht abschrecken lässt, weil er darauf vertraut, dass der Glaube dem Tod die Macht nimmt..

Immer wieder gelingt es Christus, Menschen zu finden, die aus Liebe zu ihrem Mitmenschen ihr eigenes Leben aufs Spiel setzen, um anderen zu helfen.

Als die Menschen, die in diesen Tagen so Großartiges leisten, tragen sie das Licht der Hoffnung, des Lebens und der Zukunft durch die Welt

Nur so kann das Leben auch in bedrohlichen Zeiten weitergehen…

… durch Menschen, die bereit sind, für andere Opfer zu bringen.

Wie arm wären wir als Kirche dran, hätten wir nicht die Männer und Frauen, die für ihre Überzeugung gekämpft haben und ihr eigenes Leben nicht verschonten.

Ich denke da an Dietrich Bonhoeffer, an Martin Luther King, an Mutter Theresa, an die Ärzte ohne Grenzen, aber auch an die vielen Frauen und Männer, die ihre Angehörigen pflegen bis zur Selbstaufopferung, weil sie ihnen solange wie möglich die Geborgenheit im Kreis der Familie erleben lassen wollen.

Der gute Hirte traut uns zu, selber gute Hirten zu sein.

Er traut uns zu, dass wir junge Menschen für den Glauben gewinnen, weil sie bei uns erfahren, wie das uralte Wort Gottes lebensrettende Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit geben kann. 

Bild: WDR
Bild: WDR

 

Jesus – der gute Hirte – hat auch eine Verheißung für uns bereit.

Er will uns zusammenführen zu einer Herde, die ihm – dem einen Hirten – folgt.

Jesus Christus selbst will der eine Hirte für die eine Herde sein.

Der gute Hirte, den wir aus der Bibel kennen, der lädt alle Mühseligen und Beladenen ein, weil er sie erquicken will.

Der gute Hirte, den wir aus der Bibel kennen, der öffnet Türen und schlägt keine Türen zu.

Der gute Hirte wird sich durchsetzen.

Er wird es schaffen, dass seine Kirche ihn einmütig lobt, wenn auch in ganz unterschiedlichen religiösen Formen.

Freuen wir uns über all das, was wir in diesen Tagen an Rücksichtnahme, Verständnis und Geduld erleben dürfen!

Und tun wir das Unsere dazu, damit wir uns aufeinander zubewegen, lernen, einander zu verstehen, einander anzunehmen und einander zu dienen.

Denn so sollen wird die Einheit hinter dem guten Hirten erreichen,

- als dienende und liebende Christen,

- als Christen, denen man anmerkt, dass sie für ihre Überzeugungen bereit sind, ihr Leben auf Spiel zu setzen, so wie die Menschen im Bereich der Medizin und der Pflege.

 

Amen

 

Es grüßt Sie, Ihr Pfarrer Jürgen Rix



Am 1. Sonntag nach Ostern feiern wir die sich durchsetzende Kraft des Lebens der Auferstehung.

Für diesen Sonntag führt uns das Johannesevangelium an den See Genezareth - dorthin wo alles begann.

Die Jünger sind dorthin zurückgekehrt, wo sie herstammen.

Sie haben von der Auferstehung Jesu zwar gehört, aber sie kommen nicht auf die Idee, dass die Auferstehung auch ihr Leben verändern kann.

Im 21. Kapitel des Johannesevangeliums steht folgende Geschichte...


Jesus offenbarte sich abermals den Jüngern am See Tiberias.

Er offenbarte sich aber so:

Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und Nathanael aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere seiner Jünger.

Spricht Simon Petrus zu ihnen:

Ich will fischen gehen.

Sie sprechen zu ihm:

So wollen wir mit dir gehen.

Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts.

Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.

Spricht Jesus zu ihnen:

„Kinder, habt ihr nichts zu essen?“

Sie antworteten ihm: „Nein.“

Er aber sprach zu ihnen:

„Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden.“

Da warfen sie es aus und konnten's nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische.

Da spricht der Jünger, den Jesus lieb hatte, zu Petrus:

 

„Es ist der Herr!“

 

 Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr war, gürtete er sich das Obergewand um, denn er war nackt, und warf sich ins Wasser.

Die andern Jünger aber kamen mit dem Boot, denn sie waren nicht fern vom Land, nur etwa zweihundert Ellen, und zogen das Netz mit den Fischen.

Als sie nun ans Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer und Fische darauf und Brot.

Spricht Jesus zu ihnen:

„Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt!“

Simon Petrus stieg hinein und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig.

Und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht.

Spricht Jesus zu ihnen:

„Kommt und haltet das Mahl!“

Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen:

Wer bist du?

Denn sie wussten, dass es der Herr war.

Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt's ihnen, desgleichen auch die Fische.

 

 

Das ist nun das dritte Mal, dass Jesus den Jüngern offenbart wurde, nachdem er von den Toten auferstanden war.


Gestaltung Isabell und Jürgen Rix
Der Auferstandene Jesus begegnet seinen Jüngern am See Genezareth

I. Trotz Ostern – Die Jünger kehren zurück an ihre Arbeit

 

Was war vorausgegangen?

Während Jesus festgenommen wurde, waren die Jünger geflohen.

Alles schien für sie zu Ende.

Vielleicht hatten sie das Gefühl:

Die gemeinsame Zeit mit Jesus war verlorene Zeit im Leben.

Sie hatten sich mehr erhofft.

Mehr vom Leben.

Jesus starb am Kreuz.

Und dann kamen einige Frauen vom Grab Jesu und erzählten:

„Das Grab ist leer“!

Ein Engel hat zu uns gesagt: „Jesus ist auferstanden“. 

Das hat die Trauer der Jünger nicht verändert.

Die Enttäuschung war einfach da.

Was sollten die Worte der Frauen auch an ihrem Leben ändern?

Was bringt ihnen die Auferstehung Jesu?

 

Das Leben geht eben weiter, wie auch immer.

 Frustriert, ohne innere Motivation, gleichgültig, so empfanden sich die Jünger.

Das Leben geht weiter…   so sagt man schnell.

 

Für die Jünger musste es auch weitergehen. Darum gingen sie wieder fischen.

Was hätten sie auch anderes machen sollen?

Sie kehrten dorthin zurück, woher sie gekommen waren.

An den See Genezareth.

Dort sind sie zu Hause.

Die Umgebung ist ihnen vertraut.

Ihr Handwerk verstehen sie noch.

Fast automatisch läuft es ab.

Das Boot fertig machen, ablegen, rudern, Netze auswerfen und einholen.

Es genügen Blicke und Gesten, um sich zu verständigen.

Viel werden sie jedenfalls in dieser Nacht und in diesem Morgengrauen auf dem See nicht gesprochen haben.


II. Die Fischer – im vertrauten Handwerk finden sie nicht das tägliche Brot

 

Es bleibt alles leer.

Auch die Netze.

Alles war leer, längst bevor die Jünger die leeren Netze sahen.

So geht es zu in den Nächten des Lebens.

Wenn wir plötzlich erkennen müssen, dass unser Leben sich verengt hat und wir uns in unserer Haut nicht mehr wohl fühlen.

Die guten Ratschläge kommen bei uns nicht an.

Wir haben gar kein Ohr, kein Auge - für Worte, für Nähe.

Es bleibt alles leer.

„Ich gehe fischen“, sagt Petrus.

Wie gut, dass einer etwas tut.

Ob es sinnvoll ist, steht nicht zur Frage.

Petrus muss seine Leere mit irgendeiner Arbeit füllen.

Die anderen sind froh, dass sie sich anhängen und mittun können.

Ohne viel zu fragen.

Sie sitzen in einem Boot. Gemeinsam.

Und in dieser Nacht fingen sie nichts.

Sie fahren auf das Ufer zu.

Müde und ausgelaugt.

Gut, dass diese Nacht endlich vorbei ist.

Die leeren Netze waschen, das steht ihnen noch bevor.

Und die Vorwürfe derer, für die sie sorgen müssen:

Wir haben nichts, wovon wir leben könnten.

Wir kommen mit leeren Netzen, mit leeren Händen, mit leeren Herzen am Ufer des Lebens an. 

III.      Wenigstens einer wartet am Ufer – der Auferstandene

 

„Kinder, habt ihr nichts zu essen?

Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden.“

Warum greift dieses Wort eines Fremden, den sie zunächst nicht erkennen?

Weil nichts mehr zu verlieren ist?

Weil es dem Petrus so ähnlich schon einmal gesagt wurde?

Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden.

Das Leben hält für euch noch etwas bereit.

Werft euer Vertrauen nicht weg.

Die Fischer lassen sich darauf ein.

Gegen alle Logik. Gegen ihre Erfahrung.

Nach einer erfolglosen Nacht auf dem See, zur unüblichen Zeit, am frühen Morgen fahren sie noch einmal mit dem Boot hinaus.

Draußen auf dem See werfen sie das Netz auf der anderen, auf der rechten Seite des Bootes aus.

Jenseits aller menschlichen Berechnung, jenseits der Regeln der Kunst.

Jenseits dessen ziehen sie das Netz durch das Wasser.

Und es füllt sich mit Lebendigkeit aus der Tiefe, die nicht auszuschöpfen ist. Unglaublich!

Die Fischer, die Jünger haben die Worte dieser unbekannten Gestalt am Ufer einfach aufgenommen.

Und nun erleben sie die Fülle.

Die Fülle aus der Tiefe.

Jetzt spüren Menschen, wovon sie leben können.

Sie spüren, wie das Vertrauen, das Jesus in sie setzt, sie mit einer Kraft füllt – vergleichbar mit einer Quelle, die frisches Wasser aus tiefen Gesteinsschichten sprudeln lässt.

Die Blickrichtung fällt auf das Ufer hin.

Dort wartet einer, der mit einem Wort mehr bewirken kann als wir in einem großen Team.

Dieser eine wartet und lädt die Fischer ein zum Mahl mit Brot und Fisch.

 

Nach diesem Mahl wissen die Jünger, wozu sie beauftragt sind…

Sie sollen den Glauben weiterleben und weitergeben, den Jesus ihnen vorgelebt hat.

Dabei werden sie satt werden an Leib und Seele.

Satt werden an Leib und Seele – das schenkt uns der Glaube an den Auferstandenen Christus bis heute.

Mit dieser Kraft im Leib und in der Seele dürfen wir unseren Osterglauben als fröhliche, zuversichtliche und rücksichtsvolle Menschen leben – gerade in diesen Tagen. Amen

 

Es grüßt Sie, Ihr Pfarrer Jürgen Rix




Ostern - die Auferstehung

Ostersonntag 2020

 

Liebe Gemeinde,

 

„und die Frauen kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne gerade aufging.“ – Da geschah es, so schreibt der Evangelist Markus. Die Zeitangabe weckt in uns vielleicht Assoziationen wie die folgenden: Ein schöner noch taufrischer Morgen, die Vögel beginnen zu singen, die Dunkelheit der Nacht verwandelt sich in zarte Farben. Man sieht noch nicht viel. Aber das Licht bahnt sich schon seinen Weg und man ahnt, dass es ein schöner Tag wird. Die Sonne wird bald aufgehen.

 

Wer so gestimmt die Ostergeschichte des Markus weiterliest, wird nicht finden, was er erwartet. Denn von überschäumender Osterfreude ist vorerst nichts zu spüren.

 

Vielmehr lastet eine Frage auf den drei Frauen: „Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?“ – In diese Frage können wir uns wohl alle hineinfühlen. Denn verschlossene Türen sind uns gerade allen ein Begriff: Türen, hinter die wir uns notgedrungen gerade zurückziehen müssen und weltweit Grabes-Türen, die verschlossen werden, weil eine neue Krankheit über die ganze Welt hereingebrochen ist.

 

Wie wird das Leben sich wieder öffnen? Wie wird es weitergehen, gerade auch für die, die es am schlimmsten betrifft, nicht nur durch Corona.

Auch die Frauen am Grab Jesu treibt nicht etwa die Hoffnung auf ein Wunder zurück an die Begräbnisstätte, sondern tiefe Trauer und der Wunsch, das einzige zu tun, was ihnen noch möglich erscheint, nämlich Jesus einen letzten Liebesdienst zu erweisen, indem sie seinen toten Leib nach alter jüdischer Tradition salben. Die Frauen hatten ihre ganze Hoffnung auf Jesus gesetzt, manche hatten alles für ihn aufgegeben, waren Jesus nachgefolgt, um ihn auf seinem Weg zu begleiten. Und jetzt: Jetzt waren all diese Hoffnungen und Lebensentwürfe und Träume begraben, hinter einem sehr großen, schweren Stein, unverrückbar, so unüberwindbar wie der Tod selbst. Die Frauen fragten sich zu Recht, wie man denn diesem Stein Herr werden sollte. Und so war es in doppelter Hinsicht noch dunkel, als sie losgingen, dunkel wegen der noch sehr frühen Tageszeit, dunkel aber eben auch, weil Karfreitag gewesen war. Dunkel war es durch den Verrat des Judas, dunkel war es durch die Verleugnung des Petrus, dunkel war es durch die Feigheit des Pilatus, dunkel war es durch die Selbstherrlichkeit der Hohenpriester, dunkel war es durch die Qualen und den Tod Jesu.

 

Was mich an dieser Geschichte immer wieder zutiefst wundert und berührt, das ist, dass sich die Frauen überhaupt auf den Weg machen. Trotz ihrer Trauer, die sie ja auch lähmen könnte, trotz ihrer Angst, womöglich auch als Jüngerinnen Jesu verhaftet zu werden, trotz ihrer Ratlosigkeit, wie sie denn nur um alles in der Welt diesen Stein überwinden sollen – trotz all dem lassen sie sich nicht davon abhalten, einfach loszugehen, zu dritt, im Dunkeln. Es kann unmöglich nur ein Pflichtgefühl gewesen sein, das sie zum Grab trieb, nur die Liebe kann etwas so völlig Irrationales tun. Nur ihre Liebe zu Jesus, der ihr Leben verändert hat, ließ sie auch an diesem dunklen Morgen noch seine Nähe suchen. Und es ist, als ob Gott ihre Liebe belohnt, denn sie dürfen die ersten Zeugen der Auferstehung werden.

 

Sie sind es, die als erste diese unfassbare Entdeckung machen: Sie müssen den Stein gar nicht bewältigen. Er ist bereits bewältigt worden. Und das, was sie dann sehen, das liegt jenseits aller Hoffnungen und aller Erwartungen. Sie erfahren, dass es doch eine Zukunft gibt und dass der mit Jesus begonnene Weg doch weiterführt – aber auf völlig andere Art und Weise, als sie es sich je hätten denken können. Auf so andere Art und Weise, dass sie bis in ihre Herzen hinein erschrecken. Die Halleluja-Rufe kommen erst viel später.

 

Die Frauen gehen in das Grab hinein und sehen einen Jüngling dort sitzen in einem langen weißen Gewand, ein Engel, ein Bote Gottes, der Himmel und Erde verbindet. „Schön“, denken wir vielleicht, für die Frauen ist es erst einmal noch etwas völlig Unverständliches. Und völlig Unverständliches macht uns Angst. Sie entsetzten sich, heißt es. Und dann hören sie diese schönen Worte, die genau 365 Mal in der Bibel stehen: „Fürchtet euch nicht!“

 

Aber sie fürchten sich – und wie: „Da verließen die Frauen die Grabkammer und flohen. Sie zitterten vor Entsetzen und sagten niemandem ein Wort. Solche Angst hatten sie.“  - Das ist die erste Reaktion auf die Auferstehung, von der die Bibel berichtet, denn das Markus-Evangelium ist das älteste der Evangelien. Die Botschaft vom auferstandenen Herrn irritiert, erschreckt. Es fällt erst einmal schwer, sie anzunehmen.

 

Es gibt auch heute noch genug Lebenssituationen, in denen es schwer fällt, die Osterbotschaft zu hören. Ja, sie kann sogar zur Zumutung werden. Dann, wenn das eigene Leben gerade verschlossen ist mit schweren Steinen; dann, wenn man sich gerade vielleicht Sorgen macht um andere, die leiden müssen. Oder wie wirkt die Osterbotschaft auf jemanden, der einen nahe stehenden Menschen verloren hat oder selbst schwer erkrankt ist? Kann man in solchen Situationen offen sein für Freude?

 

Die Osterbotschaft ist eine Botschaft, die schwer errungen ist. Sie fällt nicht einfach von einem strahlend blauen Himmel. Sie ist von Jesus schwer durchlitten und errungen worden. Zur Helligkeit des Ostermorgens gehört die Finsternis, die sich drei Tage vorher bei der Kreuzigung über das ganze Land gelegt hatte. Osterfreude kennt das Leid. Und genau da gehört die Osterbotschaft hin. Die Frauen am Grab zeigen uns das. Sie kommen mit ihren düsteren Gedanken und schwärzester Trauer zum Grab, aber ihre dunklen Ahnungen, ihre traurigen Erwartungen erfüllen sich nicht. Die Befürchtung, dass sich das Leben dem Tod unterwerfen muss, stellt sich als falsch heraus. Das Leben endet nicht in Verzweiflung. Wo es dunkel ist, muss es nicht dunkel bleiben.

 

Unsere neue Osterkerze erzählt davon: Heute ist sie das erste Mal angezündet worden, nicht wie sonst mit der feiernden Gemeinde in der Osternacht, aber sie ist angezündet worden. Ein Jahr lang wird sie nun in jedem Gottesdienst von der schwer errungenen Osterfreude erzählen.

 

Die Frauen damals wurden zurück nach Galiläa geschickt, dort werden sie Jesus sehen, so heißt es. Galiläa ist ihr Alltag, der Ort, wo sie wohnen. Dort, wo noch alte Strukturen und alte Dunkelheiten da sind, aber genau dorthinein sollen sie die Botschaft von der Auferstehung und die neue österliche Gegenwart Jesu mitnehmen.

 

Das Leben nach Ostern ist nicht schmerzlos oder sorgenlos, aber anders, denn ganz früh am Morgen, als die Sonne aufging, da geschah es:

 

Der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja. Amen.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unser menschliches Verstehen, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

 

Es grüßt Sie herzlich Ihre Pfarrerin Bettina Weber


Karsamstag - Grabesruhe

Pfarrer Jürgen Rix Kirche Mangersreuth
Karsamstag - Grabesruhe - ein mächtiger Fels soll die Auferstehung verhindern

Jesu Grablegung                    Matthäus 27, 57 - 66

 

57 Am Abend aber kam ein reicher Mann aus Arimathäa, der hieß Josef und war auch ein Jünger Jesu.

58 Der ging zu Pilatus und bat um den Leib Jesu. Da befahl Pilatus, man sollte ihm ihn geben.

59 Und Josef nahm den Leib und wickelte ihn in ein reines Leinentuch

60 und legte ihn in sein eigenes neues Grab, das er in einen Felsen hatte hauen lassen, und wälzte einen großen Stein vor die Tür des Grabes und ging davon.

61 Es waren aber dort Maria von Magdala und die andere Maria; die saßen dem Grab gegenüber.

Die Bewachung des Grabes

62 Am nächsten Tag, der auf den Rüsttag folgt, kamen die Hohenpriester mit den Pharisäern zu Pilatus

63 und sprachen: Herr, wir haben daran gedacht, dass dieser Verführer sprach, als er noch lebte: Ich will nach drei Tagen auferstehen.

64 Darum befiehl, dass man das Grab bewache bis zum dritten Tag, damit nicht seine Jünger kommen und ihn stehlen und zum Volk sagen: Er ist auferstanden von den Toten, und der letzte Betrug ärger wird als der erste.

65 Pilatus sprach zu ihnen: Da habt ihr die Wache; geht hin und bewacht es, so gut ihr könnt.

66 Sie gingen hin und sicherten das Grab mit der Wache und versiegelten den Stein.



Karfreitag - der Tag der Kreuzigung des Herrn

 

Auszüge aus dem Matthäus-Evangelium, Kap 27:

 

Und als die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten, verteilten sie seine Kleider und warfen das Los darum. Und sie saßen da und bewachten ihn.
Die aber vorübergingen, lästerten ihn und schüttelten ihre Köpfe und sprachen:
„Der du den Tempel zerbrichst und baust ihn auf in drei Tagen, hilf dir selber, wenn du Gottes Sohn bist, und steig herab vom Kreuz!“
Und von der sechsten Stunde an kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde. Und um die neunte Stunde schrie Jesus laut:
„Eli, Eli, lama asabtani?“ Das heißt: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?"
Und Jesus schrie abermals laut und verschied.

 

Liebe Gemeinde,

 

einige Wochen vor Ostern durchstöbern wir immer die verschiedenen Kataloge und suchen eine neue Osterkerze aus. Das macht viel Freude, denn es gibt ein reichhaltiges Sortiment. Diesmal waren wir uns schnell einig: Die soll es sein! Also wurde sie bestellt.

 

Als der große Karton schließlich angeliefert wurde, war eine Ecke darin eingedrückt. Beim Auspacken dann der Schreck, denn nicht nur der Karton war kaputt, sondern die ganze schöne Kerze war zerbrochen.

 

Mich hat das irgendwie berührt, wie sie da lag, in ihrem Karton, wie in einem Sarg – und sie würde nun nicht ein Jahr lang zu allen Gottesdiensten brennen. Es hat mich traurig gemacht, denn ich habe sie nun innerlich nicht mehr mit dem Ostersonntag verbunden, sondern mit dem Karfreitag.

 

Da liegt sie, die zerbrochene Kerze. Kein Licht, keine Wärme, kein Trost geht von ihr aus, sie kann ihren Zweck nicht mehr erfüllen, sie ist tot. Nur noch zum Wegwerfen gut.

 

Jesus wurde am Kreuz auch zerbrochen, sein Lebenslicht wurde ausgelöscht, er wurde zum Schweigen gebracht. Was übrig blieb, ein lebloser geschundener Körper – nur noch zum Begraben gut.

 

Was übrig blieb, traumatisierte Jünger und Jüngerinnen – nur noch dazu gut, sich hinter verschlossene Türen zurückzuziehen, wo der Schmerz und die Beschämung, auch Jesus allein gelassen zu haben, sie verschlang.

 

Was übrig blieb – die triumphierenden Mächtigen, die es scheinbar einmal wieder geschafft hatten, jemand Unbequemen zu beseitigen.

 

Was übrig blieb – der Spott: Hatte Jesus nach der Tempelreinigung nicht gesagt, dass er den Tempel abbrechen und nach drei Tagen wieder aufbauen könne? Und nun war er tot, dieser Jesus, hatte er wohl zu viel versprochen…

 

Dass er mit dem Tempel Gottes nicht den Jerusalemer Tempel, sondern seinen eigenen Leib gemeint hatte, haben die allermeisten nicht verstanden.

 

Jesus tot, zerbrochen wie die Kerze.

 

Unsere Kerze konnten wir nicht retten. Sie war einfach zu sehr beschädigt, nicht reparabel. Wir haben eine neue bestellen müssen.

 

Der tote Jesus war auch nicht mehr zu retten, zumindest von den Menschen nicht. Durch Gottes Macht aber und vor allem durch seine grenzenlose Liebe, die bis in die tiefsten Gräber und Gräben reicht, musste und muss der Tod zurückweichen. Jesus war der Erste, den Gott wieder herausholte aus allem Zerbrochenen, ihm neues Lebenslicht gab, neue und ewige Hoffnung durch ihn entzündete. Aber das wussten die Jünger an seinem Grab noch nicht.

 

Karfreitag: Ein schwarzer Tag, bis oben hin voll mit Zerbrochenem, mit Sterben, Schuld und Tod. Man kann und darf diesen Tag nicht ausblenden.

 

Unsere Welt erlebt gerade auch einen Karfreitag. Weltweit sterben Menschen an einer neuen Krankheit. Weltweit werden Grenzen dicht gemacht. Weltweit muss das „Rudeltier Mensch“ auf Gemeinschaft erst einmal weitgehend verzichten. Auch wir hinter verschlossenen Türen und vielleicht, hoffentlich, auch beschämt: Haben wir es zu weit getrieben? Was haben wir unserer Welt angetan? Was haben wir mit dem Gedanken der Solidarität, der Mitmenschlichkeit gemacht? Ans Kreuz geschlagen?

 

Ist sie tot, die Mitmenschlichkeit, die Liebe? Und wenn ja, können wir sie wiederbeleben? Wer hilft uns dabei?

 

Nötig ist es, notwendig, Not wendend, dass wir uns wieder viel mehr an den Einzigen erinnern, der uns noch nie zu viel versprochen hat, an ihn, den Gott als Ersten wieder herausholte aus dem Tod, damit wir nicht leben und nicht sterben müssen als wenn wir keine Hoffnung hätten.

 

Wir haben gerade viel Zeit, um darüber nachzudenken. Wir dürfen, wir müssen sie zulassen, diese Karfreitagsgedanken. Es ist bitter nötig.

 

Denn nur wer den Karfreitag durchgeht, wird Ostern erreichen.

 

Amen.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alles menschliche Verstehen, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Ihre Pfarrerin Bettina Weber


Gebet zum Karfreitag

Wir treten vor Gott und bitten ihn um Erbarmen.

 

„Gelitten, gekreuzigt, gestorben und begraben.“

 

So bekennen wir es Sonntag für Sonntag, in jedem Gottesdienst.

 

„Gelitten, gekreuzigt, gestorben und begraben.“

 

Der Eine. Damals. Auf Golgatha.

 

Stellvertretend und Sinnbild für alle, die leiden und sterben.

 

Für alle Opfer von Willkür und Gewalt, Terror und Krieg, Hunger und Krankheit. Überall auf der Erde. Vor unseren Augen.

 

Der Tod macht uns so oft sprachlos.

 

Vertrauen wir darauf, dass Gott unser Schweigen hören und deuten kann und unsere Gedanken liest, für die wir keine Worte finden können.

 

Vertrauen wir darauf, dass Gott da war,

 

bei dem Einen, auf Golgatha.

 

Und dass er da ist,

 

bei allen, die leiden und sterben,

 

in ihrer Angst, in ihrem Schmerz, in ihrem Tod.

 

Und dass er bleibt.

 

Alle Tage, bis ans Ende der Welt.

 

Bleibt und wirkt, auch und gerade in uns,

 

durch alles Zerbrochene hindurch. Amen.

 



copyright Jürgen Rix

Evang-luth. Kirchengemeinde Kulmbach-Mangersreuth

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