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6. Sonntag nach Trinitatis

11. Juli 2021

Matthäus 28, 16-20, 6. Sonntag nach Trinitatis, 11.07.2021

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

 

Der Predigttext heute ist sehr bekannt. Es ist der Taufauftrag, der bei jeder Taufe gelesen wird und den auch unsere Konfirmanden immer lernen. Ich lese ihn nach der Übersetzung der Basisbibel:

 

Die elf Jünger gingen nach Galiläa. Sie stiegen auf den Berg, wohin Jesus sie bestellt hatte. Als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder. Aber einige hatten auch Zweifel. Jesus kam zu ihnen und sagte: „Gott hat mir alle Macht gegeben, im Himmel und auf der Erde. Geht nun hin zu allen Völkern und ladet die Menschen ein, meine Jünger und Jüngerinnen zu werden. Tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu tun, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin immer bei euch, jeden Tag, bis zum Ende der Welt.

 

Liebe Gemeinde,

diese Verse gehören in die Kategorie „Letzte Worte“. Solchen letzten Worten werden immer eine besondere Wichtigkeit zugeschrieben. Es gibt witzige letzte Worte. Über eines, das anscheinend auf einem Grabstein steht, musste ich lachen: „Ich habe gewusst, dass es so kommt!“

Die letzten Worte von Beethoven enthalten auch etwas schrägen Humor: „Schade, schade, zu spät!“ hat er gesagt und sich dabei auf eine Lieferung Wein bezogen, die zu spät eintraf, sodass er sie nicht mehr genießen konnte.

Johann Wolfgang Goethes letzte Worte sollen „Mehr Licht!“ gewesen sein. Ob er damit um mehr Licht im Raum gebeten hat oder ob er schon mehr Licht gesehen hat, weiß man nicht. Martin Luthers letzte Worte waren: „Wir sind Bettler, das ist wahr!“ Vielleicht hat er damit an die geöffneten leeren Hände von Bettlern gedacht und dass sie auf die Gnade anderer Menschen angewiesen sind – so wie wir letztendlich mit leeren Händen vor Gott stehen und auf seine Güte hoffen.

Was sind die letzten Worte Jesu? Dazu sind mir zuallererst die Worte eingefallen, die er am Kreuz sprach und die in den vier Evangelien verschieden überliefert sind. Im Matthäus- und im Markus-Evangelium schreit Jesus laut: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Im Lukas-Evangelium ruft Jesus: „Vater, ich lege mein Leben in deine Hände!“ Das Johannes-Evangelium überliefert die letzten Worte Jesu mit dem Satz „Es ist vollbracht!“ Aber, wenn man es genau nimmt, sind das dann gar nicht die letzten Worte, die Jesus auf der Erde gesprochen hat, denn er blieb ja nicht der gekreuzigte Jesus, er blieb nicht im Tod, sondern er kehrte als der auferstandene Christus ins Leben zurück. Als dieser hat er noch viel mit seinen Jüngern und anderen Menschen geredet. Seine letzten Worte sind dann die, die er den Jüngern an dem Tag sagt, den wir heute „Christi Himmelfahrt“ nennen und die wir, vor allem durch das Matthäus-Evangelium als „Taufauftrag“ kennen. Ich habe ihn ja gerade als PT gelesen. Wir werden merken, dass diese letzten Worte nichts abschließen, sondern sehr viel öffnen, bis heute.

Der erste Satz betont, dass es um ernste Dinge geht, denn Jesus hat seine Jünger auf den Berg bestellt. Wenn uns unser Chef oder unsere Chefin ins Büro bestellt, heißt das eindeutig, dass wir dann da auch da zu sein haben und dass wir dann nicht Kaffee trinken, sondern etwas Wichtiges besprechen. Da gibt es keine Widerrede. So haben es wohl auch die Jünger von Jesus empfunden, denn alle folgen dem Ruf Jesu. Dass sie auf einen Berg kommen sollen, betont noch einmal die Wichtigkeit, denn ein Berg ist in Israel oft der Ort der Gottesbegegnung. Mose hat die Gebote auf dem Berg Sinai erhalten, Elia begegnete Gott auf dem Berg Horeb, Jesus hat die Berg-Predigt gehalten. Dass er seine Jünger nun wieder auf einen Berg zitiert, sagt: „Nehmt das wichtig!“

Die Jünger nehmen es wichtig und werden belohnt, denn der Auferstandene begegnet ihnen tatsächlich. Als sie ihn sehen, fallen sie vor ihm nieder und vielleicht begreifen sie erst hier, dass Jesus wirklich der Herr über Leben und Tod, wahrhaftiger Mensch und wahrhaftiger Gott ist. Manche zweifeln aber auch – und wer will es ihnen übelnehmen? Hat es das je vorher gegeben, dass da einer wirklich von den Toten zurückkehrt? Ich glaube nicht, dass Jesus ihnen ihre Skepsis übelnimmt. Das erkennen wir daran, dass er die Zweifler nicht ausschließt. Er schickt sie nicht weg und den Berg wieder hinunter. Seine Worte richten sich vielmehr an alle. Damit wird sehr deutlich, dass mit dieser letzten Begegnung der Jünger mit Jesus auf der Erde nicht etwas zu Ende geht, sondern etwas Neues beginnt. Es schließt sich nichts, sondern es öffnet sich etwas.

Ich nenne diese Worte, diesen Taufauftrag, der nun folgt, bei den Konfis immer „Gebrauchsanleitung“. Jesus sagt seinen Jüngern, was sie nun machen sollen und dass sie das, was er angefangen hat, weitermachen sollen. Der erste und der letzte Satz umschließen diese Gebrauchsanweisung wie eine Klammer und machen das Handeln der Jünger auch erst möglich. Jesus sagt: „Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden!“ Alle Macht – d.h. auch die Macht über den Tod. Denn Jesus ist auferstanden – als er auferstandene Christus steht er vor seinen Jüngern. Der Tod ist besiegt. Die letzten wichtigen Worte darf nicht der Tod sprechen, sondern werden von Jesus gesprochen. Das ist so tröstlich. Vier Weisungen sind es, mit denen Jesus seine Jünger auf den Weg bringt: Geht – ladet ein - tauft – lehrt!

Bei allen vier Weisungen sind kurze Erklärungen dabei: Geht, sagt Jesus, zu den Menschen. Das ist für uns als Kirche ein sehr wichtiger Satz. Viel zu lange hat Kirche darauf gewartet und darauf vertraut, dass die Menschen schon kommen werden. Aber viele kommen eben nicht oder nicht mehr oder sie gehen sogar weg. Wie wichtig ist es, dass sich Kirche aufmacht, öffnet und Wege zu genau diesen Menschen sucht und versucht, sie dort, wo sie sind, wo sie Fragen, wo sie Nöte, wo sie Zweifel haben, aufzusuchen. Jesus ist ja auch nicht in Galiläa geblieben, sondern mehrmals durch ganz Israel gewandert und hat die Begegnung mit Menschen gesucht. Das ist anstrengend, zuhause zu bleiben, wäre bequemer, ist aber nicht der Sinn der Sache. Und hier muss ich unserer Kirche auch mal ein Lob aussprechen, wie sie in der Corona-Krise gehandelt hat. Sie hätte ja auch sagen können: Kirchen sind zu. Geht halt nix mehr. Stattdessen haben viele Gemeinden mit großer Phantasie und viel Aufwand alle möglichen Wege zu Menschen gesucht – und das wurde auch wahrgenommen.

Die zweite Weisung „ladet ein“. Vollständig heißt der Satz: „Ladet die Menschen ein, meine Jünger und Jüngerinnen zu werden.“ Das kommt denen, die den Taufauftrag aus der Luther-Bibel kennen, wohl erst mal fremd vor. In der Luther-Bibel heißt dieser Satz: „Macht zu Jüngern alle Völker!“ Dieser Satz ist leider keine unbelastete Aussage, denn was im Namen Jesu alles in der Mission geschehen ist, war leider auch oft mit sehr viel Gewalt und Zwang verbunden. Viele Völker wurden unterdrückt oder gar nahezu ausgerottet, weil sie nicht freiwillig zu Jüngern werden wollten. Kinder wurden ihren Eltern entzogen und in fremde Länder gebracht – als Versuchskaninchen, muss man wirklich sagen, weil man an ihnen zeigen wollte, wie ein Mensch wird, wenn er christlich erzogen wird. Da wurde das Christentum in hohem Maße schuldig. Das kann nicht im Sinn Jesu gewesen sein. Schließlich hat auch er nicht die Menschen gezwungen, ihm zu folgen, sondern er hat sie durch das, was er sagte und lebte dazu überzeugt. Dem entspricht das Wort „einladen“ viel mehr. Jesus lädt ein – an seinen Tisch, in sein Haus, in sein Reich, aber gezwungen wird sicher niemand.

Die dritte Weisung: Tauft! Vollständig: Tauft sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Dieser Ausdruck „Im Namen“ steht stellvertretend für den Wirkungsbereich der Person, die den Namen trägt. Wer im Namen von Jesus Christus getauft wird, wird in diesen Wirkungsbereich von Jesus, in seine Macht und vor allem in seine Fürsorge hineingestellt, die nicht nur das Leben, sondern auch das Sterben umschließt. Bei jeder Beerdigung fällt dieser Satz: „Unser Verstorbener ist durch seine Taufe fest mit Jesus Christus verbunden. Nichts und niemand kann ihn aus seiner Hand nehmen!“ So zieht sich die Fürsorge Jesu von der Wiege bis zur Bahre und darüber hinaus durch das gesamte Leben eines Menschen hindurch.

Die vierte Weisung: Lehrt! Vollständig: Lehrt sie, alles zu tun, was ich euch geboten habe. Vielleicht ist uns das manchmal gar nicht so sehr bewusst, wie wichtig es ist zu lehren: Wie ein guter Lehrer, eine gute Lehrerin sollen wir unseren Kindern und Kindeskindern alles erzählen und erklären, so gut wir es eben können, was wir von Jesus wissen. Denn wenn die Kinder es nicht erzählt und erklärt und vor allem vorgelebt bekommen – wie sollen sie sich dann für Jesus begeistern und entscheiden können? Wir haben oft viel zu viel Scheu, von Jesus zu reden, dabei ist es so wichtig, Menschen zu ihm einzuladen.

Der letzte Satz des Taufauftrags ist, wie schon erwähnt, zusammen mit dem ersten Satz, die Klammer, die alles zusammenhält. Im ersten Satz sagt Jesus, dass er alle Macht, dass er das letzte Wort hat. Im letzten Satz sagt er: Habt keine Angst, euch in meinen Dienst zu stellen. Geht zuversichtlich daran, diese vier Weisungen „Geht, ladet ein, tauft, lehrt“ auszuführen, denn ihr macht es ja nicht aus eigener Kraft oder Macht heraus, sondern in meinem Namen und aus meiner Kraft heraus.

Das finde ich sehr befreiend und ermutigend und anders kann ich es mir auch nicht vorstellen. Wir sind nur die, die weitergeben, was wir empfangen haben. Empfangen haben wir viel – deshalb können wir auch viel weitergeben. Amen.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unser menschliches Verstehen, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Es grüßt Sie herzlich und wünscht Ihnen einen gesegneten Sonntag Ihre Pfarrerin Bettina Weber


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