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Silvester

31.12.2022

Silvester 2022               Römerbrief 8, 31b - 39

 

 

31 Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein?

32 Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?

33 Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht.

34 Wer will verdammen?

Christus Jesus ist hier, der gestorben ist,

ja vielmehr, der auch auferweckt ist,

der zur Rechten Gottes ist und uns vertritt.

35 Wer will uns scheiden von der Liebe Christi?

Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert?

36 wie geschrieben steht (Psalm 44,23):

»Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag;

wir sind geachtet wie Schlachtschafe.«

37 Aber in dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat.

38 Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben,

weder Engel noch Mächte noch Gewalten,

weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges,

39 weder Hohes noch Tiefes

noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm HERRN.

 

 

Liebe Gemeinde,

 

In den letzten Stunden des alten Jahres wollen wir zurückschauen auf die vergangenen Monate.

Wir wollen danken für alles, was gelungen ist, aber auch um Vergebung bitten für alles, was durch eigene Schuld missraten und schiefgelaufen ist.

 

Mit welcher Stimmung haben Sie sich aufgemacht zu diesem letzten Gottesdienst im alten Jahr?

* Doch wohl eher ernst als ausgelassen,

* Doch wohl eher nachdenklich als hochgestimmt!

 

In diese ernste Stimmung platzt Paulus hinein mit seinen himmeljauchzenden Briefworten...

* Wer will uns beschuldigen?

* Wer will uns verdammen?

* Wer will uns trennen von der Liebe Christi?

 

Gott ist für uns, wer soll dann gegen uns sein?

Bei Paulus gibt es keinen Zweifel an der Treue und Liebe Gottes zu uns.

„Wir sind die Auserwählten“, sagt er.

Für uns betet Christus selber, für jeden einzelnen, für mich, für dich für uns alle.

Gott handelt für uns, weil Christus für uns gestorben und auferstanden ist und weil Christus vor Gott für uns bittet.

 

Ja, so sollen wir glauben und von Gott reden

Nicht mit einem Vielleicht, sondern mit einem Jawohl.

 

Jawohl, Gott vergibt mir!

Jawohl, Gott ist für uns!

Jawohl, Gott nimmt mich ernst und handelt für mich, jeden Tag!

 

Denn nichts kann mich trennen von diesem Gott, weder Angst, weder Spott, weder die Gleichgültigkeit der anderen, weder Krankheit noch Leid.

 

„So müssen Sie ja reden als Pfarrer“, werden manche von Ihnen einwenden.

„Sie müssen ja versuchen, die Menschen für Gott zu gewinnen.

Doch wie geht es denn den Menschen mit diesem Gott auf dieser Welt?

Fühlen sich Menschen nicht allzu oft von Gott verlassen?

Müssen nicht gerade treue Christen häufig Erfahrungen machen, die sie an der Treue und Liebe Gottes zweifeln lassen?“

 

Ich möchte nicht so tun, als gäbe es das nicht, dass Menschen an Gott zweifeln, vielleicht sogar verzweifeln.

 

Darum möchte ich heute einen Menschen zu uns reden lassen, der oft genug an den tiefsten Abgründen des Lebens stand, der aber dennoch, der Lehrer des Glaubens für uns Evangelische ist und bleibt, obwohl er schon über 300 Jahre tot ist.

Ich rede von Paul Gerhardt, der ein Lied zu diesen Versen aus dem Römerbrief des Paulus gedichtet hat.

„Ist Gott für mich, so trete gleich alles wider mich“ ....

So heißt dieses Lied, mit dem Paul Gerhardt die biblischen Worte des Paulus auslegt.

Paul Gerhardt gehört zu denen, die in ihrem Leben viel mitgemacht haben, die aber die Kunst beherrscht haben, das Belastende im Leben im Gebet und im Lied vor Gott zu bringen.

Als er 11 Jahre alt war, brach der 30 jährige Krieg aus.

Mit 14 Jahren war er Vollwaise geworden.

Er war 41 Jahre alt, als der Krieg endlich beendet war.

Und erst mit 44 Jahren konnte er seine erste Pfarrstelle antreten.

Vorher musste er sich durchschlagen als Hauslehrer, um sich wenigstens einigermaßen über Wasser zu halten.

Doch auch 5 Jahre nach dem Krieg, musste er erleben, dass selbst Christen das Geschenk des Friedens nicht wertschätzen und den Frieden nicht nutzen, um miteinander etwas zur Ehre Gottes aufzubauen.

Paul Gerhardt musste sich seine erste Stelle mit einem Amtsbruder teilen.

Und er hat es mit ansehen müssen, dass dieser Amtsbruder nach Kräften gegen ihn gearbeitet hat, statt gemeinsam mit ihm an einem Strang zu ziehen.

Wie so oft, wo Menschen zusammenarbeiten, haben die beiden sich mehr mit sich selbst und mit ihren Hahnenkämpfen beschäftigt, statt mit ihrem Auftrag, die Kirche des HERRN Jesus Christus zu bauen.

Paul Gerhardt hat sich in diesen Streitigkeiten sehr zurückgehalten.

Denn seinem frommen Wesen widersprach es, sich gegenseitig das Leben schwer zu machen.

Statt loszupoltern, hat er sich lieber zurückgezogen und Lieder gedichtet, in denen er Trost und neue Kraft fand.

Sein Kollege hat ihm das nicht gedankt.

Im Gegenteil.

Je mehr Paul Gerhardt die Hand zur Versöhnung reichte, desto mehr Knüppel warf ihm sein Amtsbruder in den Weg.

Vier Jahre nachdem Paul Gerhardt dieses Lied verfasst hatte, wechselte er zermürbt die Pfarrstelle.

Er hielt es nicht mehr aus, mit den ständigen Reibereien zu leben.

In Kriegszeiten zu leben, das ist hart.

Doch noch schlimmer ist es, mit dem Leid zu zurechtzukommen, das wir Menschen uns selber bereiten durch Streit, Eifersucht, Starrsinn und Streitsucht.

 

Betrachten wir den 6. Vers des Liedes (EG 351:

 

Hören wir die Not eines Menschen, der unter seinen Arbeitsbedingungen leidet.

Hören wir aber auch, wie er im Glauben an Gott Mut und Kraft schöpft, um nicht an der Arbeit in der Kirche zu verzweifeln.

... Kein Urteil mich erschrecket,       kein Unheil mich betrübt

weil mich mit Flügeln decket,     mein Heiland, der mich liebt.

 

     Singen wir nun also den ersten und den sechsten Vers.

 

Paul Gerhardt baut auf einen lebendigen Gott, auf einen Gott, der ihn beschützt, auf einen Gott, den er sich nicht bloß einbildet.

Gott wohnt in uns durch seinen Heiligen Geist.

Gottes Geist regiert in den Herzen glaubender Menschen.

Gottes Geist hilft uns, Sorgen, Kummer und Schmerzen auszuhalten.

Gottes Geist gibt Mut zur Zukunft.

Er lässt uns nicht verzweifeln, sondern öffnet uns die Augen für die Lebensmöglichkeiten, die Gott auch denen eröffnet, denen es im Beruf, in der Schule oder in der Familie schwer gemacht wird.

Gottes Segen verlässt uns nicht.

Und eben deshalb ist es Gottes Geist, der einen bedrängten Menschen wie Paul Gerhardt zu Gott rufen lässt:

„Abba, lieber Vater im Himmel, hilf mir, dass mich die Kraft des Glaubens nicht verlässt.“

 

Singen wir den siebten Vers des Liedes und lassen wir uns anstecken von der Glaubenskraft dieses Mannes, der in seiner Not zu Gott ruft.

 

     Vers 7.

 

Ja, wie wirkt er denn, der christliche Gott in uns, wenn ein aufrechter Mann wie Paul Gerhardt seine Stelle räumen muss, weil ein anderer, der nur den Streit im Kopf hat und nicht nachgibt?

Hätte nicht der Kollege weichen müssen statt Paul Gerhardt?

 

Doch Gott handelt anders.

Gott bekämpft Hass nicht mit Hass....

Sondern Gott redet zu uns mit einer Stimme, die ins Innere geht.

Was Gott zu uns spricht, das können wir mit unseren Worten nicht widergeben.

Mit Worten können wir nicht beschreiben, wie das ist, wenn ein Mensch voller Verzweiflung zu Gott betet und von Gott als Antwort die Kraft des Glaubens zum Weitermachen erhält.

Gott rührt das Innere unseres Herzens an.

Und wir Menschen tun uns immer schon schwer, mit Worten das auszudrücken, was uns im Herzen bewegt.

Doch eben hier handelt und wirkt Gott, ... „am Grunde des Herzens ersieht er seine Lust.“

In den Tiefen des Herzens schafft Gott den Mut, die Kraft und die Aufrichtigkeit, um das gute Werk auch gegen noch so viel Widerstand durchzusetzen.

 

Singen wir den achten Vers und lassen wir uns dabei im Herzen anrühren von dem Gott, der nicht oberflächlich wirkt, sondern in die Tiefe geht.

 

     Vers 8

 

Vor Gott als Christ zu leben, das heißt in den seltensten Fällen, dass einem im Leben alles glatt geht.

Paul Gerhardt ist das eindrücklichste Beispiel dafür, wie schwer und beschwerlich ein aufrecht und ehrlich gelebtes Christenleben sein kann.

Doch von Paul Gerhardt können wir auch die Freude des Glaubens lernen, die Freude, die singt und tanzt, die Freude, die auf Gott blickt und sich von Gott Kraft schenken lässt, wenn widerwärtige Mitmenschen einem alles Böse antun.

Betrachten wir den 13. Vers unseres Liedes:

 

Mein Herze geht mit Sprüngen und kann nicht traurig sein

ist voller Freud und singen       sieht lauter Sonnenschein

Die Sonne, die mir lachet,        ist mein HERR Jesus Christ

Das, was mich singen machet ist, was der Himmel ist.

 

So dürfen und sollen wir glauben.

Wir dürfen glauben an den Gott, der uns stärkt mit der Kraft der Liebe in einer Welt voller Hader, Zorn und Neid.

Darum hat Paulus Recht, wenn er himmeljauchzend von Gott und vom Glauben an Gott redet.

 

Denn der Gott, der für uns ist, der will uns freisprechen und von der Last unserer Schuld befreien.

Der Gott, der für uns ist, der will uns vergeben, weil er sein Bestes für uns geopfert hat.

 

Darum können wir mit der dankbaren Fröhlichkeit an Gottes Altar treten, dass nichts uns scheiden kann von dem Gott, der treu zu uns steht.

Im Vertrauen auf diesen Gott legen wir das zu Ende gehende Jahr in seine Hand.

Im Vertrauen auf diesen Gott können wir fröhlich und zuversichtlich in das neue Jahr springen und tanzen.

Denn, was uns bleibt, das ist der wärmende und Kraft schenkende Sonnenschein des Glaubens.

 

 

Singen wir den 13. Vers, um uns zu wärmen an den warmherzigen Glaubensworten Paul Gerhardts.

 

Amen

 

Ein hoffentlioch bald wieder europaweit friedvolles Jahr 2023 wünscht Ihnen,

Pfarrer Jürgen Rix


1.Weihnachtsfeiertag

25.12.2022

1. Weihnachtsfeiertag    25.12.2022


Kolosserbrief Kapitel 2,3; 6 – 10

3 In Christus liegen verborgen liegen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis.
6 Wie ihr nun den Herrn Christus Jesus angenommen habt, so lebt auch in ihm
7 und seid in ihm verwurzelt und gegründet und fest im Glauben, wie ihr gelehrt worden seid, und seid reichlich dankbar.
8 Seht zu, dass euch niemand einfange durch Philosophie und leeren Trug,
gegründet auf die Lehre von Menschen und auf die Mächte der Welt und nicht auf Christus.
9 Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig
10 und an dieser Fülle habt ihr teil in ihm, der der Kopf allen Anfangs und aller Freiheit ist.



Liebe Gemeinde,

in Christus liegen verborgen alle Schätze der Weisheit…
Welcher Christus ist da gemeint?
Christus, der Weltenherrscher auf seinem Thron im Himmel, vielleicht sogar grimmig dreinschauend mit einem Schwert in der Hand?
Oder eher das Christkind?
Das Kind des Josef, der nicht so recht weiß, wie er zu seinem Kind gekommen ist.…
Christus, das Kind der Maria, der wohl kaum einer glaubt, dass ihr Kind durch Gottes Wort in ihren Leib kam und durch sonst nichts.…
Welcher Christus ist gemeint unter den vielen Bildern, die wir in unserem Gedächtnis zum Stickwort „Christus“ abgespeichert haben?
Am Weihnachtsfeiertag behaupte ich ganz kess:
Im Christus in der Krippe liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis.
Ehrlich?
Was sehen wir da, wenn wir in die Krippe schauen?
Auf den ersten Blick:
- Ein Arme-Leute-Kind
- Eines von den vielen Kindern dieser Welt, deren Eltern von den Umständen ihres Lebens dazu gezwungen werden, sich auf den Weg zu machen und ihr Kind irgendwo fernab der Heimat zur Welt zu bringen
- Wir sehen ein Kind, das nichts Großartiges, nichts Herrschaftliches ausstrahlt, weil es eben in einem Viehstall in einer Futterkrippe liegt.
Doch gerade deshalb liegt in diesem Kind ein Schatz verborgen – der Schatz der Weisheit und der Erkenntnis.
Weisheit und Erkenntnis…
Da denken wir an Philosophie, an sprachlich komplizierte Gedankengebäude, an dicke Bücher in oft sehr unverständlicher Sprache.

Doch im Christuskind begegnet uns eine andere Weisheit und eine andere Erkenntnis.
In diesem Kind schaut Gott durch die Augen eines kleinen und unscheinbaren Kindes in die Welt.
Im Christuskind atmet Gott aus der Lunge eines Kindes, das nach der Hektik eines Gewaltmarsches in einer Notunterkunft seinen Geburtsschrei in die Welt hinausgeschleudert hat.
Und welche Erkenntnis lernen wir aus der Geburt in der Krippe?
Doch wohl die:
Gott steht zu denen und offenbart sich in denen, die von der Berichterstattung der Tagesschau links liegen gelassen werden.
Die Reporter der damaligen Zeit haben wohl über die Volkszählung in Athen, in Alexandria oder in Jerusalem berichtet.
Aber kaum einer wäre auf die Idee gekommen, in das Kaff Bethlehem zu reisen.
Doch gerade hier – im elenden Stall des elenden Kaffs Bethlehem liegt der Schatz der Erkenntnis:
Denn das Kind in der Krippe ist konsequent den Weg weitergegangen, der in der Krippe begonnen hat.
Jesus wurde nicht zum Hofgelehrten der Bildungsbürger in Jerusalem.
Jesus kümmerte sich zeitlebens um die, die als Gestrandete am Rand der Gesellschaft lebten.
Die Aussätzigen, die isoliert in lebenslanger Quarantäne leben mussten, hat er besucht, angesprochen, berührt und geheilt – ohne jede Scheu, ohne auf die sonst geltenden Reinheitsvorschriften zu achten.
Aussatz ist nicht ansteckend.
Aber es ist eklig, die Gliedmaßen eines Aussätzigen anzusehen.
Jesus hat diesen Anblick nicht gescheut.
Er ging zu den Aussätzigen, ließ sich ihr Leid schildern, hörte ihnen zu und legte ihnen schließlich die heilenden Hände auf.
Die Gesunden, die Gelehrten, die Frommen der damaligen Zeit deuteten das als Provokation – als Verstoß gegen die Reinheitsvorschriften.
Aber die geheilten Aussätzigen erlebten das als Wunder, als Wiedergeburt – als Himmel auf Erden.
Der Jesus, der zu den Aussätzigen geht – er schenkt ihnen ein nie gekanntes Gefühl der Wertschätzung:
Aussatz, das galt als Strafe Gottes für welche Sünden auch immer.
Und plötzlich kommt da einer…
Erhebt nicht den Finger zu mahnenden Worten, sondern senkt den Kopf, hört zu, fühlt sich hinein in das Leid der Aussätzigen und legt ihnen schließlich die heilenden Hände auf.
Phantastisch!
Wunderbar!
So handelt der, den die Bibel, den Kopf des Neuanfangs und der Freiheit nennt.
Ja, die Geburt in der Krippe hat den Christus fest verwurzelt unter denen, die von den Launen der Geschichte so oft entwurzelt und hin- und hergetrieben wurden – so wie die Blätter im Wind.
Solche entwurzelten Menschen sind Jesus gefolgt, weil sie ihn ihm den Kopf gesehen haben, der einen neuen Anfang ermöglicht und eine ungeahnte Freiheit eröffnet.
Solche Leute sind Jesus gefolgt, oft 5000 auf einmal.
Stundenlang haben sie ihm zugehört – vergaßen dabei Raum und Zeit – und als sie am Abend hungrig wurden, da haben sie gestaunt:
Denn Jesus blickte fröhlich und dankbar auf fünf Brote, dankte für die gemeinsam erlebte Zeit, teilte die Brote und alle wurden satt.
Darin besteht der neue Glaube, den Jesu in die Welt brachte:
Nicht mit hochgestochener Philosophie, nicht mit strenger moralischer Belehrung sollen Menschen auf den Weg der Liebe geführt werden.
Der neue Glaube zeigt sich daran, dass da einer die Nähe zu seinen Mitmenschen sucht, ihnen zuhört, sich in sie hineinfühlt und zu ihnen in einer Sprache spricht, die sie hoffen und atmen lässt.
Und dann spricht dieser Jesus ein fröhliches Dankgebet, teilt aus und alle werden satt.
An dieser Fülle dürfen auch wir teilhaben – auch heute noch.
Ja, auch wir verlieren Gemeindeglieder, weil gerade gutverdienende jüngere Menschen austreten und sich die Kirchensteuer sparen wollen.
Aber werden wir deswegen ärmer?
Was für ein Wunder!
Das Spendenaufkommen unserer Gemeinde steigt, weil eben doch wohl die Verbleibenden spüren:
>>In meiner Gemeinde fühle ich mich wohl.
Ich fühle mich verbunden mit dieser Kirche und mit all dem, was in dieser Gemeinde geschieht von der Taufe bis zur Beerdigung.
Denn in dieser Gemeinde wird die Quelle gepflegt, aus der Menschen immer wieder neue Ideen schöpfen:
Glaube, Hoffnung und Liebe, aus dieser Quelle sprudeln die Ideen, mit denen Menschen es schaffen, fast jedes Problem ihres Lebens zu lösen.<<
Ja – etliche verlassen uns – viele andere aber bleiben und helfen verstärkt dazu.
Dafür danken wir – voller Freude und mit leuchtenden Augen.
Denn diese Freude verdanken wir dem Kind in der Krippe.
Denn das Kind in der Krippe ist der Kopf allen Neuanfangs und der Kopf aller Freiheit.
Der wahre Christus eben!


Amen

Frohe Weihnachten, Ihr Pfarrer Jürgen Rix


Heiliger Abend

24. Dezember 2022

Heiliger Abend 2022    Lukas 2, 1-14

Das Weihnachtsevangelium     Lukas 2,1-14        Jesu Geburt

1 Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde.
2 Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war.
3 Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt.
4 Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war,
5 damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger.
6 Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte.
7 Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.
8 Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde.
9 Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr.
10 Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird;
11 denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.
12 Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.
13 Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen:
14 Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.


Liebe Gemeinde,

Wer herrscht eigentlich in dieser Welt?
Wer hat das Sagen und wer bestimmt, was gemacht wird?

Diese Frage stellt sich auch an Weihnachten, gerade dann, wenn wir die Weihnachtsgeschichte gehört haben.
Wenn wir in der Rolle eines Reporters schlüpfen, der aus der Weihnachtsgeschichte eine Nachricht machen soll, dann müssten wir wohl antworten....

.... der Kaiser regiert
Augustus bestimmt, was gemacht wird.
Sein Beschluss zur Volkszählung bringt die gesamte Bevölkerung des Römischen Reiches in Bewegung.
Denn jeder muss sich eintragen lassen an seinem Heimatort, selbst dann, wenn dieser Heimatort am anderen Ende des Reiches liegt.

Augustus beschließt und die Untertanen haben zu folgen.
Auch im Gottesvolk wagt niemand den Ungehorsam.
Und selbst die Heilige Familie, die in Kürze den Gottessohn zur Welt bringen wird, muss sich auf den Weg machen.
Dem Befehl des Kaisers kommt keiner aus.
Der Befehl des Kaisers duldet keinen Widerspruch.
Der Befehl des Kaisers kennt auch keine Ausnahmen, nicht einmal für eine hochschwangere Frau.
Die Mühlen der Römischen Bürokratie mahlen trefflich fein.
Diese Mühlen erfassen jeden.
Und wer sich drücken möchte, dem ist eine drastische Strafe sicher.

Der Heiligen Familie bleibt also nichts anderes übrig, als zu folgen und den Weg von 110 Kilometern bis nach Bethlehem zu Fuß oder auf einem schwankenden Eselsrücken zurückzulegen.

Die Strapazen der Reise nehmen die Gottesmutter derart mit, dass gleich nach der Ankunft die Wehen einsetzen.
Maria bekommt ihr Kind unter unzumutbaren Umständen,  in einem Stall.

Wer handelt in diesem Winter des Jahres Null?
Wer bestimmt die Geschicke der Welt?
Anscheinend niemand anders als der Kaiser Augustus.
Wo kommt Gott vor im ersten Teil der Weihnachtsgeschichte?
    Er scheint nicht beteiligt zu sein.
Wo bleibt die Hilfe Gottes für die Heilige Familie, wo bleibt sein Beistand für seine „begnadete Magd Maria“?

Die Begnadeten müssen sich den Herren der Welt fügen.
Sie müssen sich einreihen in den Strom der Wandernden.
Sie gehen unter in diesem Strom.
Und sie würden einem Reporter gar nicht erst auffallen.
So wie Maria und Josef ging es in jenen Tagen Tausenden.
Die Heilige Familie ist überzählig.
Niemand beachtet sie.
In Bethlehem weiß niemand, wohin mit ihnen.
Ihnen wird die Tür gewiesen.
Und schließlich landet die Heilige Familie in einem Stall.

Ställe waren damals ungepflegte Räume, voller Dreck, voller Gestank, voller Bazillen und Krankheitserreger, gar nicht zu vergleichen mit unseren hochmodernen Viehställen.
Wer in einem solchen Herd von Bazillen ein Kind zur Welt bringe muss, der muss fest damit rechnen, dass sowohl die Mutter als auch das Kind kaum eine Überlebenschance haben.

Die Geburt des Jesuskindes hätte damals kein Reporter berichtet, so wie auch heute kaum jemand davon spricht, wenn wieder eines der überzähligen Arme-Leute-Kinder in Afrika oder Südamerika zur Welt kommt.

Die Geburt Jesu wäre heute keine Nachricht für die Tagesschau oder für die Hofberichterstatter.
Denn aus Bethlehem wäre keine Königsgeburt zu melden, sondern nichts anderes als eine Elendsgeburt.

Die große Welt geht an dem Ereignis in der Krippe vorbei.
Sie nimmt daran keinen Anteil, denn ihr ist dieses Kind egal.

Gott macht die Geburt seines Sohnes nicht im Kreis der Einflussreichen bekannt.
Er verkündet das große Ereignis, nach dem sich bis heute unsere Zeitrechnung richtet, den Hirten - den unbedeutendsten Menschen im Volk Israel.

Hirten galten als raue Gesellen, alles andere als fromm.
Sie wurden schlecht bezahlt.
Entsprechend mäßig war ihre Arbeitsmoral.
Ehrlichkeit war nicht gerade ihr Markenzeichen, denn sie drehten viele „krumme Dinger“, um ihr Einkommen aufzubessern.
Da wurden Schafe „schwarz“ geschlachtet und verkauft.
Und wo das ziehende Volk der Hirten vorbeikam, da hat man die Türen fest zugesperrt, weil sie nicht selten etwas „mitgehen ließen“.
Hirten waren die einzigen Juden, die vor einem jüdischen Gericht nicht als Zeugen zugelassen waren, denn ihren Aussagen wollte niemand so recht trauen.

An eben diese Menschen mit ihrem schlechten Leumund tritt Gott heran.
Ihnen schickt er seinen Engel.
Sie bestrahlt er mit seinem himmlischen Licht.
Ihnen verkündet er die Weihnachtsbotschaft.
Und ihnen lässt er die Menge der himmlischen Heerscharen erscheinen
Die Hirten sollen zuerst sehen, was da im Stall zu Bethlehem geschehen  ist.
Sie sollen die ersten Zeugen des Wunders sein und die Botschaft von der Geburt des Gottessohnes ausbreiten, obwohl dem Zeugnis der Hirten kaum jemand glauben wird.
Die Mission Gottes, die mit Jesus beginnt, fängt also ganz unten an:
* mit der Verkündigung an die Hirten
* mit dem Zeugnis der Hirten
* und mit den ermutigenden Worten: „Fürchtet euch nicht“!
„Fürchtet Euch nicht!
Ich verkündige euch große Freude, die dem ganzen Volk gilt“.

Diese Mut machende Botschaft gilt also auch uns, uns die wir keine Hirten sind und in geheizten Häusern wohnen – trotz der Energiekrise.
Weil Gott uns anspricht heute Abend in Mangersreuth, darum brauchen wir uns nicht zu fürchten.
Gott schenkt uns Freude am Weihnachtsfest, gerade dann, wenn wir ganz unten stehen.

Den Kranken schenkt Gott Freude.
Denn die verzweifelten Eltern im Stall zu Bethlehem erinnern uns daran, dass Gott gerade denen zur Seite steht, die um ihr Überleben bangen müssen.
Gott trägt die Kranken mit der Kraft des Glaubens, damit sie ihre Schmerzen aushalten können.

Den Trauernden schenkt Gott Freude.
Denn die Botschaft der Engel vom Frieden gilt besonders denen, die keine Zukunft mehr für sich sehen, weil ein lieber Mensch von ihnen gerissen wurde.
Die Friedensengel Gottes behüten den Schlaf unserer Toten, bis der Gottessohn kommt, um sie aufzuerwecken.
Den seelisch Belasteten schenkt Gott Freude.
Denn er bietet sich an als fester Grund unter den Füßen derer, die den Halt verloren haben.
Beim Christuskind in der Krippe kann Trost und Zuversicht finden, wer verzweifelt ist.
Am Vertrauen von Maria und Josef kann Halt finden, wer meint, dass es in seinem Leben nicht mehr weitergehen kann.

Denen, die sich fürchten vor der Willkür der Kriegsherren, schenkt Gott Mut ebenso wie denen, die im globalen Wettbewerb als Unternehmer in Bedrängnis geraten sind.
Die Heilige Familie in der Krippe macht uns Mut zur Gegenwart,
…Mut zur Zukunft,
…Mut zum Durchhalten,
…und Mut zur Bescheidenheit.

Der Gott, der in der Krippe zur Welt kommt, offenbart sich eben nicht als ein Götze des Wohlstands.
Wohl aber zeigt sich Gott als ein Beschützer derer, die ihr Leben so annehmen, wie es kommt.
Der Gott, der das Christuskind und seine Eltern der Belastungsprobe einer Geburt im Stall aussetzt, dieser Gott trägt auch uns durch die Belastungsproben des Lebens mit der Kraft des Glaubens.

Einen Mut machenden Gott feiern wir heute, einen Gott, der uns bestärkt, die Aufgaben anzunehmen, die vor uns liegen.
Den Gott feiern wir, der uns heute aus allen Teilen der Welt zusammenführt, damit wir uns in unseren Familien wiedersehen.
Feiern wir ihn, diesen Gott!
Denn im Christuskind schenkt er uns eine große Freude, die Freude, die „Ja“ sagt zum Leben, auch in schwierigen Zeiten.
Feiern wir den Frieden dieser Nacht, weil Gott gerade heute „Ja“ sagt zu uns und unserem Leben.
Gott will seinen Frieden in unsere Familien bringen.
Leben und feiern wir im Frieden Gottes, damit unsere Christbäume zu leuchtenden Symbolen einer Hoffnung werden, …
… einer Hoffnung, die vertrauen kann, gerade dann, wenn es am dunkelsten ist.

Amen

Ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest wünscht Ihnen
Pfarrer Jürgen Rix

 


4. Advent

18. Dezember 2022

Liebe Gemeinde,

Phil 4,4-7
4 Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch!
5 Eure Güte lasst kund sein allen Menschen! Der Herr ist nahe!
6 Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden!
7 Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.


Freuet euch in dem HERRN allewege, denn der HERR ist nahe.

Vier Kerzen brennen am letzten Adventssonntag.
Ganz bewusst habe ich den Adventskranz heute in die Mitte rücken lassen.
Denn das Licht der Kerzen symbolisiert von Alters her die Gegenwart Gottes.
Vier Kerzen in einem großen Kirchenraum…
Vier Kerzen mit ihrem schwachen Licht gegen so viel Dunkelheit, jetzt an den kürzesten Tagen.
Vier schwankende Flämmlein…
Was ist das schon gegen so viel Finsternis?

Und doch…
Gerade das schwache Licht der Kerze lässt in uns ein Gefühl von Hoffnung aufleuchten, ein Gefühl, das uns zuversichtlich stimmt, …
ein Gefühl, das Vertrauen in uns weckt, das Vertrauen darauf, dass Gott nahe ist.

Freuet euch in dem HERRN allewege, denn der HERR ist nahe.
Paulus schreibt diese Worte nicht nach angenehmen Erlebnissen, nicht nach einem erfolgreichen Missionsabend.
Paulus schreibt seinen Brief an die Philipper aus der Dunkelheit eines römischen Gefängnisses.
Wieder einmal wurde er angeschwärzt.
Wieder einmal hat man ihm seine Missionsarbeit für den Glauben an Jesus Christus zum Vorwurf gemacht.
Paulus war nicht der erste, der seinen Glauben an Jesus Christus mit dem Leben bezahlen musste.
Er kann nicht vorhersagen, ob er die Dunkelheit des Gefängnisses je wieder lebendig verlassen wird.
Und dennoch ruft er die Menschen in Philippi zur Freude auf.
Wie kann ein Mensch so handeln?
Wie kann ein Mensch andere zur Freude aufrufen, wenn er selber im Gefängnis sitzt und den Tod vor Augen hat?
Es gibt nur eine Antwort darauf:
Paulus spürt, dass er nicht allein auf sich gestellt ist.
Paulus spürt die Nähe des HERRN.
Paulus vertraut darauf, dass Christus an seiner Seite steht, …
… mehr noch, dass Christus mit seinen guten Geist in ihm wohnt und durch ihn wirkt.
* Freude in der Dunkelheit…
* Freude in der Bedrängnis…
* Freude in der Angst um das eigene Leben…

Man könnte meinen, Paulus macht sich da etwas vor.
Er bildet sich etwas ein.
Er vertröstet sich selbst.

Doch da kommen uns die vielen Glaubenszeugen in den Sinn, die ohne Furcht vor dem Tod bereit waren, ihre Überzeugung zu bekennen.
Denken wir nur an Jochen Klepper, dem wir das schöne Adventslied verdanken:
„Die Nacht ist vorgedrungen“.
Er sollte ins KZ gebracht werden, weil er als Jude eingestuft wurde, obwohl er zum christlichen Glauben übergetreten ist.
Mutig hat er sich gegen die Machthaber und ihren Rassenwahn mit seinem Glauben gestellt.
Denken wir nur an Dietrich Bonhoeffer, dem wir das wunderbare Gedicht: „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ verdanken.
Viele Menschen vermochte Bonhoeffer zu trösten in den Gefängnissen der Gestapo.
Vielen Menschen, die für ihn beteten, hat er mit seinen Briefen Mut zum Glauben geschenkt.
Menschen, die im Glauben spüren, dass der HERR ihnen nahe ist, die sorgen sich nicht um ihr Leben.
Menschen, die im Glauben spüren, dass der HERR ihnen nahe ist, die lassen sich auch von noch so viel Dunkelheit nicht den Blick auf die vier Kerzen des Adventskranzes versperren.
Menschen, die im Glauben spüren, dass der HERR ihnen nahe ist, die legen ihr Leben in Gottes Hand, weil sie jeden Tag dazu bereit sind, ihr Leben lieber zu verlieren, als sich von der Quelle des Lebens und des Glaubens trennen zu lassen, nur um einige Tage mehr auf dieser Erde zu bleiben.
Menschen des Glaubens schöpfen aus einer Freude, deren Quelle den Augen verschlossen bleibt.
Menschen des Glaubens schöpfen ihre Freude aus der Erfahrung der Gegenwart Christi in ihrem Herzen.
Menschen des Glaubens können die Gegenwart ihres HERRN im Herzen nicht beweisen und nicht nachweisen.
Doch schon der kleine Prinz weiß den Kindern und den ausgewachsenen Kindern Gottes davon zu erzählen, dass man nur mit dem Herzen gut sieht, denn das, was den Glauben trägt und woraus der Glaube sich speist, das bleibt den Augen verborgen.

Dietrich Bonhoeffer gehörte zu den Menschen, die sich auch mit den Terrormethoden der Gestapo Verhöre nicht vom Frieden Gottes haben trennen lassen.

Ja, der Friede Gottes ist höher als alle menschliche Vernunft.
* Der Friede Gottes übersteigt alles Berechnen, alles Vorhersehen und alles Denken in den Zusammenhängen von Ursache und Wirkung.
* Der Friede Gottes lässt glaubenden Menschen ein Licht sehen, selbst dann, wenn nicht einmal eine schwache Kerze brennt.
* Der Friede Gottes bewahrt das Herz vor der Angst durch das Sterben in ein Loch des Nichts zu fallen.
Denn der Friede Gottes lässt uns den Christus sehen, hören und spüren, …
den Christus, der immer dann in unsere Mitte tritt, wo zwei oder drei in seinem Namen beisammen sind.
In diesem Frieden Gottes dürfen wir leben, glauben, hoffen und warten, jetzt am Ende des Advents und in alle Ewigkeit.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere menschliche Vernunft bewahre unsere Herzen in Christus Jesus.
Denn Christus Jesus ist uns nahe.       

Amen

Es grüßt Sie, Ihr Pfarrer,

Jürgen Rix


2. Advent

Nikolaus

4. Dezember 2022

2. Advent 4.12.2022        Nikolaus    Mt 6, 1 – 4

Matthäus 6    Vom Almosengeben

Jesus lehrte seine Jünger und sprach:

1 Habt acht, dass ihr eure Gerechtigkeit
nicht übt vor den Leuten,
um von ihnen gesehen zu werden;
ihr habt sonst keinen Lohn bei eurem Vater im Himmel.
2 Wenn du nun Almosen gibst,
sollst du es nicht vor dir ausposaunen,
wie es die Heuchler tun in den Synagogen
und auf den Gassen,
damit sie von den Leuten gepriesen werden.
Wahrlich, ich sage euch:
Sie haben ihren Lohn schon gehabt.
3 Wenn du aber Almosen gibst,
so lass deine linke Hand nicht wissen,
was die rechte tut,
4 damit dein Almosen verborgen bleibe;
und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten.

 


Liebe Gemeinde,

vor vielen hundert Jahren ist’s gewesen,
da hab auch ich dies Evangelium schon gelesen.

Viel Armut, Not und Elend gab’s zu jener Zeit,
In Bedrängnis lebten viele Menschen, das sorgte für viel Bitterkeit.

Wer nicht mehr arbeiten konnte, egal ob Frau ob Mann,
für den fing damit eine harte Probe an.

So auch in Myra, der Stadt, in der ich Bischof war.

Amalphos hieß der arme Tropf,
den packte das Unglück hart am Schopf.

Er schleppte Lasten auf wackelige Baugerüste und durch enge Gassen.
Eine Sprosse auf der Leiter brach und ließ ihn auf die Erde prassen.

Da Hirn war erschüttert und auch ein Wirbel war gestaucht.
Weshalb Amalphos nun viel Pflege und viel Ruhe braucht.

Doch die Familie lebt von der Hand im Mund,
wo sollt‘ das Geld herkommen, dass es weiter läuft rund?

An einen Arzt oder an Medizin war nicht zu denken,
die müsste ihm schon einer schenken.

Doch nichts umsonst gibt’s in der rauen Welt,
Du musst verderben ohne das nötige Geld.

Nach drei Tagen war verspeist, der letzte Bissen Brot,
da zog ins Haus ein eine schwere Not.

Drei Töchter hatte Amalphos, alle jung und schön anzusehen,
Wie sollte es mit ihnen und der Frau nun weitergehen?

Hätte jede einen Mann und lebte in einer guten Ehe,
wäre viel kleiner das Ach und das Wehe.

Die Nachbarn halfen aus so gut es ging,
Doch auch sie waren arm, drum war die Unterstützung gering.
Freilich der Wirt, drei Straßen weiter in seinem zwielichtigen Lokal,
der suchte hübsche junge Mädchen jeder Wahl.

Er klopfte an Amalphos Türe,
und tat so, als ob ihm sein Leid anrühre.

„Schick doch deine Töchter zur Arbeit in mein Haus
Ich sorg für sie und du kommst aus deiner Armut raus.“

Vergiftet war dies Angebot,
denn der Wirt brächte seine Töchter in noch größere Not.

Als Zuhälter war bekannt der Wirt von nebenan,
als Huren müssten seine Töchter wandern von Mann zu Mann.

Sollte Amalphos seine Not vermindern
Auf Kosten von seinen geliebten Kindern?

Er klagte Gott die Not in seinem Herzen,
Ein Nachbar brachte vor mich des Amalphos Seelenschmerzen.

Auch mir hat Gott manch Unglück nicht erspart
Denn meine Eltern starben früh, das war hart.

Mein Onkel gab mir Trost, bei ihm lebte ich im Haus.
Er war ein frommer Mann und hieß auch Nikolaus.

Er lehrte mir den Glauben und das Gottvertrauen,
Dazu mit Liebe auf den Mitmenschen schauen

Meine Eltern hinterließen mir Geld, Haus und Land.
Onkel Nikolaus verwaltet alles bestens und mit treuer Hand.

Weil ich die Menschen liebte und fröhlich verkündigte das Evangelium,
wählte mich die Gemeinde in Myra zum Bischof kurzum.

Die Menschen kamen gern zu mir, ihre Sorgen und ihr Leid vertrauten sie mir an,
Oft konnte trösten, helfen und Zuversicht wecken in mancher Frau und manchem Mann.

Auch Amalphos‘ Nachbar erzählte mir vom Weh und Ach,
das so viele Sorgen brachte unter Amalphos Dach.
Wie kann ich die jungen Mädchen, hübsch und rein,
aus den Klauen des finst‘ren Wirts befrei‘n?

Einen Klumpen Gold nahm ich aus dem Schatzkästlein,
und schlich im Dunkel der Nacht in Amalphos Haus hinein.

Unter das Kreuz im Haus legte ich den goldenen Batzen
Und schlich mich davon auf leisen Tatzen.

Denn ich wollt keine Dankbarkeit begehrn,
Loben sollte Amalphos Gott den HERRN.

„Ein Wunder ist geschehen“, rief mir zu der Nachbarsmann,
mit dem Gold kann Amalphos Tochter heiraten einen treuen Mann.

Doch nicht gebannt ist Amalphos Not
Weil den kleineren Schwestern, nun das harte Schicksal droht.“

So schlich ich um Amalphos‘ Haus die Nacht danach,
Und warf einen Goldklumpen in sein armes Schlafgemach.

Auch die zweite Tochter freute sich auf den Tag der Hochzeit
Amalphos wollte wissen, wer ihn aus der Not befreit.

Zwei Töchter waren froh und guter Dinge,
doch die Jüngste klagte: „warum muss ich sein die Geringe?

Droht mir nun ein Leben unter der Knechtschaft von einem Lebemann,
nur weil ich nicht wie die anderen ordentlich heiraten kann?“

Bis zu mir drang der jüngeren Tochter Schluchzen und Flennen
Ich wollt ihr helfen und Amalphos wollt‘ den Helfer kennen.

Wieder schlich ich ums Haus, um auch der Jüngsten Gold zu bringen,
da packt mich eine Hand, lässt mich nicht los und tat mit mir ringen.

„Wer bist Du, der da wendet alle Not und unsre Tränen in Lachen und Freud,
den Retter will ich sehen und ihm danken heut?

Der große Bischof von Myra, Nikolaus, bringt das Glück zurück ins Haus
Ich kann’s nicht fassen, so ein Segen, das posaun ich in alle Welt hinaus.“

„Behalt’s für dich und bleibe still,
weil ich nicht den Applaus der Menschen will.

Lobe lieber Gott und lass mich außen vor,
wenn ihr bei den Hochzeiten fröhlich singt im Chor.

Nicht mich sollen bewundern die Menschen in Myra, unsrem Ort
Sondern Gott, der zum Guten ermutigt mit seinem Wort.

Ihm sollst du die Ehre geben und ihm dankbar sein,
ich freu mich über euer Glück und mach mich lieber klein.“

Je mehr ich sprach, flehte und Amalphos ermahnte
Desto mehr musste er sein Glück erzählen, was ich schon erahnte.

Im Verborgenen wollte ich Gutes tun, so wie’s uns Jesus lehrt,
doch manchmal läuft es umgekehrt.

So kennt nun jedes Kind mich schon seit langer Zeit,
und wenn ich ehrlich bin: ich geb‘s zu, das freut mich g‘scheit.

Wer redet von Augustus, Cäsar, Karl dem Großen und all den Helden der Macht?
Sie haben doch nur Leid und Krieg gebracht.

Drei Mädchen konnte ich mit drei Klumpen Gold bewahren vor Unglück und Leid,
wenig kann viel bewirken, damals wie in jeder Zeit.

Drum, liebe Gemeinde, denkt daran:
Ins Dunkel jeder ein Licht bringen kann.

Das Licht des Glaubens entzündet Gott in Euch mit seinem Geist,
lasst es in Euch leuchten, damit es durch Euch um die ganze Erde reist.

Am Adventskranz brennen nun zwei Kerzen,
mögen sie öffnen Eure Herzen.

Die Predigt ist nun aus,
es grüßt Euch schön, der Nikolaus.

Amen

 

(Copyright by Jürgen Rix)

 

 


Letzter Sonntag des Kirchenjahres

Ewigkeitssonntag

20. November 2022

Das Predigtwort Markus 13,28-37

 

Jesus sprach zu seinen Jüngern:

28 An dem Feigenbaum lernt ein Gleichnis:

Wenn jetzt seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, so wisst ihr, dass der Sommer nahe ist.

29 Ebenso auch:

wenn ihr seht, dass dies geschieht, so wisst, dass er nahe vor der Tür ist.

30 Wahrlich, ich sage euch:

Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis dies alles geschieht.

31 Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber werden nicht vergehen.

32 Von dem Tage aber und der Stunde weiß niemand, auch die Engel im Himmel nicht, auch der Sohn nicht, sondern allein der Vater.

33 Seht euch vor, wachet!

Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist.

34 Wie bei einem Menschen, der über Land zog und verließ sein Haus und gab seinen Knechten Vollmacht, einem jeden seine Arbeit, und gebot dem Türhüter, er solle wachen:

35 so wacht nun;

denn ihr wisst nicht, wann der Herr des Hauses kommt,

ob am Abend oder zu Mitternacht

oder um den Hahnenschrei oder am Morgen,

36 damit er euch nicht schlafend finde, wenn er plötzlich kommt.

37 Was ich aber euch sage, das sage ich allen:

Wachet!

 

 

Liebe Gemeinde,

 

am Ewigkeitssonntag erinnern wir uns daran, dass wir sterben müssen, so wie die 40 Gemeindeglieder aus allen Altersgruppen, deren Namen wir heute verlesen.

Das biblische Wort für diesen Tag macht uns aber auch bewusst, dass die Erde, auf der wir stehen nicht von ewiger Dauer sein wird.

„Himmel und Erde werden vergehen …“, weil alles, was Gott geschaffen hat, einen Anfang und ein Ende hat.

Wie lässt es sich leben mit dieser Vorhersage Jesu?

Müssen wir uns fürchten vor dem eigenen Tod oder vor dem Ende der Welt?

Jesus jedenfalls ermutigt uns dazu, gelassen auf das zu warten, was da kommen wird.

Denn der Tod oder das Weltende bedeuten noch lange nicht das Ende der Gemeinschaft, die Gott in der Taufe mit uns geschlossen hat.

Das Vergehen der Welt führt nicht zur Vernichtung des Lebens, sondern zum Beginn der Erlösung …

* Zur Erlösung   von allem Leid,

* Zur Erlösung   von aller Not

* Und zur Erlösung     von allem Hass.

Weil Gott mit dem Ende dieser Welt zugleich einen neuen Himmel und eine neue Erde erschaffen wird, darum dürfen wir dem Ende gelassen entgegensehen.

Wir glauben daran, dass etwas Besseres auf uns wartet, etwas Helleres, etwas Friedvolleres…

„Meine Worte werden nicht vergehen…“, sagt Jesus im Nachklang zu „Himmel und Erde werden vergehen“.

„Meine Worte werden nicht vergehen…“, darauf dürfen wir vertrauen.

Und dieses Wort soll uns genügen, damit wir ohne Angst vor dem Tod leben können.

Ein Mensch kann unwahrscheinlich viel aushalten…

Ein Mensch kann unwahrscheinlich viel leisten, wenn er auf einen Menschen zählen kann, der ihm sein Wort gegeben hat und der zu diesem Wort auch steht.

 

„Ich will dich lieben und achten, dir vertrauen und treu sein.

Ich will dir helfen und für dich sorgen und dir vergeben, wie Gott uns vergibt.

Ich will zusammen mit dir Gott und den Menschen dienen, solange wir leben.

Dazu helfe mir Gott.“

So versprechen sich Jahr für Jahr Tausende junger Menschen bei ihrer Trauung die Treue.

Und immer noch ist es so, dass diese Worte von den meisten nicht einfach so dahingesagt werden.

Es tut gut, wenn man in all den Belastungen des Lebens auf das Wort eines Menschen zählen kann.

„Nimm es dir nicht so zu Herzen!

Ich steh zu dir!

Wir halten zusammen, auch wenn wir schwere Zeiten durchmachen müssen.“

Einen Menschen zu haben, dessen Wort etwas gilt, das ist das größte Glück auf Erden, das ist mehr wert, als aller Reichtum und alle Macht.

 

„Meine Worte werden nicht vergehen…“

Auf dieses Versprechen Jesu können wir vertrauen, ob wir nun glücklich, erfolgreich und gesund sind oder aber verzweifelt, gescheitert und sterbenskrank.

Die Hoffnung auf ein Leben in Frieden in Gottes neuer Welt stimmt uns und unseren Glauben gelassen.

Gleichzeitig aber richtet Jesus unseren Blick auf die Gegenwart und ermutigt uns dazu, Verantwortung für die Kirche, die Welt und unsere Mitmenschen zu übernehmen.

„Seht und wacht…“!

Dazu fordert uns Jesus auf.

„Sehen und wachen…“, das heißt eben nicht, untätig und gleichgültig herumzustehen und so zu tun, als ginge uns das, was in der Welt und um uns herum passiert, nichts an.

„Sehen und wachen“, das bedeutet sich interessieren, sich informieren, sich eine Meinung bilden und dann auch Entscheidungen treffen und handeln.

Gott gibt uns Christen seine Welt in die Hand wie ein Hausherr, der verreist und seinen Angestellten Vollmachten erteilt.

Bedenken wir das gut!

Nicht irgendwelchen Managern oder Politikern vertraut Gott unsere Erde an, sondern gerade uns Christen, weil wir auf sein Wort hören und uns etwas von ihm sagen lassen.

Freilich, werden jetzt viele fragen:

„Wer sind wir denn noch, wir Christen?

Was zählt denn das Wort der Kirche noch im Meinungsdschungel unserer Zeit?“

Doch von Gott mit Vollmachten ausgestattet sein, das heißt ja nicht, Macht und über andere Menschen haben und ihnen unsere Ansichten aufzudrücken.

Gott betraut uns mit den Vollmachten, die ihm wichtig sind:

* Mit der Vollmacht zu beten,

* mit der Vollmacht zu hoffen,

* mit der Vollmacht zu versöhnen,

* mit der Vollmacht zu trösten

* und mit der Vollmacht zu loben.

Mit diesen Vollmachten des Glaubens ist die Kirche inzwischen fast 2000 Jahre alt geworden.

Diese Vollmachten des Glaubens haben Kaiserreiche ebenso überlebt wie Kriege.

„Politiker, Ideologien und Konzerne werden vergehen, aber die Vollmacht der Kirche, das Beten, das Versöhnen, das Trösten und Hoffen, die bleiben bestehen.“

Haben wir also Mut dazu, das zu tun, was die Kirche schon immer gemacht hat, auch dann, wenn es unmodern erscheint.

Gerade in unserer Zeit spüren viele wieder etwas davon, dass die Vollmachten des Glaubens dem Leben mehr Tiefgang verleihen als Geld, Genuss, Macht und oberflächlicher Spaß.

Präsentieren wir uns doch als eine betende Kirche in hektischen Zeiten, in der es für viele Menschen eine völlig neue Erfahrung ist, die Ruhe und die Andacht eines Gottesdienstes zu erleben.

Präsentieren wir uns doch als eine hoffende Kirche in einer übersättigten Zeit, in der die Menschen zwar viel erleben, aber verlernt haben, über das zu staunen, was ihnen da geboten wird.

Präsentieren wir uns als eine versöhnende Kirche in einer gnadenlos rechthaberischen Zeit, in der einer auf dem anderen herumhackt und dabei seine eigenen Unzulänglichkeiten nicht mehr wahrnimmt.

Präsentieren wir uns als eine tröstende Kirche, gerade an Ewigkeitssonntag, an dem so viele Menschen so viele liebevolle Menschen schmerzhaft vermissen.

Als eine tröstende Kirche nehmen wir einander wahr, sehen uns in die Augen und gehen wir aufeinander zu, auch dann, wenn uns die Worte fehlen.

Präsentieren wir uns aber auch – trotz des Leids und der Trauer – als eine lobende Kirche, weil wir Gott danken für die Zeit, die er uns schenkt – für die Zeit des Glücks ebenso wie für die Zeit der Trauer.

Als eine betende, hoffende, versöhnende, tröstende und lobende Kirche geben wir der Welt viel mehr als all die Politiker und Wirtschaftskapitäne, die Tag für Tag die Schlagzeilen bestimmen.

Beten, hoffen, versöhnen, trösten und loben, das ist unser Handwerk als Christen.

Pflegen wir dieses Handwerk, damit der Herr unserer Welt uns bei unserer Arbeit antrifft, wenn er in sein Eigentum zurückkehrt.

 

Amen


Evang-luth. Kirchengemeinde Kulmbach-Mangersreuth

pfarramt.mangersreuth@elkb.de

Magister-Goldner-Platz 2, 95326 Kulmbach

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